Herr Barell, was bedeutet die mögliche Wiedereinführung von Kontingenten für Grenzgänger für die Region Basel?

Gabriel Barell: Es wird einen Verteilungskampf um die Kontingente geben. Dabei wird die Kategorie der Grenzgänger nicht die besten Karten haben, die Region Basel nicht, und nicht zuletzt auch die KMU, die kleinen und mittleren Betriebe.

Was sind denn die Probleme für die KMU?

Sie werden nicht genügend Arbeitskräfte und Grenzgänger bekommen und die Bürokratie wird massiv zunehmen. Davon sind die KMU doppelt betroffen. Sie werden in Nachtarbeit ihre Anträge ausfüllen müssen. Ausserdem müssen für die Bürokratie beim Staat Leute eingestellt werden, für die die KMU über die Steuern zur Kasse gebeten werden. Sie sind rundum die Verlierer.

Nun könnte man einwenden, dass es früher mit den Kontingenten ja auch geklappt hat.

Die Betriebe haben diese administrative Zusatzarbeit in Nachtschichten erledigt. Heute können sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und haben dadurch mehr Erfolg. Die Betriebe sind viel flexibler. Das Wachstum in unserer Region verdanken wir zu einem grossen Teil dieser Flexibilität und auch den Grenzgängern.

Was hätte die Annahme der Initiative für wirtschaftliche Konsequenzen für die KMU?

Die Aufträge sind da. Um sie zu erfüllen, braucht es auch die Grenzgänger. Wenn es zu Lieferengpässen kommt, werden sich die Auftraggeber anders orientieren und es ist ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten zu befürchten.

Warum ist der Grenzgängeraspekt der Initiative bisher so wenig bekannt?

Die Auseinandersetzung über die Initiative startet ja jetzt erst richtig. Die Leute haben sich mit den Details noch nicht befasst – das ist sehr gefährlich. So hat mich überrascht, dass der elsässische Grenzgängerpräsident, mit dem wir gesprochen haben, kein massives Problem bei der Einführung der Kontingente sah. Schliesslich wird die Kampagne zur Masseneinwanderungsinitiative von den Zentralen aus gemacht, die sich nicht in Basel befinden. Für uns hier sind die Grenzgänger von vitaler Bedeutung, deshalb stellen wir nun auf lokaler Ebene die Grenzgängerthematik in den Fokus.