Das Schicksal von Gabriele Auciello berührt die Stadt. Allein auf Facebook haben es mehrere Dutzend Leute kommentiert. Hinzu kommen zahlreiche Kommentare zum Artikel der bz auf anderen Kanälen. Diese hatte neulich berichtet, dass der Beizer von «Gabri’s Pasta» in der Rheingasse wegen einer Hausbesitzerin nicht mehr hinausstuhlen darf.

Als Test hatte er eine Bewilligung für bis zu sechs Tische im Reverenzgässlein zwischen Rheinpromenade und Rheingasse erhalten. Mieter eines angrenzenden Hauses hatten sich bereits am ersten Abend über Zigarettenrauch und Lärm unter ihren Fenstern beschwert. Ein schriftlicher Appell des Beizers, die Gäste mögen leise sein, nicht rauchen und die letzte Runde um 21.15 Uhr bestellen, hat nichts genützt.

Rückzug wegen Dauerbelastung

Die Hausbesitzerin zog ihre Einverständniserklärung für eine Boulevard-Testphase neben ihrem Haus nach fünf Abenden unerwartet «per sofort» zurück. Das Gastgewerbeinspektorat reagierte prompt – und entzog dem Beizer die Bewilligung. Der Tenor: «Das geht nicht!» «Typisch Basel, tote Stadt.» «Solche Anwohner sollen aufs Land ziehen!» «Kleingeister» seien das. Geändert hat diese öffentliche Empörung nichts. Im Gegenteil. Gabriele Auciello hat aufgegeben und den Rekurs gegen den Bewilligungsenzug inzwischen zurückgezogen. «Es hat mich zu stark belastet, ich war mit den Nerven am Ende», sagt er. Er sei Wirt, nicht Jurist. Seine Leidenschaft sei das Bewirten der Gäste und nicht das Streiten vor Gericht. 

Während die Sache für das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) damit erledigt ist, wird das Thema für den Wirteverband erst interessant: «Unabhängig von Betrieb und Quartier wirft der Fall Fragen auf», sagt Maurus Ebneter. Der Präsident des Basler Wirteverbands bedauert, dass Auciello seinen Rekurs zurückgezogen hat. Der Verband habe erst durch die Medien von dem Fall erfahren, «sonst hätten wir uns früher eingeschaltet. Gern hätten wir Herrn Auciello beim Beschreiten des Rechtswegs unterstützt», sagt Ebneter.

Er zeigt jedoch Verständnis für den Rückzug des Beizers. «Die fehlende Rechtssicherheit ist für Gastronominnen und Gastronomen ein grosses Problem. Sie führt zu unnützen Kosten und schlägt auf ihre Moral.» In der Tat: Auciello hat viel Geld verloren durch die Geschichte, unter anderem für den Kauf der Tische und Bänke. Zwar war ihm bewusst, dass es sich um eine Testphase handelte. Allerdings hatte er damit gerechnet, dass diese – wie auf den amtlichen Dokumenten festgehalten – bis Ende Sommer dauern würde und nicht nur fünf Abende. 

BVD-Sprecher Marc Keller erklärt: «Die Bewilligung war provisorisch und befristet, weil sie auf einer provisorischen Einverständniserklärung einer Hausbesitzerin basierte. Mit dem Entzug ihres Einverständnisses war die Bewilligung nicht mehr haltbar.» 

Anwohner verhinderten Buvette

Mit solchen Erklärungen gibt sich Maurus Ebneter nicht zufrieden: «Es kann nicht sein, dass die Erteilung und insbesondere der Entzug einer Bewilligung ausschliesslich vom Einverständnis einzelner Anwohner abhängig gemacht wird», sagt er. Das Kriterium «Rauchen» könne zudem nicht ausschlaggebend sein. Es habe mit der Standortverträglichkeit gemäss Gesetz schlicht nichts zu tun.

Er fordert die Behörden auf, sich bei solchen Entscheiden stets vor Augen zu halten, «dass das Gastgewerbe für die Lebensqualität und die touristische Attraktivität sehr bedeutsam ist». Um die Sache «übergeordnet» zu besprechen, hat der Wirtepräsident den zuständigen Regierungsrat Hans-Peter Wessels um ein Gespräch gebeten. Dieser habe sich interessiert gezeigt, einzig ein Termin stehe aus. 

Gut möglich, dass in diesem Gespräch alles besser klingen wird, als der Fall «Gabri» es erahnen lässt. BVD-Sprecher Marc Keller sagt jedenfalls: «Wir legen nach wie vor Wert auf die Belebung der Rheingasse und unterstützen diese auch überall dort, wo es machbar und rechtlich haltbar ist.»

Das BVD hat jedoch bereits 2002 am selben Ort gegen Anwohner verloren. Damals scheiterte eine vom BVD geplante Buvette unterhalb des Reverenzgässleins am Widerstand der Anwohner.