In den Siebzigern war die Basler Liebe für das Auto noch stärker als jene für den FCB. Benthaus und Odermatt durften im April 74 nicht auf dem Landhof trainieren, denn es war Muba und das Fussballfeld wurde als Parkfeld genutzt. Auch Münster-, Barfüsser-, und Marktplatz waren Blech-Heimaten. Doch die Liebe erlosch zusehends. Und weil man Verflossene nicht mehr so oft sehen wollte, wurden Autos verdrängt. Zuerst an den Strassenrand, dann in Parkhäuser, schliesslich unter die Erde. Doch noch immer ist die Beziehung der Basler zum Auto gestört.

Heute sind Parkplätze die scheinbar grösste Sorge der Basler Grossräte, sie streiten sich bei jeder Gelegenheit und mit viel Verve um jeden einzelnen, der verschwinden soll. Das liegt unter anderem daran, dass die Regierung einen unerfüllbaren Widerspruch erfüllen muss. Auf der einen Seite steht der Gegenvorschlag zu Städteinitiative: 2010 sagten die Basler, der motorisierte Individualverkehr sei um 10 Prozent zu senken.

Da der Kanton weder die Zulassungen begrenzen noch die Benzinpreise erhöhen kann, verknappt er die Parkplätze. Das wäre so schon eine reichlich utopische Aufgabe, denn auch wenn der Fahrzeugbestand zuletzt leicht rückläufig war, hat das Bevölkerungswachstum die Zehn-Prozent-Marke längst verunmöglicht. Doch richtig kompliziert wurde es 2011. Als der Grosse Rat beschloss, die Parkiermöglichkeiten zugunsten von weniger Suchverkehr auszubauen. In vielen Quartieren wurden aus weissen Zonen blaue.

Neue Ansätze

Im Spannungsfeld zwischen erbosten Anwohnern und enttäuschten Grünen erstaunt nicht, dass jede Regung von Regierungsrat Hans-Peter Wessels – manchmal sinnvoll, manchmal weniger – sofort mit Prügeln von unterschiedlichster Seite quittiert wird.

In dieser Stadt lanciert der Gewerbeverband gleich zwei Initiativen, wie zukünftig mit dem Verkehr zu verfahren sei und bewegt sich damit deutlich ausserhalb seines gewohnten Terrains. Doch auch die Regierung will den eingeschlagenen Weg korrigieren und wagt neue Ansätze in der Parkraumbewirtschaftung. Aktuell befindet sich das Papier in der Vernehmlassung. Auch wenn die Reaktionen vorhersehbar sind.

Wohin will Wessels? Er will die Autolenker unter die Erde bringen. «Es werden Parkplätze aus dem Strassenraum in Tiefgaragen verlagert und es soll ausreichend Parkmöglichkeiten geben, damit der Parksuchverkehr abnimmt», schreibt BVD-Sprecherin Nicole Stocker auf Anfrage. Aus einer Präsentation zum neuen Kunstmuseums-Parking stammt die Folie mit der Ankündigung von 1000 zusätzlichen Parkplätzen, alle in Parkings.

Die Parkings beim UKBB (200-300) und City (200) sollen erweitert werden, Neubauten entstehen neben dem Kunstmuseum auch am Erdbeergraben und unter dem Landhof, der so zu einer alten Bestimmung zurückfindet. Denn inzwischen ist Platz knapp und die Allmend hat andere Funktionen zu erfüllen, als Abstellplatz für Autos zu sein. Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch die Sicherheit: In den vergangenen Jahren haben sich die national geltenden Bestimmungen geändert. Etwa, wie nahe ein Parkfeld an einem Fussgängerstreifen liegen darf.

Subventionierte Parkings

Gerade der Landhof spielt in den jüngsten Überlegungen der Regierung eine zentrale Rolle. Selten ergibt sich eine solche Fläche, noch dazu in einem Quartier mit notorisch vollen blauen Zonen, vor allem in der Nacht. Die Regierung will den Bau fördern und greift dazu sogar auf eine neue Schatulle zurück: «Der Zugang zu Pendlerfondsmitteln wird vereinfacht und die ausbezahlten Investitionsbeiträge sollen eine ausreichende Rentabilität neuer Quartierparkings ermöglichen», heisst es in den Unterlagen zur Vernehmlassung.

Wirtschaftlich interessieren die Parkings nämlich kaum, und auch Wohnungsbauer verzichten immer häufiger auf den Bau von Tiefgaragen, so die Beobachtung der Regierung. Gegen diese These spricht die Aussage der Landhof-Investoren, wonach die Hälfte der geplanten Parkplätze bereits verbindliche Mieter haben – lange bevor Kommission, Rat oder vielleicht sogar das Volk grünes Licht dazu gegeben haben.

Autobesitzer rund um den Landhof erhalten noch ein weiteres Zückerchen: Oberirdisch fallen keine Parkplätze weg. «Im Wettstein-Quartier ist die Parkplatz-Auslastung überdurchschnittlich hoch – zeitweise liegt sie bei mehr als 100 Prozent», sagt Stocker. Die angestrebte Auslastung liegt aber bei 90 bis 95 Prozent. «Deshalb hat der Regierungsrat beschlossen, dass die Parkplätze, die im Quartierparking Landhof entstehen und ausschliesslich den Anwohnenden zur Verfügung stehen, oberirdisch nicht kompensiert werden müssen.»

Viel teurer, immer noch billig

Damit die Anwohnerparkings in Zukunft besser genutzt werden, ergreift das BVD weitere Massnahmen. Der Preis für die Anwohnerparkkarte wird in der ganzen Stadt verdoppelt, neu soll sie 284 Franken im Jahr kosten. Das ist immer noch deutlich weniger als in anderen Städten. Zürich verlangt 300, St. Gallen 360, Lausanne 500 und Luzern satte 600 Franken im Jahr. Und es ist viel weniger, als ein privater Parkplatz kostet. Auf Immobilienportalen finden sich für jedes Quartier Angebote ab rund 150 Franken im Monat. In einem ähnlichen Bereich dürften sich auch die Quartierparkings bewegen.

Leeres Messe-Parking

Die 200 entstehenden Parkplätze im Landhof sind Peanuts im Vergleich zum freistehenden Volumen im Messeparking, das sich in 50 Metern Luftlinie dazu befindet. Eine Auswertung der «Schweiz am Wochenende» über mehrere Tage ergab, dass jede Nacht rund 700 Parkplätze frei stehen. Natürlich handelt es sich dabei nur um eine Stichprobe, doch auch die Regierung kommt zum Schluss: «Zahlreiche Parkplätze und Parkhäuser sind nachts geschlossen und leer.»

Eine Doppelnutzung schliesst das BVD dennoch aus. «Das Messeparking ist ein öffentliches Parking, das phasenweise voll belegt ist und vor allem einen anderen Zweck erfüllt als das geplante Quartierparking Landhof, das ausschliesslich den Anwohnenden zur Verfügung steht», sagt Stocker. Das Parking macht sein Geld vor allem während zweier Messen: Art Basel und Baselworld. Selbst jetzt, während der Muba, stehen zumindest unter der Woche jederzeit freie Plätze zur Verfügung.

Dass man auf den Landhof-Rasen ausweichen müsste? Undenkbar.