Die Stimmung in der Basler Innenstadt vor dem Spiel zwischen der AS Saint-Etienne und dem FC Basel war zeitweise einigermassen bedrohlich. Der Tramverkehr kam temporär völlig zum Erliegen. Die Fans des Clubs aus der ehemaligen Industriemetropole im Massif Central gehören zu den berüchtigteren in der französischen Liga und sie marschierten quer durch die Stadt. «Die Fangruppierungen kamen mit Cars an und marschierten aus dem Bereich Zeughaus in die Innenstadt», beschreibt Polizeisprecher Andreas Knuchel den Anfang des Tages.

Vor dem Europa League-Spiel FCB gegen AS Saint Etienne zogen mehrere hundert Saint Etienne-Fans durch die Basler City und blockierten die Trams.

Vor dem Europa League-Spiel FCB gegen AS Saint Etienne zogen mehrere hundert Saint Etienne-Fans durch die Basler City und blockierten die Trams.

Die Fans aus Saint-Etienne bilden zwei grosse Lager, die sich untereinander nicht verstehen. Entsprechend bildeten sie auch beim «gemeinsamen» Fanmarsch aus der Innenstadt zum Joggeli zwar einen grossen Zug, aber in dessen Mitte klaffte eine gehörige Lücke. Auf diesem Marsch ging es nicht nur sehr laut zu und her, sondern die Stimmung kippte auch bei vielen der stark alkoholisierten Fans ins Aggressive. Zeugen berichten von Flaschenwürfen gegen Autos, Klopfen aufs Autodach und Bierduschen gegenüber Passanten und Autos. «Wir wussten um das Gewaltpotenzial und waren mit entsprechend starken Kräften vor Ort», sagt Knuchel.

Die Etienne-Fans marschieren lautstark durch Basel.

In der Tat wähnte man sich in der Innenstadt zeitweise an die OSZE-Konferenz zurückversetzt – so viele Polizeikräfte aus verschiedenen Kantonen standen hier bereit. «Es war bereits während des Tages zeitweise eine ungute Stimmung auszumachen und wir mussten einige Unruhestifter aus der Menge greifen», berichtet Knuchel. Wirklich eskaliert sei die Situation aber nur einmal, als es am späten Nachmittag vor der Rio-Bar am Barfüsserplatz zu einem ersten Einsatz von Gummischrot durch die Polizei kam. Dies sei nötig gewesen, um eine Schlägerei zu beenden. Anlässlich dieses Raufhandels wurden auch drei französische Fans angehalten und von der Staatsanwaltschaft festgenommen.

Pyros gegen Polizisten

Während des Fanmarsches setzte die Polizei ein weiteres Mal Gummischrot gegen die Saint-Etienne-Fans ein. Und zwar, als diese auf dem Weg ins Stadion Polizisten attackierten und auf der Kreuzung St. Jakobs-Strasse/Zeughausstrasse mit Pyrofackeln bewarfen.

In ihrer Bilanz meldet die Polizei 15 kontrollierte Gästefans. Zehn von ihnen verbrachten die Zeit des Spiels ihrer Mannschaft in Polizeigewahrsam statt im Stadion und drei wurden, wie erwähnt, festgenommen. Knuchel sieht durch die Ereignisse das Grossaufgebot bestätigt. Auch der Einsatz eines fliegenden Einsatzleiters, der mit dem Helikopter über der Stadt und den angrenzenden Gemeinden kreiste, habe sich bewährt.

Diese Luftüberwachung sorgte aber auf den sozialen Medien und beim Bürgertelefon des Justiz- und Sicherheitsdepartementes für etliche Rückmeldungen von Einwohnerinnen und Einwohnern, die sich über den Lärm beklagten. Zur Überwachung von Fanmärschen und anderen Bewegungen grosser Menschenmengen setzt die Kantonspolizei aber nach wie vor auf dieses Mittel, obwohl während der Euro 08 auch mit dem Einsatz von Drohnen, die wesentlich leiser sind, gute Erfahrungen gemacht wurden.