Bilanz
Gartenbäder beider Basel leiden: «Die schlechteste Saison seit zehn Jahren»

Der Sommer hat in diesem Jahr noch nicht so richtig Einzug gehalten. Nach wenigen Hitzetagen folgte sogleich wieder eine ernüchternde Kaltfront. Ebenso ernüchternd ist das zwischenzeitliche Fazit bei den Badis in der Region. Von der schlechtesten Saison seit zehn Jahren ist die Rede.

Adrian Gottwald
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Gähnende Leere statt Badespass: Das Bad St.Jakob in Basel (l.) und das Gartenbad Gitterli in Liestal.

Gähnende Leere statt Badespass: Das Bad St.Jakob in Basel (l.) und das Gartenbad Gitterli in Liestal.

bz

«Am Mittwoch legt sich ein Zwischenhoch über die Schweiz», progonostiziert Meteorologin Sarina Scheidegger von «meteonews». «Dabei ist mit Temperaturen von bis zu 28 Grad und strahlendem Sonnenschein zu rechnen.»

Bei den Verantwortlichen der regionalen Gartenbäder sorgt die wetterliche Aufhellung jedoch für keine Freudensprünge mehr. Zu tief sind die bereits vorhandenen Sorgenfalten. «Wir verzeichnen rund 30 Prozent weniger Gäste als in den vergangenen Jahren», sagt ein niedergeschlagener Eric Hardman, Leiter der Sportanlagen St.Jakob, gegenüber der bz. «In Zahlen ausgedrückt sind es 30'000 weniger Eintritte als im letzten Jahr.»

Dass die Saison noch im Guten endet, glaubt er nicht. «Logisch versuchen wir, zuversichtlich zu sein. Doch wer die Sache realistisch betrachtet, der muss einsehen, dass dieses Jahr kaum noch zu retten ist.» Da die Sommerferien nur noch vier Wochen dauern und auch der Frühling nicht rosig verlief, spricht Hardman bereits jetzt von einer der schlechtesten Saisons der letzten zehn Jahre. «Ein Zwischenhoch ist natürlich erfreulich, aber bereits Ende Woche sinken die Temperaturen wieder», gibt er zu Bedenken.

In den Bädern Bachgraben und Eglisee dasselbe Bild. «Im Vergleich zum letzten Jahr hatten wir bis jetzt 10'000 respektive 6'000 Badi-Besucher weniger», so Rolf Moser, Leiter Vermietung und Belegung der städtischen Badeanlagen. Im Gegensatz zu seinem Kollegen gibt sich Moser aber optimistischer: «Bei schönem Wetter werden die Zahlen steigen.»

Gleiche Misere im Landkanton

Keine einfache Situation also für die Verantwortlichen der Gartenbäder. Viele Einrichtungen haben sich auf einen grossen Besucheransturm vorbereitet, haben ihre Bäder renoviert und ihr Angebot ausgebaut. Dem relativ durchzogenen Saisonstart wurde mit grosser Zuversicht entgegengehalten. Es werde schon noch besser, war die Devise vieler Schwimmbäder. Nun ist die Badi-Saison bald in ihrer Halbzeit angekommen und auch der treueste Optimist hat erkannt, dass das Fazit dieser Saison eher schlecht als recht ausfallen dürfte.

Auch im Gartenbad Arlesheim ist man sich darüber im Klaren. «Wir haben 5000 Badegäste weniger als im letzten Jahr. Das sind rund 20 Prozent», sagt Angelica Dietler, Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde Arlesheim. Auch sie glaubt kaum, dass ein allfälliger Sommereinbruch die Misere noch abwenden kann. «Angesichts der bisherigen Zahlen wird es keine gute Saison für uns.»

Den Schaden minimieren könne man möglicherweise durch eine Verlängerung der Saison. «Das müssen wir aber intern diskutieren», so Dietler. Doch dafür sei man auf etwas angewiesen, was man nicht beeinflussen könne: Gutes Wetter.

In Liestal herrscht ebenfalls oft Tristesse auf der Liegewiese. Bis Ende Juni haben acht Prozent weniger Badegäste wie im letzten Jahr das Gitterlibad besucht. Im Juli sieht es noch düsterer aus. 2011 zog es während des heissesten Monats des Jahres rund 10'000 Besucher ins Gartenbad. Im laufenden Monat sind es erst deren 3'200. Die Zahlen werden bei guter Witterung steigen, dass ähnliche Werte wie in den letzten Jahren erreicht werden, scheint jedoch aussichtslos.

Bessere Witterung bringt Hoffnung

Gut möglich, dass sich die Wetterlage noch bessert: «Wir machen zwar keine Langzeitprognosen, aber ab nächster Woche werden die Temperaturen mit grosser Wahrscheinlichkeit steigen», so Meteorologin Scheidegger.

Für die Badelandschaften beider Halbkantone ein minimaler Hoffnungsschimmer: Auch wenn die Saison bis jetzt zum Vergessen war und Statistiken dies grausam an den Tag legen, so zeigen die Zahlentabellen doch etwas auf: Die meisten Eintritte wurden jeweils im Juli verzeichnet. Für die Gartenbäder gibt es noch viel aufzuholen, um die Saison versöhnlich abzuschliessen.

«Der Sommer ist noch lang», gibt sich Rolf Moser kämpferisch. «Wir haben ihn noch nicht aufgegeben.» Bleibt zu hoffen, dass sich Petrus gnädig zeigt.