Die Verunsicherung in der Heizungs-Branche und bei Kunden ist gross, denn niemand weiss, welche Heizungen ab 1. Oktober mit welchen Beträgen gefördert werden. «So kann man keine Offerten schreiben», sagen mehrere Heizungsbauer übereinstimmend. Und: Es sei schwachsinnig, den Termin für eine Gesetzesanpassung mitten in die heisse Phase für Heizungssanierungen zu legen – wäre das Gesetz auf Anfang Jahr eingeführt worden, dann hätte man sich in der für Heizungsbauer ruhigen Wintersaison damit befassen können.

«Dass der 1. Oktober für Unternehmen nicht der idealste Zeitpunkt ist, können wir nachvollziehen», sagt Thomas Fisch vom Amt für Umwelt und Energie. Es gäbe allerdings auch Bauherren, die darauf drängen, dass das Gesetz möglichst bald komme und sie Gewissheit über die neuen Zuschüsse hätten. Die Verordnung zum neuen Energiegesetz, die ebendiese Details regle, sei ausgearbeitet, müsse jedoch noch von der Regierung verabschiedet werden. Deshalb könne über den genauen Inhalt nicht informiert werden.

Die Kritik von Seiten der Heizungsfirmen ist heftig: «Wir stehen unseren Kunden gegenüber so da, als hätten wir keine Ahnung», sagt ein Inhaber, der anonym bleiben möchte. Es sei eine idiotische Idee, die erste Informationsveranstaltung Anfang September anzubieten – für ein Gesetz, das bereits einen Monat später in Kraft trete und «heftige Auswirkungen» auf die gesamte Branche habe.

Tatsächlich wird die Heizungslandschaft mit dem neuen Energiegesetz, das 2016 als Gegenvorschlag zur Initiative «Basel erneuerbar» vorgelegt und vom Grossen Rat deutlich angenommen wurde, massiv umgekrempelt. So ist der Ersatz von Öl- und Gasheizungen nicht mehr zulässig, sofern eine technisch machbare und finanziell nicht teurere Alternative zur Verfügung steht. Die wichtigste Rolle dabei werden die neuen Bezuschussungen der alternativen Heizungsformen spielen, deren genaue Beträge jedoch Teil der Verordnung und damit noch nicht bekannt sind.

Im Ratschlag zum neuen Energiegesetz sind zwar Zahlen aufgeführt, diese entsprechen jedoch nicht jenen in der Verordnung, wie Fisch sagt. Einen Hinweis, in welche Richtung es geht, geben sie trotzdem: So werden insbesondere Wärmepumpen sowie ein Anschluss ans Fernwärmenetz massiv stärker gefördert, die Sole- und Grundwasserwärmepumpen mit 23 000 Franken statt bisher 5000 Franken. Die Beiträge für Holz-Pellet-Heizungen blieben demnach bei den bisherigen 13 000 Franken, Förderbeiträge für Solaranlagen in Kombination mit fossilen Heizsystemen sollten ursprünglich ganz wegfallen. Doch dies dürfte in der Verordnung bereits wieder geändert sein.

In der Branche kommt diese Geheimniskrämerei schlecht an. «Es ist, als würden während des Wettkampfs die Regeln angepasst», sagt Martin Omlin von der gleichnamigen Energiefirma. Ivan Djokic, Geschäftsführer bei Römelin Heizsysteme, sagt: «Es liegt an jedem einzelnen Anbieter, sich die Informationen zu beschaffen und die Kunden zu informieren – aber weil das nicht alle tun, sind die Gutinformierten häufig die Dummen, weil sie den Kunden zwar richtige, aber vielleicht weniger günstige Lösungen präsentieren.»

Kunden bleiben cool

Wie genau die Kunden auf die aktuelle Gesetzesumstellung reagieren, ist unklar. In der Branche ist beiderlei zu erfahren: Einige Firmen sagen, dass sie sich vor Kurzschluss-Aufträgen kaum mehr retten können, andere sagen, die aktuelle Situation führe zu einem Stillstand. Die Zahlen der IWB zu ausgewechselten Gasheizungen zeigen ebenfalls keinen eindeutigen Trend: Wurden im ersten Halbjahr 2016 im ganzen Versorgungsgebiet 522 Inbetriebnahmen verzeichnet, waren es im gleichen Zeitraum 2017 deren 550.

Ziel des Energiegesetztes ist, dass der Grossteil der 10 700 Gasheizungen sowie praktisch alle 300 Ölheizungen im Kanton innert 20 Jahren durch Fernwärme, Wärmepumpen oder Holzheizungen ersetzt werden. Dafür sind Förderbeiträge von 7,5 Millionen Franken vorgesehen. Die Finanzierung geschieht durch zusätzliche Beiträge des Bundes sowie aus der CO2-Abgabe.