Wolfgottesacker
Gassenstübli-Eröffnung direkt neben dem Friedhof sorgt für Unruhe

Am 9. November eröffnet das neue Basler Gassenzimmer auf dem Dreispitz seine Tore. Dass die Drogensüchtigen sich gleich neben dem Friedhof Wolfgottesacker treffen werden, bereitet vielen Sorgen.

Moritz Kaufmann
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Das neue Gassenzimmer von der Hinterhof Bar aus fotografiert. Dahinter: der Eingang zum Friedhof.

Das neue Gassenzimmer von der Hinterhof Bar aus fotografiert. Dahinter: der Eingang zum Friedhof.

Nicole Nars-Zimmer

Ein umstrittenes Bauwerk steht kurz vor der Vollendung: Am 9. November öffnet die sogenannte Kontakt + Anlaufstelle Dreispitz (K+A) für Drogenabhängige ihre Tore. Das bestätigt Philipp Waibel, Leiter der Basler Gesundheitsdienste, gegenüber der bz.

Die neue Drogenanlaufstelle hat in der Stadt viel Ärger verursacht, seit der Grosse Rat 2011 beschlossen hatte, diese für 2,65 Millionen Franken zu bauen. Grund dafür ist ihre ungewöhnliche Lage: Unmittelbar neben der neuen K + A befindet sich der Friedhof Wolfgottesacker.

25 Prozent Baselbieter

Die neue K + A Dreispitz liegt direkt an der Kantonsgrenze, was Baselbieter Abhängigen entgegen kommen dürfte. Laut dem Baselbieter Drogenbeauftragen Joos Tarnutzer kommen 25 Prozent der rund 450 Benutzer der Basler Gassenzimmer aus dem Landkanton. Dieser entschädigt die Stadt dafür jährlich mit 850 000 Franken.

Aus Angst vor einer offenen Drogenszene auf dem Friedhof sind Mitglieder aus der kantonalen Friedhofskommission unter Protest ausgetreten. Ausserdem sind Rekurse eingegangen. Auch im Gundeli-Quartier gab es Vorbehalte.

Zwei Gassenzimmer schliessen

Der Widerstand war zwecklos. 200 Abhängige werden in knapp zwei Monaten im K + A Dreispitz in sauberer Umgebung ihrer Sucht nachgehen können. Dafür werden zwei andere Gassenzimmer in der Stadt aufgehoben: Das in der Spitalstrasse Ende dieses Jahr, jenes bei der Heuwaage im ersten Quartal 2014.

Philipp Waibel glaubt deshalb, dass der Übergang geordnet vonstattengehen wird: «Wichtig für die Betroffenen ist, dass täglich zwei Öffnungszeiten - eine Tagesöffnung und eine Abendöffnung - zur Verfügung gestellt werden.» Dies sei auch künftig der Fall. Wie genau die Öffnungszeiten sein werden, sei derzeit in Abklärung.

Ein Sicherheitskonzept stehe, versichert Waibel. Eine grosse Arbeitsgruppe bestehend aus der kantonalen Sucht-Abteilung, der Polizei, der Stadtgärtnerei, dem Bestattungswesen, der Securitas und Vertretern der Baselbieter Behörden hätten Massnahmen erarbeitet. Denn: Eine offene Szene auf oder Dealerei auf dem Friedhof nebenan soll verhindert werden.

Friedhof muss «gesichert» werden

«Wir haben Respekt vor der Aufgabe, die auf uns zukommt», sagt Marc Lüthi, Leiter des Basler Bestattungswesens. Der Friedhof Wolfgottesacker, wo es jährlich etwa 100 Bestattungen gibt, müsse «gesichert» werden. Auch am Wochenende, wenn keine Gärtner vor Ort sind, sollen sich die - meist älteren - Friedhofsbesucher sicher fühlen können. «Dafür werden Securitas patrouillieren», sagt Lüthi. «Wir sind nicht am ‹hypere›, aber wir sind aufmerksam», fasst er zusammen.

Auch Beatrice Isler, Präsidentin der Quartierkoordination Gundeldingen, spürt eine gewisse Anspannung. «Uns liegt vor allem die Route Bahnhof-Soup&Chill-Gassenzimmer auf dem Magen.» Die Suppenküche Soup and Chill liegt auf der Strecke zur K + A Dreispitz und diese führt mitten durchs Gundeli. «Man hat uns aber versichert, dass die Drogenabhängigen das Tram nehmen.»

Unmittelbar benachbart ist auch der beliebte Nachtclub Hinterhof Bar. «Wir wissen noch nicht genau, was auf uns zukommt», sagt Hinterhof-Chef Philippe Hersberger. Sein Personal wird eine Führung im K + A machen, um «Vorbehalte abzubauen».

Auch werde man wohl in Zukunft am Tag die Türen abschliessen, die man bisher offen lassen konnte. Hersberger nimmts wies kommt: «Es ist wie mit allen neuen Nachbarn: Man muss sich anfreunden.»