Gastronomie
Cüpli, gemischte Gefühle und etwas Regen: So verlief der erste Tag mit den offenen Restaurantterrassen in Basel

Die Innenstadt beginnt langsam wieder zu pulsieren – ein Teil der Beizen ist seit Montag wieder offen. Die meisten Wirte und Gäste sind froh darüber. Da sind aber auch die verhaltenen Stimmen. Und das Wetter machte nicht wirklich mit. Ein Spaziergang vom Klein- ins Grossbasel.

Rahel Koerfgen
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Beim «Schiefen Eck» am Claraplatz stossen die Gäste noch vor dem Mittag mit Bier, Cüpli und Co. an.

Beim «Schiefen Eck» am Claraplatz stossen die Gäste noch vor dem Mittag mit Bier, Cüpli und Co. an.

Nicole Nars-Zimmer

Genüsslich nippt er an seiner Stange, immer das bunte Treiben des Claraplatzes im Blick. Es ist Montag, noch nicht ganz 12 Uhr. «Aber dieses Bier gönne ich mir jetzt», sagt der ältere Herr mit Schiebermütze, der auf einem der roten Stühle beim «Schiefen Eck» Platz genommen hat: «Ich hatte lange Zeit nach meinen Kollegen, die ich stets hier treffe. Die vergangenen fünf Monate waren einsam.»

Es ist Montag, kein gewöhnlicher, sondern der Tag, an dem die Stadt sich ein bisschen Leben zurückholt. Die Restaurants dürfen schweizweit wieder ihre Aussenbereiche öffnen, Menschen bewirten, die gesellig zusammensitzen. Maximal vier an einem Tisch, das klappt im «Schiefen Eck» gut. Sie sei so glücklich darüber, wieder arbeiten zu können, sagt Serviceangestellte Sigi:

«Als wir heute um halb 8 Uhr morgens öffneten, haben die ersten Gäste draussen schon gewartet. Es läuft sensationell.»

Sagt es und entschwindet in die Beiz, um weiteren Kaffee, Bier und Cüpli aufs Tablett zu laden. Während es beim «Schiefen Eck» rundläuft, herrscht an der Rheinpromenade zur Mittagszeit triste Stimmung. Beim Restaurant Krafft und auf der Terrasse des «Schmalen Wurfs» haben je eine Handvoll Leute Platz genommen. Eine Serviceangestellte putzt noch die Tische, die auf halbem Weg zum Rheinbord zwischen den Bäumen platziert wurden. «Wir sind froh, dürfen wir uns auf Allmend ausdehnen. Jetzt muss nur noch das Wetter besser werden», sagt sie, blickt argwöhnisch gen Himmel.

Pünktlich kam die Sonne wieder: Feierabendstimmung vom Rheinbord über Spalenberg und Steine bis ins Gundeli.

Simone Morger

Kein Leben vor dem «Stadtkeller» und der «Hasenburg»

Längst nicht alle Beizen sind wieder offen. Für einige lohnt es sich schlicht nicht, weil da keine Terrasse ist oder sie nur einen kleinen Aussenbereich bewirten können. Kein Leben vor dem «Stadtkeller» an der Schifflände, auch nicht bei der «Hasenburg». Das wirkt wie ein Mahnmal an vergangene, düstere Zeiten.

Dafür pulsiert es am Marktplatz umso mehr, sogar Polit-Prominenz aus dem Baselbiet ist zugegen, in der Front Row mit Blick aufs Rathaus. Die ehemalige Landratspräsidentin Elisabeth Augstburger strahlt in der Brasserie Baselstab ihren Coiffeur an, der ihr gegenüber sitzt, ein Treffen zwecks ungezwungener Beratung. «Toll, ist das wieder in so einem Rahmen möglich», sagt die Politikerin. «Und jetzt fängt der Frühling an – perfektes Timing!»

«Endlich wieder möglich»: Die ehemalige Landrätin Elisabeth Augstburger trifft sich zum Kaffee auf dem Marktplatz.

«Endlich wieder möglich»: Die ehemalige Landrätin Elisabeth Augstburger trifft sich zum Kaffee auf dem Marktplatz.

Nicole Nars-Zimmer
Beim «Tapas del Mar» am Spalenberg wird die Freude über die Teilöffnung sogar aufs Papier gebracht.

Beim «Tapas del Mar» am Spalenberg wird die Freude über die Teilöffnung sogar aufs Papier gebracht.

Nicole Nars-Zimmer

Weiter spaziert, den Spalenberg empor, links das «Tapas del Mar». Längst sind hier nicht alle Mittagstische besetzt, es sieht ja auch immer mehr nach Regen aus und nicht nach Frühling, wie uns Augstburger weismachen wollte. Von der durchzogenen Witterung lässt sich Wirtin Pia Elia die Laune aber nicht verderben. Vor der Eingangstüre hängt ein Schild: «Juhuu! 19.4.21 wieder offen», dazu ein grinsendes Smiley dazu gekritzelt.

«Ich bin Wirt und nicht Polizist.»

Derweil werden in der Küche des «Löwenzorns» am Gemsberg Salatteller im Akkord hergerichtet, Pächter und Küchenchef Anwar Frick treibt sein Team mit motivierenden Worten an: «Die müssen erst wieder in die Gänge kommen, ich übrigens auch», lacht er, sichtlich erschöpft nach drei Tagen Mise en Place.

Auf dem Menu heute: Rindsschmorbraten mit Stocki. Servicefrau Amira tänzelt zu konstantem Stimmengesumme durch den riesigen Innenhof, hier ist eine stattliche Zahl der Tische besetzt, nicht wenige Gäste prosten sich zwischen den mit Pellets befeuerten Heizpilzen mit einem Cüpli oder Rotwein zu: «Das ist ein schönes Stück Freiheit, das wir heute zurückbekommen haben», sagt eine betagte Dame im schicken Deux-Pièce. Zugegen ist auch der Rotary Club Basel, die grösstenteils grau melierten Herren sitzen brav zu Vierergrüppchen an den Gartentischen.

Da ist was los: Das Restaurant Löwenzorn mit seinem grossen Innenhof.

Da ist was los: Das Restaurant Löwenzorn mit seinem grossen Innenhof.

Nicole Nars-Zimmer
Küchenchef Anwar Frick hat alle Hände voll zu tun: Im «Löwenzorn» werden Menusalate im Akkord bereitgestellt.

Küchenchef Anwar Frick hat alle Hände voll zu tun: Im «Löwenzorn» werden Menusalate im Akkord bereitgestellt.

Nicole Nars-Zimmer

Mit dem Einhalten der Regeln klappe es bis jetzt ganz gut, meint Mitpächter Karim Frick. «Aber vielen ist noch nicht klar, dass man die Maske auch am Tisch anbehalten muss, wenn man nicht gerade isst oder trinkt.» Er bemühe sich, die Gäste darauf hinzuweisen, «aber am Ende des Tages bin ich Wirt und nicht Polizist». Er hoffe nun auf besseres Wetter; der «Löwenzorn» sei bereits sehr gut gebucht, auch mit den zwei Zeitfenstern am Abend, «aber da geht noch mehr».

Noch verhaltener klingt es ganz oben am Spalenberg, beim Restaurant Harmonie. Wirtin Anna Götenstedt sagt, die Freude ihres Teams sei riesig gewesen, als die Nachricht der Öffnung eintraf, «aber ich starte trotzdem mit gemischten Gefühlen. Unser Platz draussen ist nicht gut gedeckt. Wenn es nur ein bisschen regnet, werden kaum Gäste kommen und dann machen wir kaum Umsatz und bleiben auf den eingekauften Waren sitzen. Es macht die Planung extrem schwierig, weil wir in erster Linie ja mit frischen Zutaten kochen. Ziemlich risikoreich.»

Trotzdem habe sie nicht warten wollen, so Götenstedt. Während sie redet, beginnt es zu tröpfeln, ein paar Gäste flüchten unter einen grösseren Sonnenschirm. Götenstedt beobachtet das achselzuckend. «Sehen Sie, es ist umständlich. Aber im Moment nehmen wir, was wir bekommen.»