Wahlen Basel-Stadt

Gautschis Hypothek: FDP-Regierungskandidatin muss sich von Aussagen ihres Mannes distanzieren

Nadine Gautschi will in den Basler Regierungsrat. Nun werden Aussagen ihres Mannes ihr wohl ein paar Stimmen kosten.

Nadine Gautschi hat, wie sagt man so schön, einen Lauf. Vor wenigen Wochen wurde die Politnewcomerin noch als Verlegenheitslösung der Bürgerlichen im Kampf um den freiwerdenden Regierungssitz belächelt. Heute halten es viele nicht mehr für unmöglich, dass nicht die favorisierte Tanja Soland (SP), sondern Gautschi (FDP) am 20. Oktober in die Exekutive gewählt wird. Die 47-jährige Ökonomin kommt mit ihrer frischen und authentischen Art gut an. Doch ausgerechnet einer ihrer Nächsten könnte Gautschi einen Strich durch die Rechnung machen: ihr Mann Christian Gautschi.

So klug und differenziert sich Nadine Gautschi ausdrückt, so platt und diffamierend ist ihr Mann zuweilen unterwegs. Zumindest in den Sozialen Medien, etwa auf Facebook, wo er ein öffentliches Profil hegt und pflegt. Mehrmals täglich tut der Anwalt hier seine Meinung kund.

«Auf dem Marktplatz den nackten Arsch versohlen»

Einer von vielen Tiefpunkten aus dem Newsfeed von Christian Gautschi: Ende Mai 2019 äusserte er sich zum BVB-Debakel, dass man «allen Verantwortlichen für Infrastruktur der letzten Jahrzehnte auf dem Marktplatz den nackten Arsch versohlen» sollte. Oder ein von ihm geteiltes Bild von Angela Merkel mit der hämischen Frage, ob die Kanzlerin hier ganz dringend auf die Toilette müsse oder ob es bereits in die Hose gegangen sei. Kritische Postings zur amtierenden Regierung, zum Grossen Rat und zu den «Linken» betitelt Christian Gautschi mit Vorliebe mit «Avanti dilettanti», also: «Vorwärts, Ihr Dilettanten».

Die bz hat bei Nadine Gautschi angefragt, wie sie zum Verhalten ihres Mannes steht. Und warum er ein öffentliches Profil auf Facebook unterhält, anstatt es nur mit Freunden und damit wenigstens semiprivat zu halten. Sie äussert sich überraschenderweise sehr dezidiert: «Wir haben heftig diskutiert, weil ich meinen Wahlkampf zu meinen Themen und Positionen führen will, anstatt mit anderen über meinen Mann und seine Meinungen zu diskutieren», schreibt Gautschi, und weiter: «Ich wäre froh, wenn er nichts veröffentlichen würde. Aber in unserer Familie haben wir das Prinzip der freien Meinungsäusserung.»

Der Facebook-post von Christian Gautschi.

Der Facebook-post von Christian Gautschi.

Die Postings ihres Mannes könnten Stimmen kosten

Gleichwohl sei sie «entsetzt» über die Wortwahl in einzelnen Postings, etwa jenem zur BVB, bei der sie selber bis 2007 im Verwaltungsrat gesessen hatte. «Aber ich bin nicht zuständig für meinen Mann, Wir pflegen eine emanzipierte Rollenverteilung.» Und sie einen anderen Stil als er, betont sie. Gautschi stellt fest, dass sie das Auftreten ihres Mannes Stimmen kosten könnten. «Aber das kann ich nicht verhindern. Ich zähle auf wählende Menschen, die mir die Gerechtigkeit widerfahren lassen, nicht für diese Postings geradestehen zu müssen.»

Vor wenigen Wochen zierte der Newsfeed von Christian Gautschi ein Retro-Bild eines Soldaten mit Stahlhelm und Kaffeetasse. Dazu der Spruch: «How about a nice big cup of shut the f*** up» und darunter «Think before you say something stupid», übersetzt: «Wie wär’s, wenn Du verf*** nochmal dein Maul hältst» und «Denk nach, bevor Du was Dummes sagst». Jeder sollte zuerst im eigenen Garten rechen, wird sich Nadine Gautschi beim Lesen wohl gedacht haben.

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