Dreissig Franken verlangte der Grasshopper Club Zürich bis am vergangenen Dienstag von allen FCB-Fans, die am kommenden Sonntag das Spitzenspiel ihres Vereins im Gästesektor des Letzigrund-Stadions sehen wollten. Dass es überhaupt keine Preisermässigungen für Studenten, Lehrlinge, Jugendliche sowie Bezüger von AHV und IV geben sollte, stiess bei der treuen Anhängerschaft des Schweizermeisters auf Unverständnis.

Die Muttenzerkurve rief am Samstag beim Heimspiel gegen Sion nach erfolglosen Protesten bei GC dazu auf, vorerst keine Tickets für den Gästesektor zu kaufen. Denn GC verstiess mit dieser in der Winterpause geänderten Preispolitik gegen das Sicherheitsreglement der Swiss Football League (SFL). Diese schreibt vor, dass die Tickets für Gastfans nicht höher sein dürfen als diejenigen, die die Anhänger des Heimclubs für vergleichbare Kategorien bezahlen müssen. Für die Heimfans bietet GC abgestufte Preise.

GC lenkte am Dienstag aber überraschenderweise ein und bietet nun ermässigte Tickets für zwanzig Franken an. «Wir beschlossen, zurück zur alten Praxis zu kehren, damit die Gästetickets gleich teuer sind wie die Heimtickets», erklärt Eugen Desiderato, Medienchef von GC. Mehr wollte er dazu nicht sagen.

Auch der FC Sion mit Regelverstoss

Erleichtert zur Kenntnis nahm das Einlenken von GC die Swiss Football League. «Wir wurden selber nicht aktiv, hätten uns aber vorstellen können, bei GC den Grund für die veränderten Ticketpreise in Erfahrung zu bringen», sagt SFL-Kommunikationschef Philippe Guggisberg. Der FC Basel selbst verlangt von seinen Gästefans einen Einheitspreis von 25 Franken. Dies entspricht dem Preis von einem Einzelticket in der Muttenzerkurve Parkett, wo es aber noch eine Ermässigung gibt. «Wir bieten eine Mischform an. In mehr als zwei Drittel der Fälle finden alle Gästefans auf dem Balkon Platz und profitieren so grundsätzlich gegenüber dem Pendant auf dem Balkon der Muttenzerkurve für 36 Franken ohne Abstufung für Lehrlinge und Studenten», erklärt Silvan Bünder, Leiter Ticketing beim FCB.

Der FC Sion, der in seiner Heimkurve gleich drei Abstufungen anbietet, verlangt seit dieser Winterpause 27 Franken für alle Gästefans. Diskussionen für das Spiel am 12. April sind programmiert.

Die Fans des FCB führten in den letzten Monaten bereits Protest-Aktionen durch. Zusammen mit der Südkurve des FC Zürich, der Ostkurve Bern, dem harten Kern der GC-Anhängerschaft und den anderen Fanszenen der Deutschschweizer Super-League-Vereine veröffentlichte die Muttenzerkurve ein Statement zur Preispolitik. Darin stossen nicht nur die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen sowie das Fehlen von Ermässigungen auf Kritik, sondern auch der allgemeine Trend zu teureren Tickets. «Verlangten vor fünf Jahren nur zwei Vereine Preise, welche über 25 Franken lagen, so ist heute nur noch ein Verein unter dieser Marke», so die gemeinsame Beschwerde.