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Gebären, aber nicht im Spital: Viele Frauen wollen «zurück zur Natur»

Neugeborene im Geburtshaus statt im Spital zur Welt zu bringen ist in der Region Basel ein Trend.

Neugeborene im Geburtshaus statt im Spital zur Welt zu bringen ist in der Region Basel ein Trend.

Im Raum Basel gibt es mittlerweile sechs Geburtshäuser. Das «Tagmond» in Pratteln läuft so gut, dass ein grösserer Standort gesucht wird.

Im Geburtshaus Tagmond in Pratteln läuft es gut. So gut, dass der Platz kaum noch ausreicht: Auf einem Plakat macht das Team darauf aufmerksam, dass es auf der Suche nach einem grösseren Haus ist. «Der Hauptgrund ist die zunehmende Wochenbett-Nachfrage», erklärt Bernadette Albrecht, Geschäftsführerin und Hebamme im «Tagmond».

Das Angebot, nach der Geburt noch für einige Tage im Geburtshaus zu bleiben, gibt es in Pratteln seit 2014. «Anfangs nutzte rund die Hälfte der Frauen das Wochenbett, jetzt sind es bereits drei Viertel», sagt Albrecht. «Die aktuellen Räumlichkeiten reichen nicht mehr aus, um die Nachfrage zu decken.» Momentan hat das Geburtshaus zwei Stockwerke eines Gebäudes zur Verfügung.

Als neuen Standort hat das Team bereits ein Haus im Auge. «Unser Ziel, das Gebären in Sicherheit und Geborgenheit, könnten wir dort gut umsetzen», sagt Albrecht. Doch eine Hürde ist noch im Weg – genauer gesagt rund drei Millionen Franken. «Mit diesem Betrag rechnen wir für Kauf und Sanierung», sagt Albrecht. Um das Geld zu sammeln, wurde eine Genossenschaft gegründet. «In einem nächsten Schritt werden wir Geldgeber suchen.» Ein Crowdfunding würde man erst zu einem späteren Zeitpunkt in Betracht ziehen, beispielsweise für Mobiliar.

Zwei neue Geburtshäuser in einem Jahr

Das «Tagmond» ist nicht das einzige Geburtshaus der Region, das steigende Zahlen registriert. Beim Geburtshaus Ambra in Wittinsburg kann wegen Abwesenheiten zwar niemand Auskunft geben, jedoch sprechen die Statistiken auf der Homepage für sich: Gab es im Eröffnungsjahr 2004 knapp 30 Geburtsbetreuungen, waren es im vergangenen Jahr 87. Im «Tagmond» waren es 2018 insgesamt 65 Geburtshaus- und Hausgeburten. Bis anfangs Juli gab es im Baselbiet ein drittes Geburtshaus. Das Ita Wegmann Geburtshaus wurde jedoch geschlossen, da das Gebäude abgerissen wird. «Nach Juli finden Sie uns an unterschiedlichen Orten wieder», schreiben die Hebammen auf der Webseite. Zwei der drei Frauen wechseln zu Geburtshäusern in der Stadt Basel.

Auch dort scheint die Nachfrage nach der alternativen Art des Gebärens gross zu sein: Neben dem Geburtshaus Basel, das 1990 als eines der ersten Schweizer Geburtshäuser in Muttenz gegründet und 2007 nach Basel verlegt wurde, sind dieses Jahr zwei weitere entstanden. Einerseits das «Matthea», das es seit April dieses Jahres gibt, andererseits das «Haus der Geburt», das das Bethesda-Spital im Mai auf seinem Areal eröffnete.

Viele Frauen wollen «zurück zur Natur»

Matthias Nigg, Leiter Spitäler und Therapieeinrichtungen beim Amt für Gesundheit Baselland, bestätigt, dass Geburtshäuser an Beliebtheit gewinnen: «Grundsätzlich lässt sich schon ein Trend feststellen», sagt er. Der Grund sei seiner Meinung nach der Trend, «zur Natur zurückkehren zu wollen». «Das sieht man in vielen Bereichen: In der Ernährung, im Konsumverhalten und eben auch bei der Geburt», sagt Nigg. Er betont aber, dass dies bloss seine persönliche Wahrnehmung sei. Und fügt an: «Jährlich werden rund 2500 Baselbieterinnen Mutter. Der Anteil der Geburten in Geburtshäusern ist noch immer vergleichsweise klein.»

Auch in der Stadt sei eine leichte Zunahme feststellbar, wie Anne Tschudin, Mediensprecherin des Gesundheitsdepartements, sagt. Ein Grund sei das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Mutter und Hebamme. Von einem Run könne man zwar nicht reden – wegen des kürzlich erweiterten Angebots rechne man aber mit steigenden Zahlen.

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Autor

Kelly Spielmann

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