Der Investor ist nicht irgendwer. Unibail Rodamco Westfield (URW) ist die weltweit grösste auf Einkaufszentren spezialisierte Immobiliengruppe. Dementsprechend riesig ist das für 2024 oder 2025 südlich des Euro-Airport (EAP) geplante Center mit dem Arbeitstitel «3 Pays», 3 Länder. Der endgültige Name steht noch nicht fest.

Auf einer Gesamtfläche von über 80'000 Quadratmetern sollen 450 Millionen Euro investiert werden. Die reine Verkaufsfläche beträgt 60'000 Quadratmeter, wo 130 bis 150 Geschäfte und 25 Restaurants vorgesehen sind. Endgültig steht die Aufteilung noch nicht fest. Derzeit arbeitet URW an der Baueingabe. Das Vorhaben, soll 1500 neue Jobs schaffen.

Der derzeitige Name ist Programm. So soll «3 Pays» Kunden im Umkreis von 100 Kilometern anziehen. URW betreibt bereits 55 sehr grosse Einkaufscenter, die nicht nur aufs Shopping, sondern auch auf vielfältige Freizeitaktivitäten ausgerichtet sind. Die Leute verbringen hier den ganzen Tag. Neben kulturellen Angeboten wie Konzerten und Kinos prüft der Konzern die Idee, einen Tauchturm zu bauen, in dem passionierte Taucher ihrem Hobby nachgehen können.

Neues Einkaufscenter soll zum Treffpunkt werden

Christophe Noël, bei URW für die grossen städtischen Projekte verantwortlich, sagt: «Wir wollen verschiedene Aktivitäten wie Einkaufen, Freizeit und Gastronomie zusammenführen. Das Center soll zum Treffpunkt für das ganze Dreiland und zur Ergänzung der Innenstadt Basels werden.» Es würden nicht nur typische Produkte aus dem Elsass und Frankreich, sondern aus dem gesamten Oberrhein angeboten.

Geplant sind 4500 Parkplätze, die nicht sichtbar sein werden. «Ein gutes Drittel entsteht unter dem Gebäude, die übrigen in einem grün bepflanzten Parkhaus, das mit dem Center verbunden ist.» Pflanzen spielen eine wichtige Rolle beim Projekt, das in einem Park angelegt werden soll. «Wir lassen uns vom Naturschutzgebiet Petite Camargue Alsacienne inspirieren, das in der Nähe liegt und durch Velo- und Fusswege angebunden werden soll.»

Für die Erschliessung des Centers besteht ein erster Vorvertrag mit dem französischen Staat. So muss ein zirka zwei Kilometer langer Zubringer entlang der Autobahn A35 gebaut werden. Das Parkhaus kann auch von Grenzgängern benutzt werden, die hier in das 3er-Tram nach Basel umsteigen können. Das Tram soll von der Endstation beim Bahnhof Saint-Louis um einen knappen Kilometer bis zum neuen Einkaufszentrum verlängert werden. Den grössten Teil der Kosten wird URW übernehmen. Wegen der Tramstation wurde die ursprünglich geplanten 5000 Parkplätze um 500 reduziert.

Unibail tritt auch mit dem Ziel an, die südelsässische Kaufkraft zu binden. Noël sagt: «Laut einer Untersuchung der südelsässischen Industrie- und Handelskammer von 2012 fliessen jährlich 330 Millionen Euro an Kaufkraft aus dem Raum Saint-Louis mit seinen 100'000 Einwohnern ab. Die wollen wir zurückholen.» Viele Elsässer kaufen im Weiler Rheincenter ein.

Endgültige Mieter stehen allerdings noch nicht fest

Noch kann Noël zu den Mietern nichts sagen. Klar ist aber, dass das Angebot zwar qualitativ hoch sein, sich aber nicht im Luxussegment befinden soll. «Ausserdem streben wir an, Marken zu holen, die bisher in der Region noch nicht vertreten sind.» Noël kann sich vorstellen, dass die Nachhaltigkeit eine grosse Rolle spielen wird. «In unserem Center in Paris ist zum Beispiel Mercedes nur mit seinen Hybrid-Fahrzeugen vertreten.»

Als Architekten hat sich UWR 2014 nach einem Wettbewerb für «Herault Arnod Architectes» entschieden. Das Büro zeichnet unter anderem für den weltweiten Sitz der Skimarke Rossignol verantwortlich. Die Basler Architekten Herzog & de Meuron kommen nicht zum Zug. Dies, obwohl Unibail mit den Baslern in Paris das spektakuläre Hochhaus Triangle baut, das wie eine Pyramide aussieht.

Erste Kontakte für Projekt stammen von 2006

Der Bau von «3 Pays» ist ein langwieriges Unterfangen. Erste Kontakte nahm Unibail bereits Ende 2006 auf. 2009 gab der zuständige südelsässische Zweckverband sein Einverständnis.

Der Widerstand der Detailhändler von Saint-Louis hielt allerdings an. Diese gaben diesen erst auf, als das Vorhaben von ursprünglich 100'000 Quadratmetern redimensioniert wurde. 2005 unterzeichnete der Vorgänger des heutigen Zweckverbands «Saint-Louis Agglomération» einen Vertrag mit dem Investor.