Der Schönkindhof, ein mittelalterlicher Gebäudekomplex in der Basler Altstadt, hat in seiner bald 600-jährigen Geschichte schon viel erlebt. Der grosse Drucker Cratander lebte darin, ebenso der Liestaler Stadtschreiber Johann Huber-Burckhardt und der Tabakfabrikant Zimmerlin. Er diente als katholisches Vereinshaus und beherbergte die Redaktion der katholischen Zeitung «Basler Volksblatt».

2003 kaufte Dieter Behring das Geviert, baute das Vorder- und Hinterhaus für einen zweistelligen Millionenbetrag zum luxuriösen Privat- und Geschäftshaus aus. Ein versenkbarer Boden führt in die Garage. Im dritten Untergeschoss ist ein 25-Meter-Schwimmbecken samt Saunabereich eingebaut. Weinkeller wie Küche erstrecken sich über je siebzig Quadratmeter.

Die Pracht diente jedoch nur kurz zu Repräsentationszwecken für zu beeindruckende Geldanleger. 2004 kam Dieter Behring in Untersuchungshaft, das Kartenhaus seines sagenhaften Anlageimperiums mit wunderbarem Renditeversprechen war zusammengebrochen. Mittlerweile ist Behring erstinstanzlich für gewerbsmässigen Betrug verurteilt, das Revisionsverfahren läut. Seit 2005 steht der Schönkindhof nun schon leer, beschlagnahmt von der Bundesanwaltschaft.

Der Preis sinkt und sinkt

Verschiedene Immobilienhändler haben versucht, das Haus zu verkaufen. Die Bundesanwaltschaft schätzte den Wert auf mindestens 13,8 Millionen Franken, Behring selbst auf 15,4 Millionen, auf dem Markt waren zunächst über 17 Millionen Franken verlangt. 2012 war eine unbekannte Käuferschaft bereit, 8,4 Millionen Franken aufzubringen. Die Bundesanwaltschaft war einverstanden, Behring wollte jedoch mindestens zehn Millionen. Somit scheiterte der Verkauf.

Nun steht ein neuer Käufer bereit, der genau 9'100'001 Franken zahlen würde. Im vergangenen Oktober verfügte das Bundesstrafgericht, dass der Verkauf abgewickelt und der Nettoerlös auf ein Sperrkonto der Bundesanwaltschaft überwiesen wird. Behring hatte dagegen nichts einzuwenden. Schliesslich hatte er am Prozess gesagt, er verzichte auf die Immobilien. Dem Notar der Käuferschaft waren die Umstände jedoch nicht geheuer. Er fragte nach. Denn im Fall Behring gelten besondere Umstände.

Behring hatte die Liegenschaft noch über seine inzwischen liquidierte Swisspulse AG erworben. Zwei Monate vor seiner Verhaftung hatte er sie jedoch für 15 Millionen Franken an sich selbst überschrieben. Seither ist er im Grundbuch als Eigentümer eingetragen.

Doch Behring lebt in Gütergemeinschaft mit seiner Ehefrau Ruth, die deshalb nach den Regeln des Gesetzes dem Verkauf mit Unterschrift zuzustimmen hat. Ruth Behring war dazu sehr wohl bereit, allerdings unter der einen Bedingung, dass ihr die Hälfte des Verkaufserlöses ausgehändigt wird.

Vier Millionen für Ruth Behring

Der Aussicht, dass dem Ehepaar Behring auf legalem Weg gut vier Millionen Franken zufliessen, konnte weder die Bundesanwaltschaft noch das Bundesstrafgericht zustimmen. Dieses verfügte den Vollzug des Verkaufs ohne Teilauszahlung, doch dagegen legte Ruth Behring Beschwerde ein.

Das Urteil der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts liegt nun vor, und es hat den Verkauf praktisch zum Platzen gebracht. Das Gericht spricht Ruth Behring wohl kaum die Hälfte des Erlöses zu. Über die Verteilung von Verwertungserlösen beschlagnahmter Liegenschaften werde jedoch erst mit dem Endentscheid befunden. Eine vorzeitige Verwertung, wie ein Verkauf gegen ihren Willen, wäre nur bei einem grossen Wertverfall der Immobilie zu rechtfertigen.

Warten auf das Endurteil

Für die Bundesanwaltschaft ist der Wertverfall des Schönkindhofs allerdings offensichtlich. Zum einen konnte der Schätzpreis nicht realisiert werden, da kaum jemand bereit ist, den protzigen Luxus der reputationsgeschädigten Immobilie zu bezahlen. Zum anderen führte der Leerstand zu Schäden. Bereits 2010 drang Wasser ein und verursachte einen Schaden, den die Versicherung mit 336'000 Franken abgolt. Als Flickwerk wurde jedoch nur ein Drittel der Summe eingesetzt, der Rest des Geldes beschlagnahmt.

Zwischen 2006 und 2015 wurden gut 800'000 Franken investiert, um das Haus nicht verfallen zu lassen. Die Bundesanwaltschaft meint, dies sei eine «erhebliche» Summe. Das Bundesstrafgericht kontert, es sei pro Jahr weniger als ein Prozent des Verkaufswertes und deshalb nicht als «erheblich» zu werten.

In der Konsequenz bleibt damit der Verkauf der Liegenschaft bis auf weiteres blockiert. Das Gemäuer kann das Verdikt gelassen nehmen: Was sind schon einige Jahre Leerstand bei einer 600-jährigen Geschichte?