Geburt
Geburtshäuser werden immer beliebter in der Region

Lange gab es in Basel nur ein Geburtshaus. Vor einem Jahr hat sich das Angebot der Geburtshäuser in Basel erweitert – und trifft damit den Nerv der Zeit: Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Das Bedürfnis nach dem ausserklinischen Gebären scheint stark zugenommen zu haben.

Samanta Siegfried
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Nicht alle Frauen wollen ihre Babys im Spital zur Welt bringen – und suchen nach passenden Alternativen. (Archivbild)

Nicht alle Frauen wollen ihre Babys im Spital zur Welt bringen – und suchen nach passenden Alternativen. (Archivbild)

ZVG/Bethesda-Spital

Etwas über zweitausend Babys haben vergangenes Jahr in Basel-Stadt das Licht der Welt erblickt. Einige davon auch im Geburtshaus Matthea, das Anfang Mai 2019 die Türen öffnete. Es liegt mitten im Kleinbasel an der stark frequentierten Klybeckstrasse. Trotz Trubel vor der Tür sehen es immer mehr Frauen offenbar als den idealen Ort für die Geburt ihres Kindes. Seit der Eröffnung zählte das Geburtshaus insgesamt 110 Geburten.

Warteliste für einmaliges Angebot

«Die grosse Nachfrage hat uns überrascht», sagt Magdalena Brigger, Geschäftsführerin des Geburtshaus Matthea. Bereits jetzt habe man eine Warteliste bis und mit März 2021. Seit der Eröffnung baue man das Hebammenteam kontinuierlich aus. «Ich denke, die grosse Nachfrage hat mit dem einmaligen Angebot zu tun», vermutet Brigger.

Neben zwei Geburtszimmern hat das Haus sechs Familienzimmer für das Wochenbett, mit einer 24-Stunden-Betreuung von Hebammen. Ausserdem liege es sehr nahe am Universitäts- und Kinderspital. «Manche Familien gebären im Spital oder zu Hause, entscheiden sich aber für das Wochenbett bei uns», sagt Brigger. Heute ist das Matthea das grösste Geburtshaus im Kanton Basel-Stadt.

Die grosse Nachfrage hat uns überrascht.

(Quelle: Magdalena Brigger, Geschäftsführerin Geburtshaus Matthea)

Etwa zur gleichen Zeit wie das Matthea hat auch das «Haus der Geburt» seine Türen geöffnet. Angegliedert an das Bethesda-Spital ist es zwar kein eigenständiges Geburtshaus, verfügt aber mit einer Hebammenbetreuung über ein ähnliches Angebot. Auch dort stelle man eine grosse Nachfrage fest. Laut der Spitaldirektion verzeichnet das Haus Anmeldungen bis April 2021 und ist die nächsten drei Monate ausgebucht.

Mehr Bewusstsein für Geburten ausserhalb

Dabei gab es bis vor einem Jahr lediglich ein städtisches Geburtshaus, das «Geburtshaus Basel». Mit dreizehn Jahren das älteste im Kanton. Es liegt an der Schweizergasse nahe des Basler Zoos und ist mit einem Team aus aktuell drei Hebammen kleiner als das Matthea oder das Haus der Geburt.

Anstatt im stationären Wochenbett findet die Nachbetreuung mit der Hebamme, die die Frau bereits durch die Schwangerschaft führte, zu Hause statt. «Am Anfang hatten wir noch eher tiefe Geburtenzahlen», sagt die Geschäftsführerin und Hebamme Christine Eigenmann. Doch das Angebot sprach sich unter den Frauen mit der Zeit herum. «Gerade vor der Eröffnung des Matthea sind wir am oberen Limit gelaufen.» Seither seien sie gut besucht, hätten aber auch immer wieder freie Kapazitäten.

Das Matthea oder das Haus der Geburt sieht das Hebammenteam nicht als Konkurrenz, im Gegenteil. «Die Eröffnung der beiden Angebote war in den Medien relativ präsent, dadurch wächst das Bewusstsein in der Gesellschaft für ausserklinische Geburten.» So würden heute Frauen vermehrt auch ohne gezielte Suche von dem Geburtshaus Basel erfahren. Das sei früher anders gewesen: «Da hat uns gefunden, wer nach uns gesucht hat.»

Trend zu Geburtshäuser gewinnt auch schweizweit an Beliebtheit

Auch die zwei Geburtshäuser in Baselland verzeichnen eine stetig wachsende Nachfrage. Das Tagmond in Pratteln plant sogar, nächstes Jahr in ein grösseres Haus zu ziehen und auch das Ambra in Wittinsburg denkt über eine Vergrösserung nach. «Die Frauen machen sich heute mehr Gedanken, wie ihr Kind auf die Welt kommen soll», sagt die Leiterin des Ambra, Franziska Zumbrunn. «Viele fühlen sich bei einer Eins-zu-eins-Betreuung während der Geburt mit einer Hebamme sicherer als im Spital, wo das Personal leider oft unter Zeitdruck steht.»

Die Beliebtheit der Basler Geburtshäuser spiegelt sich auch im schweizweiten Trend. So hat die Geburtenzahl in Geburtshäusern gesamtschweizerisch vergangenes Jahr um 160 zugenommen. Noch sind die Zahlen im Vergleich zu den Spitälern allerdings relativ klein. Das Universitätsspital Basel merkt bisweilen noch nichts von diesem Trend und gibt an, dass die Geburtenzahlen in den letzten Jahren stabil sind.