Messe Basel

Geeinigt auf Kosten des Kantons: Weg für James Murdochs Einstieg bei der MCH Group ist frei

James Murdoch sieht sich dem Investment einen entscheidenden Schritt näher.

James Murdoch sieht sich dem Investment einen entscheidenden Schritt näher.

Die MCH Group hat sich mit Erhard Lee und den mit ihm verbundenen Aktionären gefunden. Lee hatte sich mit juristischen Mitteln gegen den Sanierungsplan des Messekonzerns gewehrt und diesen Prozess damit blockiert. Mit der Verhandlungslösung ist der Weg nun frei, damit dem schwer angeschlagenen Konzern frische Geldmittel zufliessen und die Lupa Systems von James Murdoch als neuer Ankerinvestor einsteigen kann.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der am Montag spätabends abgeschlossene Kompromiss kaum von der geplanten Kapitalerhöhung in zwei Schritten, wie sie von einer ausserordentlichen Generalversammlung im August beschlossen worden ist. Bei genauerer Betrachtung ist jedoch erkennbar: Basel-Stadt als bisher grösster Aktionär muss finanzielle Abstriche machen.

Was Basel-Stadt fehlt, fliesst als Bares zur MCH

Ursprünglich geplant war, dass Basel-Stadt in einem ersten Schritt ein bestehendes Darlehen über 30 Millionen Franken in Aktienkapital wandelt und dafür pro 10.50 Franken eine Aktie erhält. Nun ist die erste Kapitalaufstockung um 30 Millionen Franken für alle bisherigen Aktionäre offen, wobei der Preis pro Aktie deutlich auf 15 Franken erhöht wurde. Dies bedeutet konkret für Basel-Stadt, dass der Kanton sein Darlehen nur zu einem Teil in Anteile umwandeln kann und weniger Aktien pro gewandeltem Kapital erhält.

Diese Schlechterstellung des Kantons wird auch eine Hebelwirkung entfachen beim zweiten geplanten Kapitalschritt um weitere 74,5 Millionen Franken, wobei dafür der Preis pro Aktie leicht tiefer auf 10 Franken festgelegt wurde. Was dies in Franken und Rappen für die Kantonsbeteiligung bedeutet, konnte und/oder wollte auf Anfrage weder die MCH Group noch das zustän­dige Wirtschaftsdepartement ­Basel-Stadt kommentieren.

Eine finanzielle Besserstellung erfahren durch diese Änderung bisherige Aktionäre wie Lee, der selbst rund zehn Prozent des Kapitals vertritt. Sie können nun auch an der ersten Kapitalrunde teilnehmen, wodurch sich ihre Anteile nicht verwässern. Dies macht es für sie ebenfalls attraktiver, auch an der zweiten Kapitalrunde teilzunehmen. Von den Änderungen der Modalitäten wird auch die MCH Group profitieren, da sie bei den beiden Kapitalaufstockungen mehr Barmittel in die Kasse erhält.

Eine Verhandlungslösung hatte sich abgezeichnet

Für die Lupa Systems von Murdoch ändert sich voraussichtlich wenig. Die Absprache garantiert vielmehr die vorab vereinbarte Lösung, dass bei der öffentlichen Hand im Minimum eine Sperrminorität von einem Drittel der Aktien bleibt und die Lupa ebenfalls rund einen Drittel, aber sicher nicht die Mehrheit der Aktien übernehmen kann. Die Machtbalance soll sich auch im künftigen Verwaltungsrat abbilden: Die Parteien Lupa Systems, öffentliche Hand sowie die Drittaktionäre (vertreten durch unabhängige Vertreter) sollen je drei Mitglieder stellen.

Dass es wohl zu einer Verhandlungslösung kommen wird, hatte sich abgezeichnet. Denn das juristische Verfahren führte für die MCH Group geradewegs in die Sackgasse. Nachdem sowohl die Eidgenössische Übernahmekommission (UEK) als erste als auch die Finanzmarktaufsicht (Finma) als zweite Instanz Lees Beschwerde gegen Beschlüsse der Generalversammlung gutgeheissen hatten, standen die Chancen schlecht, dass das Bundesverwaltungsgericht als letzte Instanz sich der Meinung der MCH Group anschliessen würde. Dazu wurde auch die Zeit allmählich knapp, da der Konzern durch die coronabedingten Ausfälle zwar kaum Einnahmen, doch weiterhin erhebliche Ausgaben hat.

Generalversammlung wird wieder aufgeboten

Gänzlich ohne Hürden bleibt aber auch der nun ausgehandelte Deal nicht. Zwar hat sich Lee verpflichtet, alle Rechtsverfahren einzustellen, die er bis jetzt siegreich über zwei Instanzen geführt hat. Doch für die Umsetzung braucht es nicht nur neue Beschlüsse einer wiederholt einberufenen Generalversammlung, sondern auch eine Kaskade von komplexen Finanztransaktionen. Und diese müssen nun erst noch ausgearbeitet werden.

Autor

Christian Mensch

Meistgesehen

Artboard 1