Für den Basler LDP-Nationalrat Christoph Eymann besteht Handlungsbedarf. Denn die allseits beliebten Schulskilager sind arg bedroht. Schuld daran ist ein Urteil des Bundesgerichts, das dem Kanton Thurgau vorschreibt, dass Elternbeiträge nicht höher sein dürfen, als die durch ein Kind während des normalen Schulunterrichts entstehenden Kosten. Heisst konkret: Die Schulen dürfen von den Eltern noch maximal 16 Franken pro Tag fordern. Bisher zahlten Eltern pro Tag 30 bis 40 Franken an ein Schullager ihres Kindes. In den beiden Basel bedeutet das ungedeckte Kosten für Schullager von je rund 600'000 Franken.

«Für Schweiz problematisch»

«Mit 16 Franken pro Tag ist es unmöglich, Schneesport-Lager kostendeckend durchzuführen», betont Eymann. Für den ehemaligen Basler Erziehungsdirektor besteht die Gefahr, dass Kantone und Gemeinden künftig auf diese Lager verzichten könnten. Tatsächlich: Die Branchenorganisation der Gruppenunterkünfte in der Schweiz stelle bereits einen Rückgang der Buchungen fest, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Derzeit lägen die Buchungen rund 15 Prozent unter den Vorjahren.

Eymann fragt deshalb den Bundesrat an, ob er bereit wäre, die Finanzierungslücke ganz oder teilweise zu schliessen. Immerhin seien ansonsten negative Folgen zu befürchten – sowohl für die Schüler als auch für die Tourismusregionen. Schliesslich fördere der Aufenthalt in einer Bergregion auch den Landeszusammenhalt, ist Eymann überzeugt. «Auch deshalb ist eine grosszügige finanzielle Beteiligung des Bundes gerechtfertigt.»

Das sehen Duri Campell und seine Mitstreiter ganz genauso: Sollen in der Schweiz auch weiterhin Schulskilager durchgeführt werden, dann müsse sich die öffentliche Hand stärker an den Kosten beteiligen, findet der BDP-Nationalrat aus dem Skisport-Kanton Graubünden. Er betont, dass der grosse pädagogische Wert von Schullagern schliesslich breit anerkannt sei. So aber bestehe die Gefahr, dass Schulen weniger Lager organisieren.

«Das wäre für das traditionelle Schneesportland Schweiz auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sehr problematisch», sagt Campell. Der Bundesrat soll deshalb prüfen, wie weit der Bund künftig obligatorische Schulsportlager unterstützen kann, fordern die Parlamentarier mit einem Postulat. Dabei soll die Landesregierung auch aufzeigen, welche Möglichkeiten im Rahmen des Programms Jugend und Sport bestehen.

Das Urteil des Bundesgerichts hatte auch Politiker in den beiden Basel aufgeschreckt. Der Baselbieter CVP-Landrat Pascal Ryf fürchtet, dass einzelne Schullager gestrichen werden, um Geld zu sparen: «Die Gefahr besteht, wenn der Kanton diese Differenz nicht übernimmt.» Dabei hätten solche Ski- und Projektlager eine wichtige Bedeutung, ist er überzeugt: «Kinder machen dank diesen Lagern auch sozial grosse Fortschritte und lernen, sich in Gruppen zurechtzufinden. Und sie lernen auch, selber zu putzen oder zu kochen.» Auch SP-Ratskollege Andreas Bammatter will von der Regierung wissen, wie die Schullager weitergeführt werden können.

Basel will an Angebot festhalten

Während sich die Baselbieter Regierung noch nicht geäussert hat, wie sie das Bundesgerichtsurteil umsetzen will, bekennt sich die Basler Regierung in ihrer Antwort auf einen Vorstoss von CVP-Grossrat Oswald Inglin zu den Lagern. Auf die Frage, ob diese aus Steuergeldern berappt werden könnten, schreibt sie: «Der Regierungsrat will grundsätzlich an diesem Angebot festhalten und Abstriche möglichst vermeiden.»

Offen ist allerdings noch, wie diese Mehrkosten finanziert werden könnten. Denkbar sei, dass das Erziehungsdepartement selber die Differenz übernimmt und anderswo einspart. Oder der Grosse Rat könnte zusätzlich Geld bewilligen. Gegen eine finanzielle Unterstützung durch den Bund würde sich aber auch die Basler Regierung kaum wehren.