Als hätte der Rothirsch-Bulle die Selbstinszenierung extra für die regionalen Medienschaffenden geprobt, setzt er sich vor dem Zaun in Pose, schüttelt seinen Kopf und damit sein prächtig gewachsenes Geweih und blickt gekonnt in die Kameras. Die alljährliche Zeit des selbstbewussten Auftretens für den siebenjährigen Bullen ist wieder da. «In den nächsten zwei Wochen werden wir ihn öfters laut schreien hören», erklärte Tierpfleger Ueli Käser am gestrigen Rundgang durch den Park.

Die Paarungszeit ist angelaufen, der Bulle wartet im abgetrennten Gehege, bespritzt sich um gut zu duften mit Eigenurin und wartet auf Weibchen, die durch «Schlupflöcher» im Trennzaun zu ihm kommen. Er gibt den Platzhirsch und wartet. Doch in der richtigen Natur würde er wahrscheinlich vergebens warten. «Vom Körperbau her ist er eher schmal. Er hätte in der Natur keine grosse Chance, sich gegen die anderen Männchen als Platzhirsch durchzusetzen», glaubt Tierpfleger Käser.

Keine Tier-Ausstellung mehr

Trotz umgänglichem Charakter kann der Rothirsch-Bulle im Tierpark mit seinem Geweih und seiner Kraft für die Tierpfleger gefährlich werden, stellt Ueli Käser klar. «Man erkennt bei Hirschen am Gesichtsausdruck nie, wie sie gerade gelaunt sind. Man muss immer aufpassen, darf sie nie unterschätzen. Hirsche sind die gefährlichsten Tiere in Gefangenschaft. Gefährlicher als Löwen und Tiger.»

Auf einem tieferen Gefahrenniveau zwar, doch nicht weniger bissig zeigte sich gestern die Wildkatzen-Mama. Als Ueli Käser sie mit toten Hühnerküken aus dem Versteck lockte, zeigte sie sogleich ihre scharfen Zähne und ging angriffig auf den Tierpfleger zu. «Ich fühle mich nicht so wohl, wie wenn ich zu den Luchsen ins Gehege gehe», gab Käser zu. So solle es auch sein, meinte dieser mit einem Lächeln. «Wir wollen ja keine Stubenkatzen.» Die erste Geburt eines Jungtieres am 30. Mai war für die Tierpark-Verantwortlichen ein grosser Erfolg.

Hinter den Vogelvolieren laufen die Abbrucharbeiten, um Platz zu schaffen für den neuen Betriebshof mit Ökonomiegebäude und einem Betriebsgebäude. Für Architekt Martin Pfister ist der Bau eine Herausforderung. «Das Gebiet befindet sich in der Grundwasserschutzzone S2. Wir dürfen daher nicht in die Tiefe bauen.» Zum Betriebshof wird auch eine Tiergesundheitsstation mit Separationsgehege gehören, wo Tiere speziell behandelt werden können. Der Bau wird zusammen mit der neuen Wisentanlage erstellt. Für diese fehlen aber noch die finanziellen Mittel respektive die Spender.