Hochwasser

Gefahrenexperte: «Rhein wird nicht übers Ufer treten – wir sind in Basel abgesichert»

Wegen des hohen Pegelstandes wurde der Rhein am Montag für die Schifffahrt gesperrt. Die Prognosen des Leiters der Naturgefahrenfachberatungsstelle des Tiefbauamts Basel-Stadt lassen jedoch aufatmen.

Der Rhein ist gefährlich hoch, der Pegel von 7.90 Metern überschritten. Die Naturgefahrenfachberatungsstelle des Tiefbauamts Basel-Stadt hat die Gewässer in der Region genau im Auge und errechnet die neuesten Prognosen für die Pegelstände. Wir haben uns mit deren Leiter, Andreas Flück, unterhalten.

Hochwasser Basel

Hochwasser Basel

So sieht es in der Region Basel am Montag Nachmittag aus.

Herr Flück, der Rhein soll im Laufe der nächsten Stunden an der Pegelmarke von 9 Metern kratzen. Steigt nun auch die Nervosität bei Ihnen?

Andreas Flück: Die Situation, die wir heute und morgen haben, ist nicht aussergewöhnlich. Ausserdem haben unsere Auswertungen ergeben, dass der Pegel ab morgen Nachmittag wieder sinken sollte. Wir beim Tiefbauamt werten die Pegeldaten laufend aus und sind soeben zu diesem Ergebnis gekommen. Demnach wird die Gefahrenstufe drei nicht überschritten – der Rhein tritt erst ab Gefahrenstufe fünf übers Ufer.

Der Rhein wird also nicht über die Ufer treten?

Nach unseren Berechnungen: nein. Mit 100-prozentiger Sicherheit kann das aber nie prognostiziert werden – die Natur ist nicht vollständig berechenbar.

Wie sehen Ihre Prognosen denn konkret aus bis morgen Mittag?

Der Maximalpegel wird sich bei 8.70 Meter belaufen, danach wird sich die Situation nachhaltig beruhigen, die Hochwassergefahr wird dann vorüber sein. Entsprechend teilen wir dies auch in einem Bulletin für die Einsatzdienste von der Polizei und der Feuerwehr mit sowie den Schweizerischen Rheinhäfen, die nun die Sperrung der Schifffahrt veranlasst hat.

Die Polizei hat bereits grosse Bereiche des Rheinufers abgesperrt. Sie sagen aber, der Rhein wird nicht übers Ufer treten – warum trotzdem diese Massnahme?

Konkret abgesperrt sind die Abgänge an den Rhein runter – dort ist der Fluss ja bereits übergetreten. Mit den Absperrungen wird verhindert, dass sich Menschen trotzdem ans Wasser wagen, dass sie sich allenfalls verirren und ins Wasser fallen. Denn: Mit der aktuellen Sperrung der Schifffahrt sind auch keine Rettungsboote mehr unterwegs. Das bedeutet, wenn es zu einem Vorfall kommen sollte, kann dieser Person nicht geholfen werden.

Bei der Redingbrücke an der Birs halten sich bereits den ganzen Tag Riversurfers auf, die sich ins Wasser wagen und auf der stehenden Welle reiten. Befinden sich diese Personen nun in Lebensgefahr?

Das so zu bezeichnen, ist vielleicht ein wenig übertrieben. Aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich diese Leute in eine grosse Gefahr begeben. Und ich möchte nochmals betonen: Wenn etwas passiert, kann ihnen nicht geholfen werden.

Sie stehen in engem Kontakt zu den Einsatzkräften. Ist es bis anhin noch zu keinen Zwischenfällen gekommen?

 Nein, zum Glück nicht. Das Gros der Leute ist vernünftig und hält sich an die Absperrungen der Polizei. Aber es gibt immer solche, die das Gefühl haben, es wäre jetzt noch lustig, an den Rhein zu sitzen.

Der Rhein trat letztmals im Jahr 1999 übers Ufer. Damals erreichte der Pegelstand 10.40 Meter. Das ist lange her - hatten wir einfach Glück oder woran liegt es, dass es in Basel seither nicht mehr zu Überschwemmungen gekommen ist?

Das hat mit Glück gar nichts zu tun, sondern mit der zweiten Juragewässer-Korrektion, die in den 1970er-Jahren vorgenommen wurde. Dadurch lassen sich die Pegel und Abflüsse des Neuenburger-, Bieler- und Murtensees besser regulieren.  Die Seen werden hierbei als eine Art Speicher genutzt, um Hochwasser auf Flüssen wie Aare oder Rhein zu verhindern. Das bedeutet, dass bei trockenem Wetter die Seepegel durch Öffnung der Wehren gesenkt werden können und damit kontrolliert Wasser in die Flüsse abgelassen wird. In regnerischen Zeiten haben sie so mehr Speichervolumen. Dieses System hat sich in den vergangenen Jahren mehr als bewährt, und damit ist auch sichergestellt, dass der Rhein niemals höher als 11 Meter anschwellen kann, wie es damals im Jahr 1999 passiert ist. Das wäre, davon gehen wir zumindest aus, das absolute Maximum.

In den Bergen liegt derzeit massenhaft Schnee. Im Frühling folgt die Schneeschmelze. Könnte es angesichts dieser Mengen nicht doch dramatisch werden?

Nein. Schon das aktuelle Hochwasser hängt nicht nur mit den gegenwärtigen Niederschlagsmengen zusammen, sondern auch mit der Schneeschmelze. Denn die Temperaturen schwanken in den Bergen, es ist jetzt schon viel Schneeschmelze dabei. Wir gehen deshalb davon aus, dass sich die Menge des Schmelzwassers im Frühling in Grenzen halten wird. Wir sind in Basel abgesichert.

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