Verunsicherung in Bahnhofsnähe

Gefahrgüter machen Basler Gundeli-Bewohnern Angst

Viele Bewohner des Gundeli wohnen einen Steinwurf entfernt von den Gleisen. Sollte es zu einer Katastrophe mit Gefahrgütern kommen, wären die Folgen deshalb unabsehbar.

Viele Bewohner des Gundeli wohnen einen Steinwurf entfernt von den Gleisen. Sollte es zu einer Katastrophe mit Gefahrgütern kommen, wären die Folgen deshalb unabsehbar.

Seit Jahren steigt die Menge an Benzin oder Propan, die durch den Bahnhof SBB transportiert werden.

Über 100'000 Menschen halten sich täglich am Basler Bahnhof SBB auf. Viele Bewohner des Gundeli wohnen einen Steinwurf entfernt von den Gleisen. Sollte es zu einer Katastrophe mit Gefahrgütern kommen, wären die Folgen deshalb unabsehbar. Besonders die Gundelianer fühlen sich durch die Gefahrguttransporte auf den Schienen vor ihrer Haustür verunsichert.

Am Dienstagabend lud die «Neue Gruppe Bahnhof» zu einer Podiumsveranstaltung, bei der unter anderem Vertreter der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und des Bundesamts für Verkehr (BAV) Red und Antwort standen. Im Wesentlichen beunruhigen die Anwohner zwei Dinge. Erstens steigt die transportierte Menge Gefahrgüter seit Jahren langsam, aber kontinuierlich an.

Im vergangenen Jahr waren es 800'000 Tonnen – unter anderem Benzin (105'000 Tonnen), Propan (54'000 Tonnen) und Chlor (1'800 Tonnen). 2010 waren es noch etwa 500'000 Tonnen Gefahrgüter gewesen. Dieser Umstand gibt daher zu denken, als es kaum einen anderen Bahnhof in der Schweiz gibt, in dessen Nähe so viele Menschen wohnen wie beim Bahnhof SBB.

Platz reicht eventuell nicht für die benötigten Gleise

Zweitens, das wurde bei der Podiumsveranstaltung spürbar, verunsichert die Kapazitätszunahme im Bahnhof SBB die Anwohner. Damit die nächsten Entwicklungsschritte (etwa der angestrebte Viertelstundentakt zwischen Basel und Liestal) erfolgen können, braucht es ein neues Gleis. Das alleine würde allerdings nicht reichen, um die Gefahrgüter und den Personenverkehr weiterhin auf separaten Schienen durch den Bahnhof SBB zu führen.

Andreas Kaufmann, Sektionschef Umwelt im BAV, sagte, um die getrennte Abwicklung von Güter- und Personenverkehr zu gewährleisten, brauche es eigentlich zwei zusätzliche Gleise. «Auf der Südseite der bestehenden Gleise hat es noch einen Streifen, der für den Bahnhofsausbau reserviert ist.» Unklar ist allerdings, ob es dafür genügend Platz hat. Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) sprach vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Basel-Stadt sehr wohl eine verbesserte Anbindung an den Personenverkehr anstrebe, von einem «klassischen Interessenkonflikt, den wir bestmöglich lösen müssen».

Immerhin: Transport von Chlor nimmt ab

Aussicht auf eine einfache Lösung konnten allerdings weder der SBB-Vertreter Paul Kuhn noch Kaufmann in Aussicht stellen. Die Idee beispielsweise, den Gefahrguttransport nach dem Bau des Herzstücks dereinst unterirdisch abzuwickeln, sei schon deshalb keine gute, als die Einsatzkräfte in einem Katastrophenfall kaum an die Unfallstelle gelangen könnten. Auch der Vorschlag, der von einem Podiumsbesucher aufgeworfen wurde, den Ein- und Ausgangsbereich des Bahnhofs SBB sicherheitshalber einzuhausen, sei nicht realistisch. Dieser scheitere ebenfalls an den engen Platzverhältnissen im Bahnhof SBB – oder am Geld: Ein solches Bauwerk würde milliardenteuer.

Nicht anzunehmen ist deshalb, dass die Sicherheitsbedenken dank baulicher Massnahmen aus dem Weg geräumt werden können. Trotzdem gibt es für die Gundelibewohner beruhigende Aussichten. Erstens versicherte Kaufmann, dass kaum woanders so erdbebensicher gebaut würde wie in Basel – was im Katastrophenfall von grossem Vorteil sei. Zudem ist beim Transport von Chlor, dem gefährlichsten Gefahrgut, ein Rückgang zu verzeichnen. Weil dieses vermehrt in der Schweiz hergestellt wird, gehen die Mengen dieses importierten Gefahrguts jährlich zurück.

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