OSZE
Gefälschtes Schreiben verunsichert Anwohner der Messe Basel

Das gefälschte Schreiben zur OSZE-Ministerratskonferenz, das am Mittwoch an die Anwohner der Messe Basel verteilt wurde, scheint sein Ziel erreicht zu haben: Es hat die Menschen verunsichert.

Pascale Hofmeier
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Zäune sind momentan der tägliche Anblick für die Anwohner der Messe. Ganz gesperrt ist das Messezentrum aber nur während dreier Tage.

Zäune sind momentan der tägliche Anblick für die Anwohner der Messe. Ganz gesperrt ist das Messezentrum aber nur während dreier Tage.

Nicole Nars-Zimmer

Obwohl das Präsidialdepartment umgehend in einer Medienmitteilung klargestellt hat, dass das Schreiben gefälscht ist, haben sich etliche Empfänger auf Polizeiposten, bei der Staatskanzlei und im Rathaus gemeldet, sagt Staatsschreiberin Barbara Schüpbach auf Anfrage. Auch der Basler Regierungspräsident Guy Morin, dessen private Telefonnummer auf dem Brief prangt, hatte einige Anrufe zu gewärtigen. «Es gibt Leute, die finden das lustig. Das ist es aber nicht.»

Doch der Kanton verzichtet darauf, das falsche mit einem offiziellen Schreiben zu berichtigen. «Das gäbe möglicherweise ein Pingpong-Spiel», sagt Schüpbach. Auch sei nicht bekannt, wie gross der Perimeter um die Messe sei, in dem die gefälschte «Bekanntmachung» in die Briefkästen verteilt wurde. Die Anfragen der beunruhigten Bürger werden einzeln beantwortet.

Mit Liebe zum Detail gefälscht

Die Urheber des gefälschten Schreibens, das auch zum Apéro mit zwei Aussenministern einlädt, haben sich Mühe gegeben. Sie haben den Briefkopf des Präsidialdepartements und die Unterschrift des Regierungspräsidenten kopiert.

Auf den ersten Blick glauben darum auch geübte Leser, was da behauptet wird: Es gäbe Leibesvisitationen, Ausgangssperren, Personenkontrollen und viele Unannehmlichkeiten mehr. Richtig ist, dass das Messezentrum von Mittwoch bis und mit Freitag abgeriegelt ist. «Die einzige Einschränkung für die Anwohnerinnen und Anwohner ist, dass sie den Messeplatz nicht queren können», sagt Schüpbach.

Stellt sich die Frage, warum der falsche Brief den – theoretisch – informierten Anwohnern so glaubhaft erscheint. Könnte es sein, dass der Kanton im Vorfeld der OSZE-Ministerkonferenz zu wenig über den Anlass aufgeklärt hat? Statt flächendeckend zu informieren, habe man bei der Kommunikation Wert darauf gelegt, die Betroffenen direkt anzugehen, erklärt Schüpbach. Damit sei im Juni begonnen worden. Bei diesem Vorgehen sei es nicht darum gegangen, die Einschränkungen herunterzuspielen, sondern nicht grösser zu machen, als nötig. «Statt die Leute verrückt zu machen», setzte die Stadt auf das Community Policing: Im letzten offiziellen Schreiben stehen die Telefonnummern von Polizisten, die direkt Fragen beantworten sollen.

Der zweite Blick enttarnt

Dass beim «Bekanntmachungs-Schreiben» etwas faul ist, ist übrigens auf den zweiten Blick logisch: Das OSZE-Logo fehlt und die Unterschrift des Regierungspräsidenten hat einen Kopier-Schatten.

Die Urheber seien wohl durch die Greenpeace-Aktion in Zusammenhang mit dem Versand von Jod-Tabletten inspiriert, vermutet Schüpbach. Die Umweltorganisation hat im Namen der vom Bund beauftragten Verteilstelle für Jod-Tabletten ein Schreiben verschickt, das für den Atomausstieg wirbt. Für die unbekannten Urheber des gefälschten Basler OSZE-Briefes könnte ihr Spässchen Folgen haben. Derzeit wird eine Anzeige wegen Urkundenfälschung und Amtsanmassung geprüft.