Es ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Seit zwanzig Jahren legt Kulturkapitän Tino Krattiger mit seinem Floss am Oberen Rheinweg im Kleinbasel an und bietet ein überaus ansprechendes Musikprogramm für fast jeden Geschmack, zum Teil garniert mit internationalen Grössen. Und das – mit Ausnahme von speziellen Logenplätzen auf Langschiffen – zum Nulltarif.

Das mit dem Nulltarif war zumindest die bisherigen 19 Mal der Fall. Ein aus Versehen versandter Entwurf für eine Medienmitteilung besagt nun etwas anderes: «Wer sich einen guten Platz am Rheinbord sichern will, kann dies ab übermorgen tun.» Das war bislang nicht möglich, ausser man liess sich von einem der Sponsoren in die VIP-Bar einladen. Und weiter heisst es: «Denn der Vorverkauf für das Floss 2019 wird am xx.xx.2019 eröffnet.»

Vorverkauf? Wird das Konzertvergnügen am beziehungsweise auf dem Rhein jetzt kostenpflichtig? Und was halten die Sponsoren davon? «Die Partnerschaft mit dem Veranstalter, der Konzerte gratis für die Bevölkerung anbietet, ist eine gefreute Sache», erklärte Rolf Studer im September 2018, CEO der Hölsteiner Uhrenmanufaktur, die seit einem Jahr als Hauptsponsor von Imfluss auftritt.

Schwierige Gratiskultur

Alle Versuche, Kapitän Tino Krattiger zu erreichen, waren am Montag vergeblich. Aus festivalinternen Kreisen ist aber zu erfahren, dass die Frage, ob für die Ausgabe 2019 Eintritt verlangt werden soll, durchaus breit und variantenreich diskutiert wurde: das gesamte Areal oder nur die Treppen runter zum Rhein? Es sei halt immer schwieriger, Gratiskultur anzubieten.

Diese Aussage war auch schon vor der letztjährigen Ausgabe zu vernehmen gewesen. Mit der Ergänzung allerdings, dass man beim kostenlosen Zugang bleiben werde und nach wie vor auf Sponsoren und den Swisslos-Fonds beider Basel setze. Sowie auf freiwillige Gaben von Besucherinnen und Besuchern. So konnten die Flösser ihr Budget von knapp 500'000 Franken decken.

So sehr der kostenfreie Zugang die Konzertbesucher zu erfreuen vermochte, in der Basler Veranstalterszene stiess er auch auf Kritik. Namentlich Sandro Bernasconi, Musikchef der Kaserne Basel und mit dem Openair Basel ebenfalls Festivalveranstalter, beklagte sich schon öffentlich, dass Basel gerade wegen den vielen Gratis-Events ein hartes Pflaster für Veranstalter sei, die nicht auf einen Ticketverkauf verzichten können.

Aber ist das überhaupt möglich, den öffentlichen Rheinweg für nichtzahlende Passanten zu sperren? Möglich schon, aber nur unter sehr restriktiven Auflagen, sagt Marc Keller, Sprecher des Basler Bau- und Verkehrsdepartements, zu dem auch die zuständige Allmendverwaltung gehört.

Dort weiss man bisher noch nichts über das Ansinnen, den Flossbesuch kostenpflichtig werden zu lassen. «Die Verhandlungen mit den Veranstaltern verliefen im gleichen Rahmen wie immer, von Eintritten war keine Rede», sagt Keller.

Die Jubiläumsausgabe des Festivals Imfluss wird am 29. Juli eröffnet und bis 17. August das Rheinufer beschallen. Informationen zum Programm sind auf Ende Monat angekündigt.