Gefordert wurde eine reformierte Schweizer Frau – Favorit ist nun aber ein spanischer Mennonit. Die Rede ist vom Lehrstuhl für Neues Testament an der Theologischen Fakultät der Uni Basel. Dieser muss neu besetzt werden, weil der bisherige Professor Ekkehard Stegemann emeritierte. Der bz liegt die Liste der vier Top-Kandidaten vor.

Zusammengestellt hat diese die Fakultät zuhanden des Uni-Rektorats, welches am Schluss entscheidet. Favorit ist Moises Mayordomo Marin, der derzeit am Institut für Bibelwissenschaft der Uni Bern als Dozent arbeitet. Der Spanier ist Mennonit. Auf Platz zwei liegt der reformierte Schweizer Peter Wick, angestellt an der Uni Bochum. Gleichauf auf Platz drei liegen zwei deutsche Lutheraner: Eve-Marie Becker und Bernhard Mutschler.

Anita Fetz: Zurück an Absender

Die Liste ist eine Empfehlung, das Rektorat kann auch jemand anderen auswählen. Trotzdem: Wer die Vorgeschichte kennt, weiss, dass diese Auswahl brisant ist. Letzten Sommer machte die bz harsche Vorwürfe an die Theologische Fakultät publik. Obwohl unter den 37 Bewerbern zehn Frauen waren, wurden nur zwei in die engere Auswahl genommen. Offenbar solche, die gar nicht qualifiziert waren.

Der Vorwurf: Obwohl sich die Uni im eigenen Leitbild dazu verpflichtet, Frauen zu fördern, wolle die Theologische Fakultät Professorinnen verhindern. Münster-Pfarrer Lukas Kundert sagte damals zur bz: «Der Verlauf des Verfahrens, so wie ich ihn mitbekommen habe, hat mich skandalisiert.»

Nachdem die Affäre letzten Sommer für grosses Aufsehen in Basel gesorgt hatte, einigte sich Uni-Rektor Antonio Loprieno mit der Theologischen Fakultät und Lukas Kundert darauf, die Bewerber noch mal zu prüfen.

Das Resultat davon ist die oben genannte Liste. Nur: Erneut wurde keine der gut qualifizierten und international renommierten Schweizer Kandidatinnen auch nur angehört. Das weiss die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz: «Ich habe das von verschiedenster Seite bestätigt bekommen.»

Trotz der breiten Debatte und der harschen Kritik im letzten Sommer will die Theologische Fakultät offenbar ein Männerklub bleiben. «Das ist ein No-go», enerviert sich Fetz, «es ist Aufgabe des Rektorats und des Unirats, dafür zu schauen, dass ein solches Berufungsverfahren korrekt durchgeführt wird». Für sie ist klar, dass Rektor Antonio Loprieno und der Unirat die Auswahl der Theologischen Fakultät zurückweisen müssen. «Wir sind im 21. Jahrhundert, heute gibt es Regeln.»

Angst vor Verlust des Reformierten

Von den Beteiligten selber eine Antwort zu bekommen, ist schwierig bis unmöglich. Die Uni gibt mit Hinweis auf das laufende Verfahren keine Auskunft. Münster-Pfarrer Lukas Kundert sagt auch nichts mehr, und Ekkehard Stegemann, um dessen Nachfolge es geht, äusserte sich am Mittwoch zuerst sehr deutlich, zog danach aber alle seine Zitate zurück.

Innerhalb der Theologischen Fakultät sind die Fronten offenbar noch immer verhärtet. Es herrscht ein Klima des Misstrauens. Unabhängige, aber gut informierte, Quellen sprechen gar von Mobbing. Auch in Kirchenkreisen ist Unmut zu spüren. Heute geben die deutschen, lutheranisch-geprägten Professoren den Ton an. Die Besorgnis, dass mit der Vergabe der Professur die reformierte Schweizer Tradition an der Uni Basel verloren geht, ist gross.

Die Unruhen vom letzten Sommer wurden offenbar nicht dazu genutzt, die Situation zu klären. Beobachter gehen davon aus, dass wieder ein Mann das Rennen um die offene Professur macht. Fortsetzung folgt – so sicher wie das Amen in der Kirche.