Grossaquarium

Gefundenes Fressen für Ozeanium-Gegner: Nachhaltigskeitsprüfung praktisch unmöglich

Der Bund geht davon aus, dass der Basler Zolli alles fürs Tierwohl macht – Kontrollen im Welthandel seien aber nicht wirklich möglich.

Die Gegner des Basler Ozeaniums frohlocken. Selbst der Bundesrat scheint das Tierwohl infrage zu stellen: «Transparenz über Herkunft und Fangmethode angebotener Zierfische im Handel wäre wünschenswert. Die Kenntnisse weltweit sind jedoch noch sehr lückenhaft», schreibt die Landesregierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation der Aargauer Grünen-Nationalrätin Irène Kälin.

Für die Fondation Franz Weber, die an vorderster Front gegen das 100-Millionen-Projekt des Basler Zollis kämpft, gibt es nur eine Schlussfolgerung: Die Überprüfung der Nachhaltigkeit sei praktisch unmöglich. Damit sei auch der Basler Zoo mit seinen Ozeanium-Plänen konfrontiert, über die der Basler Souverän am 19. Mai abstimmen wird.

«Wenn der Schweizer Staat Erweis und Kontrolle der Nachhaltigkeit im Zierfischhandel als unmöglich einschätzt, wie können die Ozeanium-Initianten Nachhaltigkeit versprechen?», fragt Fondation-Präsidentin Vera Weber. Für sie steht die Antwort fest: «Ihre oftmals berufene ‹langjährige Erfahrung› ist eine reine Phrase und kann in keiner Weise als Beweis herhalten.»

Meeresbiologin Monica Biondi, die für die Fondation als Expertin auftritt, betont die Komplexität der Handelskette: «Die Fische werden in einer Region gefangen, und gelangen über zig Zwischenhändler mit diversen Transportmitteln – Boot, Auto, Flugzeug – in die Schweiz.» Dem sei auch der Basler Zoo unterworfen. Zwar betone dieser, auf die Expertise langjähriger Lieferanten vertrauen zu können. Ein Beweis liege bisher aber nicht vor.

«Bis heute existiert keine internationale Überwachung des Handels», betont Biondi. «Sich auf Eigenaussagen und Selbstdeklarationen von Händlern zu berufen, um einen nachhaltigen Wildfang von Zierfischen zu ‹beweisen›, ist irreführend und schlicht naiv.»

Fast 50 Jahre Erfahrung

Dagegen wehrt sich der Basler Zoo vehement. Der Bundesrat beziehe sich auf den Handel für Hobbyaquaristiker, betont Sprecherin Tanja Dietrich. Dieser unterscheide sich grundsätzlich vom Markt für professionelle Zoos und Grossaquarien und es sei tatsächlich schwer, hier Transparenz herzustellen, «da eine einzelne Person, die als Hobby ein Aquarium besitzt, meist nicht das Wissen und die Ressourcen dazu hat».

Der Zolli dagegen habe mit dem Vivarium knapp 50 Jahre Erfahrung in Kauf und Zucht von Meerestieren. Dietrich: «Wer wie die Gegner diese Unterscheidung nicht macht, ist entweder schlecht informiert oder unehrlich.»

Der Zolli arbeite zudem mit anderen professionellen Aquarien im Ausland zusammen, «um fehlbare Händler identifizieren und meiden zu können». Auch kenne er seine Lieferanten. «Wir waren auch schon vor Ort, um uns selbst ein Bild zu machen», betont Dietrich. So ist der Basler Zoo überzeugt, gewährleisten zu können, dass seine Fische aus nachhaltigen Quellen stammen und Fang und Transport nach bestem Standard erfolgen.

Kommt hinzu: «Müssten wir tatsächlich, wie von den Gegnern behauptet, regelmässig so viele Fische ersetzen, wäre der Kantonstierarzt wohl auf uns zugekommen und hätte Massnahmen verlangt», gibt Dietrich zu bedenken.

Auch Matthias Lörtscher vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) betont, dass wissenschaftlich geführte Zoos das nötige Know-how und Interesse an einem nachhaltigen Umgang mit ihren Tieren haben. «Aus meiner Tätigkeit kenne ich den Zoo Basel, und er wird wie alle Zoos und Aquarien regelmässig kontrolliert», sagt er. Doch über den weltweiten Handel sei wenig bekannt. Alleine in die Schweiz werden Jahr für Jahr rund 17'000 Zierfische eingeführt, davon gehe nur der kleinste Teil an Zoos oder Grossaquarien.

Die Schweiz will nun aber bei der Vertragsstaatenkonferenz des Abkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten (CITES) beantragen, dass der Handel zumindest mit marinen Zierfischen genau unter die Lupe genommen wird.

Bundesrat gegen Importverbot

Trotz der bis dato fehlenden Transparenz spricht sich der Bundesrat aber gegen ein Importverbot für Wildfänge aus nicht nachhaltiger Quelle aus: «Einerseits stellen Importverbote nach geltendem Recht Handelshemmnisse dar, welche die internationalen handelsrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz berücksichtigen müssen. Andererseits wären Kontrollen zur Überprüfung der Einhaltung von Bedingungen im Ausland sehr schwierig bis unmöglich.»

Mit diesem Problem sieht sich letztlich auch der Zolli konfrontiert. «Er will sich aber sicher nicht dem Vorwurf aussetzen, nicht alles Mögliche für die Nachhaltigkeit der Herkunft seines Tierbestandes zu unternehmen», sagt Lörtscher. Auch stünden bei jahrelangen Geschäftsbeziehungen aufgrund der gemachten Erfahrungen die Chancen nicht schlecht, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Schliesslich sei auch ein Lieferant gut beraten, genau hinzusehen, wenn er mit Zoos handeln will.

«Eine 100-prozentige Sicherheit kann man aber nie haben», sagt Lörtscher. «Es kann immer auch gelogen und betrogen werden.» Bis heute sei die Nachhaltigkeit schwierig zu beweisen.

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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