Gastronomie
Gegen die Coronakrise: Warum das grösste Kaffeehaus der Schweiz jetzt Spargeln verkauft

Das Unternehmen Mitte kämpft gegen den Lockdown-Blues: Das grösste Schweizer Kaffeehaus ist nun ein Markt. Gleichzeitig macht Mitgründer Daniel Häni klar, dass er von Mieterlassen während der Coronakrise nichts hält, der Bund stehe in der Pflicht.

Andreas Schwald
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Spargeln in der Mitte
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Die Massnahme dient nicht nur der Aufmerksamkeit, sondern auch den Spargelhändlern, die zurzeit ebenfalls unter dem Lockdown leiden.
Eingerichtet ist der Laden im «Fumare».
Die Ware ist frisch und wird direkt importiert: Badischer Spargel in rauhen Mengen.
Die «Mitte» hat zurzeit einige Tätigkeiten am Laufen, dazu gehört auch das Kaffeemobil am Rheinbord.

Spargeln in der Mitte

Kenneth Nars

Das sind ganz andere Dimensionen. Wo sich sonst täglich Hunderte Menschen über den Weg laufen, prangt jetzt ein Schild mit der Aufschrift «3 Kunden max» am Fenster. Das Basler Unternehmen Mitte, grösstes Kaffeehaus der Schweiz, arbeitet gegen die Lockdown-Krise an: Der als «Fumare» bekannte Bereich dient nun seit Mittwoch als Marktstand – für badischen Spargel.

Hier hat Geschäftsführerin Pola Rapatt mit ihrem Team einen üppigen Stand für Frischwaren eingerichtet, der von Montag bis Samstag, jeweils von 8 bis 15 Uhr, geöffnet hat. Am Eröffnungstag begleitet sie der Basler Sauerteigbäcker Leon Weidenmüller von «Löwebrot», es gibt auch wieder vegane Glacé. «Nur rumsitzen ist nicht», sagt Rapatt fröhlich. «Wir wollen schliesslich etwas gegen die Angst tun, die sich seit Corona breitgemacht hat.» Zudem unterstütze man die Händler, denn die dürfen trotz Hochsaison den Marktplatz zur Zeit nur höchst eingeschränkt bedienen.

Mieterlass? Lieber soll der Bund zahlen

Wirtschaftlich einträglich ist das allerdings nicht. Die Aktionen wie der eingerichtete Kaffeeschalter beim Non Fumare, dem neuen Spargelstand, der Take-away-Mittagsküche und dem Kaffeemobil, das am Rhein wieder geöffnet haben darf, kompensieren die Ausfälle nicht ansatzweise. Das sei aber ohnehin nicht die Absicht, bestätigt auch Daniel Häni, Mitgründer des Unternehmens Mitte. «Ein bisschen Lebensgeist, ein bisschen Freude soll in dieser Gesellschaft wieder stattfinden können.» Die Anweisungen des Bundes werden eingehalten, das Vorgehen ist mit den Behörden abgeklärt.

Schmerzhafter ist für Häni das Thema Miete. Nicht, weil er nicht bezahlen möchte, ganz im Gegenteil: Die Edith Maryon Stiftung, Besitzerin der Liegenschaft, verfolgt gemeinnützige Absichten. «Wir wollen ja unsere Miete zahlen, denn das ist in unser aller Interesse», sagt Häni. Entsprechend kann er mit der politischen Forderung nach Mieterlass wenig anfangen. «Der Bund hat den Lockdown verfügt. Wir sollen deshalb als Bund für die Folgen geradestehen und das Problem nicht an einen Streit zwischen Mietern und Vermietern auslagern. Ich finde es sehr fragwürdig, wie sich die Politik da versucht, aus der Verantwortung zu ziehen.»

Die «Mitte» werde die Coronakrise voraussichtlich überstehen, trotz ungewissen Aussichten auf eine mögliche Wiedereröffnung. Wie Häni sagt, wolle sich das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von vier Millionen Franken dabei aber nicht verschulden.