Basel

Gegen Littering: Der Drecksack ist gekommen, um zu bleiben

Schön ist er tatsächlich nicht, aber immerhin erfüllt er seinen Zweck: Das Drecksackprojekt wird weitergeführt. (Archiv)

Schön ist er tatsächlich nicht, aber immerhin erfüllt er seinen Zweck: Das Drecksackprojekt wird weitergeführt. (Archiv)

Das Basler Unikum bewährt sich, obwohl die Dönerläden nicht mitziehen. Das Littering-Projekt wird nun verlängert. Also erhalten die Kunden der Take-away-Geschäfte weiterhin zu ihrem Essen und Trinken einen Drecksack.

Auf den ersten Blick absurd: Ein zusätzlicher Plastiksack soll die Baslerinnen und Basler dazu bewegen, ihren Abfall in die Tonne statt auf die Strasse zu werfen? Seit sieben Wochen werden die giftgrünen Drecksäcke an die Take-away-Kundenin den Basler Filialen von Coop, Migros, Manor und Mc Donald’s verteilt, neuerdings auch bei Sutter Begg, Denner und den Kiosken. Ziel ist, das allgegenwärtige und ärgerliche Littering zu reduzieren (die bz berichtete).

Und tatsächlich: Es scheint zu funktionieren. Das finden jedenfalls die Beteiligten der Basler-Litteringgespräche – einer Arbeitsgemeinschaft aus Kanton, Gewerbeverband, Pro Innerstadt und der Wirtschaft. Von den 800'000 gedruckten Säcken ist etwa die Hälfte weg, das Pilotprojekt soll bis Mitte August – dem Ende der Sommerferien – weitergeführt werden. Doch wie wollen die Projektverantwortlichen wissen, dass es funktioniert? Sie verlassen sich auf Umfragen. «Sechs Wochen nach der Einführung kennen 60 Prozent in der Stadt den Drecksack», sagt Martin Gruber vom Amt für Umwelt und Energie (AUE). Das hat eine Studie der FHNW ergeben und sei ein sehr guter Wert.

Sofortpreise sind unbeliebt

«Wir haben auch festgestellt, dass es kaum Missbrauch gibt», ergänzt Dieter Wullschleger von der Migros Basel. Will heissen: Nur wenige Leute verwenden die Drecksäcke als Bebbisäcke, um Abfallgebühren zu sparen. Und auch Marc Etterlin von der Stadtreinigung ist zufrieden: «Wir stellen fest, dass der Verpflegungsabfall oft mit dem Drecksack entsorgt wird.» Und: Selbst wenn nicht, sei es für die Stadtreiniger einfacher, einen Plastiksack zusammenzulesen statt überall verteilte Boxen, Servietten und Dosen.

Ende Sommer wird dann definitiv Bilanz gezogen und entschieden, ob und in welcher Form man den Drecksack auch nächsten Sommer wieder drucken lassen will. Denn es gibt auch Dinge, die dagegen sprechen. Die Kosten etwa: «Wir druckten 800'000 Plastiksäcke mit einem individuellen Gewinn-Code – und das in der Schweiz», sagt Wullschleger. Dabei stellt sich jetzt heraus, dass die mit dem Handy einscannbaren QR-Codes, mit denen man Sofortpreise wie Schoggistängeli oder Eistees gewinnen kann, nicht besonders beliebt sind. Dafür aber die Wochengewinne, bei denen man Pro-Innerstadt-Einkaufsgutscheine gewinnen kann.

Ökobilanz ist gut

Nächstes Jahr müsse es auch gelingen, weitere Geschäfte an der Aktion beteiligen, sagt Dieter Wullschleger. «Dafür fehlte uns dieses Jahr die Zeit.» Bisher machen nur grössere Ketten mit. Es stammt aber viel Abfall von kleinen Imbissbuden wie Dönerläden. Das Problem auch hier: das Geld. Dieses bringen die beteiligten Firmen und der Kanton zu gleichen Teilen auf – insgesamt sind es rund 110'000 Franken. «Die Idee finden viele gut, doch wenns dann ums Zahlen geht, sind die Türen zu», erläutert Wullschleger. Martin Gruber ergänzt: «Es ist ja ein Pilotprojekt. Wenn es funktioniert wollen alle mitmachen, aber vorher sind viele skeptisch.»

Dass harte Rivalen wie Coop und Migros an einem Strick ziehen, zeigt jedenfalls: Den Beteiligten ist es ernst. «Es ist ein gesellschaftliches Problem, das wir gemeinsam angehen müssen», sagt Migros-Sprecher Wullschleger. Und für jene, die es aus Umweltgründen fragwürdig finden, dass Abfall auf den Strassen ausgerechnet mit zusätzlichen Plastiksäcken bekämpft werden soll, hat Martin Gruber eine gute Nachricht: «Die Ökobilanz macht uns keine Mühe.» Wenn die Drecksäcke verbrannt werden, generieren sie Energie, verpesten die Luft aber nicht.

Gut möglich also, dass der Drecksack schon bald zum Basler Sommer gehört wie die Buvetten oder der Wickelfisch.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1