«Es ist wie bei dieser Geschichte von Hase und Igel – wir sind die Igel und immer schon da, wenn der Hase ankommt.» Mit diesem Vergleich, bei dem Rechtsextreme die Hasen und weltoffene Menschen die Igel sind, fasste der Baselbieter FDP-Landrat Marc Schinzel die eine Hälfte dessen zusammen, was am Samstagnachmittag in Basel geschah.

Rund 500 Menschen, vom Teenie bis zum Alt-68er, versammelten sich gegen 13 Uhr auf dem Messeplatz. Um zu verunmöglichen, dass dort eine bewilligte Demonstration rechtsextremer Kreise gegen den Uno-Migrationspakt stattfinden konnte. Rasch wurde klar, dass sie ihr Ziel erreichen werden, dass die Polizei den Platz nicht um jeden Preis räumen wird und dass die rund 30 Rechtsextremen wieder abziehen und ihre Kundgebung, wenn überhaupt, andernorts durchführen werden.

So geschah es dann auch, die Polizei trennte die beiden Gruppen und die Gegendemonstranten feierten ihren «Sieg» mit lauten «Basel nazifrei»-Rufen.

Gegendemonstration: Lage in Basel eskaliert

Gegendemonstration: Lage in Basel eskaliert

    

Das Feindbild wechselt

Das ist die eine Hälfte der Geschichte, auf die sich die Redner an der später folgenden, offiziellen Gegendemonstration bei der Dreirosenbrücke bezogen. Die andere Hälfte lautet: Der gewaltbereite Teil der Gruppe, die sich auf dem Messeplatz eingefunden hatte, schien nicht zufrieden zu sein damit, den Aufmarsch der Rechtsextremen verhindert zu haben. Sie wollten mehr: Zunächst verhindern, dass die «Neonazis zu ihren Autos im Messeparking gelangen», wie mehrfach durch mitgebrachte Lautsprecher zu hören war. Und als die Polizei dies verhinderte und den Zugang zum Parkhaus räumte, wechselte das Feindbild – bekämpft wurden von da an nicht mehr Rechtsextreme sondern die Polizei.

Oder wie die Demonstranten selbst auf ihrem Blog, auf dem sie live von den Geschehnissen berichteten, schrieben: «No justice, no peace, FIGHT THE POLICE!», übersetzt: «Keine Gerechtigkeit, kein Frieden, bekämpft die Polizei.» Eine wilde Verfolgungsjagd begann und mit einem überraschenden Zwischensprint gelang es rund 200 gewaltbereiten Personen, beim Badischen Bahnhof hinter die Polizeilinie zu gelangen. Dort eskalierte die Situation, als die Polizei Gummischrot einsetzte und Steine, Baumaterial und Bierflaschen in Richtung Polizisten flogen.

Nach offiziellen Angaben wurden zwei Teilnehmende der Protestaktion verletzt. Gemäss Polizeiangaben wurden knapp 200 Personenkontrollen durchgeführt, zwei Personen seien vorläufig festgenommen worden. Die bewilligte Kundgebung sei in Absprache mit den Organisatoren an einen geschützten Ort hinter dem Messeturm verlegt worden.

Ohne Zwischenfälle verlief hingegen die offizielle Gegendemonstration bei der Dreirosenbrücke, zu der sämtliche Parteien der Region ausser der SVP aufgerufen hatten. Einigen Politikern aus dem bürgerlichen Lager war anzumerken, dass sie erst selten oder noch überhaupt nie an einer Demonstration waren. LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein und die Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller Kaderli hielten ihre Ansprachen entsprechend kurz.

Nicht so der eingangs erwähnte FDP-Landrat Schinzel, der mit seinem Hase-und-Igel-Vergleich sowie einem geschichtlichen Exkurs zu Anne Frank Beifall aus allen politischen Lagern erntete. Den Abschluss machte eine Teilnehmerin der unbewilligten Demo, die ins Mikrofon rief: «Wir haben den Platz in Beschlag genommen. Es waren sicherlich vereinzelt auch Gewaltbereite dabei, aber die grosse Mehrheit war friedlich und hat verhindert, dass die Nazis in Basel eine Plattform hatten.»

 

Die Details der Ereignisse können Sie im Liveticker nachlesen: