Reparierbar

Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft

Zum letzten Mal in diesem Jahr retten in der Reparierbar in Basel freiwillige Handwerker kaputte Nutzgegenstände vor dem Mülleimer.

Schneller. Billiger. Besser? Was vor einiger Zeit noch als vertretbare Devise für Produktion und Konsum galt, kommt immer mehr in Verruf. Heutzutage ist es oft die günstigere und schnellere Variante, etwas wegzuwerfen, anstatt es reparieren zu lassen. Obwohl oder genau deshalb zeigt der Trend in Zeiten der Klimademonstrationen und Nachhaltigkeitsbemühungen in die entgegengesetzte Richtung. Übermässiger Konsum gerät in Verruf, Wiederverwertung ist cool.

Die Basler Reparierbar setzt sich seit fünf Jahren für diesen Lifestyle ein und wird vom Quartiertreffpunkt Wettstein dabei unterstützt. Das Konzept ist simpel: Handwerklich Begabte melden sich freiwillig bei den Organisatoren zum Einsatz. Knapp zehnmal pro Jahr laden diese dann zur Reparierbar an verschiedenen Standorten in Basel. Der Service ist kostenlos und erfolgt ohne Anmeldung.

Ein Begegnungsort mit Mehrwert

Die Reparaturveranstaltungen finden jeweils im Quartiertreffpunkt Wettstein, in der Bauteilbörse oder in der Macherschaft statt. Etwa fünf bis sechs Profi- oder Hobbyhandwerker stellen sich zur Verfügung, um alleine oder gemeinsam mit den Kunden deren Gegenstände zu reparieren. Ob Teekocher, LCD-Bildschirme, Textilien oder Plattenspieler: Auf Vordermann gebracht werden kann fast alles. Von Vorteil ist es jedoch, wenn man insbesondere aussergewöhnliche Ersatzteile gleich selber mitbringt.

Neben den handwerklichen Tätigkeiten wird das Nachhaltigkeitsprojekt auch dem zweiten Teil seines Namens gerecht: der Bar. Dort erwarten die Gäste und Arbeiter nämlich Speis und Trank. So wird die Veranstaltung gleichzeitig zum Begegnungsort für Quartieranwohner. Dies ist laut Nadine von Tscharner, Co-Leiterin des Quartiertreffpunktes Wettstein, ein schöner Nebeneffekt, steht aber nicht im Mittelpunkt: «Unser Hauptziel ist es immer noch, dass weniger weggeworfen wird.» Das Konzept scheint aufzugehen. Das Interesse am Angebot sei gross und viele seien sehr dankbar für den Service. Vor allem Personen der älteren Generation schätzen das Angebot: «Sie sind sich noch daran gewöhnt, Dinge zu reparieren, anstatt sie gleich wegzuwerfen.», so von Tscharner. Nur seien Reparaturen mit der komplizierten Elektronik vielfältiger und anspruchsvoller geworden. Überrannt werde die Werkstatt aber trotz aktuellen Umwelt- und Klimadebatten nicht.

Von Holland über Bern nach Basel

Seine Anfänge nahm das Projekt vor über fünf Jahren in Bern. Reparierbar-Begründer Fabius Matulic besuchte damals einen Nachhaltigkeitskurs des WWF (World Wide Fund for Nature) in Bern. Als «Endprodukt» sollten die Teilnehmer ein Projekt zur Nachhaltigkeitsthematik umsetzen. Da Matulic erst kürzlich von dem in Holland erfundenen Reparier-Café-Konzept gehört hatte, entschied er sich, in Basel einen geeigneten Veranstaltungsort zu suchen. Kurzerhand fand sich dazu der Quartiertreffpunkt Wettstein. Freiwillige aus dem Quartier stiessen zum Team dazu. Heute besitzt dieses einen Pool von rund 15 Handwerkern, die sich an den Events regelmässig zur Verfügung stellen.

Samstag, 16. November 2019
Letzte Reparierbar des Jahres, ab 11 Uhr
Macherschaft Basel
Eintritt und Reparatur frei
Unterstützung durch Kollekte
www.reparier-bar.ch

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