Grossaquarium

Gegner lassen nicht locker: Umweltverbände laufen Sturm gegen das Ozeanium

Die Chancen für das Basler Ozeanium stehen gut. Doch rund um die anstehende Grossratsdebatte geben Gegner nochmals Vollgas: Sie glauben, das Projekt immer noch kippen zu können.

«Ausgerechnet Basel, die Stadt der Kultur und Innovation, will mit einem veralteten Konzept ein fatales Zeichen gegen die Meeresökologie setzen und sich gleichzeitig zum Gehilfen der Riffzerstörung machen.» Es sind deutliche Worte, welche die Fondation Franz Weber gegen das vom Basler Zoo geplante Ozeanium findet. Morgen Mittwoch befindet der Basler Grosse Rat über die nötige Zonenänderung und einen neuen Bebauungsplan für das 100-Millionen-Projekt. Schon seit Längerem zeichnet sich dafür eine klare Zustimmung ab. Kommt hinzu, dass der Zolli kräftig die Werbetrommel rührt und erst vergangene Woche über die Entwicklung der Spendengelder informiert hat: Bereits seien 57 Millionen beisammen.

Aktionen angekündigt

Für Vera Weber ist es dennoch noch nicht zu spät, das Projekt zu stoppen. Auf einer ganzen Inseratenseite in der gestrigen Basler Zeitung ruft die Präsidentin der Fondation Franz Weber und Tochter des gleichnamigen Gründers die Basler Parlamentarier dazu auf, dem Ozeanium eine Absage zu erteilen. Und sie steht mit ihrem Widerstand nicht alleine da: Auch andere Umweltorganisationen haben bereits Aktionen gegen das Projekt angekündigt.

Weber will die Parlamentsdebatte vor Ort im Basler Rathaus mitverfolgen. Ihr ist durchaus bewusst, dass sie gegen starke Gegner anzukämpfen hat. Nicht nur haben sich die vorberatenden Kommissionen im Grossen Rat deutlich für das Ozeanium ausgesprochen. Auch darf der Zolli auf grosse Unterstützung in der Basler Bevölkerung vertrauen. Dennoch ist das Referendum für die Stiftung bereits beschlossene Sache, wenn das Parlament dem Projekt wie erwartet den Weg bereiten wird.

«Es gibt unzählige wichtige Gründe, gegen das geplante Ozeanium zu sein», ist Weber überzeugt. Das Ozeanium soll ab 2024 dem Publikum anhand von Themenaquarien einen Einblick in die Welt der Ozeane bieten und es für Umweltfragen sensibilisieren. Es gebe aber keine unabhängigen Studien, die beweisen würden, dass Aquariumsbesucher für den Schutz der Meere sensibilisierter seien. «Dass ausgerechnet Basel auf ein solch veraltetes Konzept setzen will, können wir nicht verstehen», sagt Weber. Hinzu komme das Tierleid, das verursacht werde. Zudem seien solche Aquarien unheimliche Energiefresser. Und: Die meisten Grossaquarien weltweit hätten einen grossen Besucherrückgang zu verzeichnen, «der zu einem grossen Finanzrisiko für Basel werden könnte».

Auf mehreren Ebenen aktiv

Bekannt geworden ist der Basler Umweltaktivist Weber mit seiner Kampagne mit Schauspielerin Brigitte Bardot für Robbenbabys. 2014 hat Tochter Vera die Leitung der Fondation übernommen. Schweizweit Bekanntheit erlangte sie vor allem im Zusammenhang mit der Zweitwohnungs-Initiative von 2012. Sie war damals das eigentliche Gesicht des Volksbegehrens. Ansonsten aber steht für die Stiftung das Tierwohl klar im Vordergrund: Neben ihrem Kampf gegen das Ozeanium sammelt Weber Unterschriften für die Massentierhaltungs-Initiative. Zudem wirkt sie bei der Hornkuh-Initiative mit, die am
25. November zur Abstimmung steht.

Für das geplante Referendum gegen das Basler Projekt habe sie bereits einige Stimmbürger finden können sowie einige unterstützende Organisationen. Um im folgenden Abstimmungskampf eine Chance zu haben, «werden wir informieren, informieren, informieren».

Während sich andere Umweltorganisationen bereits klar als Gegner des Basler Ozeaniums positioniert haben, hat sich der WWF Region Basel bisher zurückhaltend gezeigt. «Wir haben noch keine abschliessende Meinung gefasst», sagt Geschäftsführer Jost Müller Vernier. «Das Thema ist bei uns aber sehr umstritten.» Rund die Hälfte der Mitglieder sei gegen das Grossaquarium. Die andere Hälfte aber finde, dass das Ozeanium nicht zu den Kernthemen eines WWF zähle. «Aber spätestens wenn das Referendum zustande gekommen ist, müssen wir Klarheit schaffen.»

Die Ozeanium-Gegner jedenfalls glauben an ihre Chance an der Urne. Immerhin hat sich die Basler Stimmbevölkerung wiederholt skeptisch gegenüber Grossprojekten gezeigt, etwa vor zehn Jahren beim Stadtcasino-Neubau von Stararchitektin Zaha Hadid. Oder 2003 beim Multiplexkino auf der Heuwaage – dem geplanten Standort des Ozeaniums.

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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