Eine Sexmesse passt einfach nicht zur Messe Schweiz

Die Erotikmesse Extasia wäre an ihrem bisherigen Standort auf dem Land besser aufgehoben.

Es ist schon merkwürdig. Mit Händen und Füssen wehrte sich der Kanton Basel-Stadt dagegen, dass die Erotikmesse Extasia weiter in Münchenstein stattfindet. Er kann das, weil die dortige St. Jakob-Arena ebenso dem Kanton gehört wie die St. Jakobshalle. Eine Erotikmesse werde nie und nimmer in einer Halle des Kantons stattfinden oder eine Sexmesse passe einfach nicht zum Kanton, hiess es.

Für die Messe aber, an der Basel ein Drittel der Aktien hält, gelten diese Aussagen nicht mehr. Der Veranstalter der nach eigenen Angaben mit 10 000 Besuchern grössten Erotikmesse der Schweiz ist damit in seiner Wunsch-Location gelandet und freut sich über den permanenten Vertrag, den er von der Messe erhalten habe. Die Messe allerdings dementiert: Der Vertrag gelte nur für dieses Jahr.

Eine Sexmesse findet auch abseits des städtischen Zentrums ihr Publikum, und es ist nicht nötig, sie mit einem Standortvorteil auszustatten. Neben den weltweit renommierten Messen Basel World und Art nun also ein Anlass aus der Schmuddelecke. Kein Wunder, dass der Veranstalter hofft, ebendiese am neuen Wunschstandort zu verlassen. Dass die Messe Schweiz und ihr teils städtischer Verwaltungsrat da mitmacht?

Stossend ist auch eine weitere Merkwürdigkeit, die der «Vogel Gryff» in einem Artikel unter dem Titel «Erotikmessen gehören in Basel zur Kultur» aufgriff. Demnach machten im Kleinbasel etliche Kleinplakate, die normalerweise für nicht gewinnorientierte Kulturveranstaltungen gedacht sind, Werbung für die Sexmesse.

Interessant wäre zu wissen, wie viele der Besucher aus der Stadt und wie viele aus dem Baselbiet kommen. Mit ihrem Strassenstrich hat die Stadt ihre Zentrumsfunktion beim Sexthema bereits genügend abgegolten. Da ist es nicht nötig, mit der Extasia noch einen draufzusetzen. Die Sexmesse gehört an den Stadtrand oder aufs Land.

Verdrängung fördert nur das Zwielichtige von Erotik und Sex

Endlich ist die Erotikmesse in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das Scheinwerferlicht ist der Feind jeder Ausbeutung.

Die Extasia an den Rand drängen, an die städtische Peripherie, gar noch weiter aufs Land hinaus? Das wäre das komplett falsche Signal, jetzt, wo sie in der Messehalle im Herzen von Basel angekommen ist. Die Erotikmesse hat in ihren sieben vorherigen Ausgaben in der St. Jakob-Arena bewiesen, dass sie eine Daseinsberechtigung hat. Die jeweils rund 10 000 Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Region sprechen für sich.

Und doch war der Standort an der Schnittstelle zwischen Stadt- und Landkanton immer suboptimal. Beide Kantone signalisierten damit, dass die Messe zwar geduldet, aber nicht wirklich akzeptiert wird. Dazu passt auch bestens die Begründung des Basler Erziehungsdepartements, weshalb der Extasia 2016 ein Platz in der St.-Jakobshalle verwehrt wurde: «Das dort vermittelte Frauenbild passt nicht zum Frauenbild, das der Kanton hat.» Damit wirft die Basler Verwaltung alle an der Veranstaltung Beteiligten in den Sexismus-Topf.

Mit Verlaub, ganz so einfach ist es nicht. Vielmehr halte ich es für fragwürdig, im Jahr 2016 noch eine Veranstaltung pauschal zu diskreditieren, die sich mit Erotik und Sex beschäftigt. Denn diese Themen sind längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Dass sie teils noch immer tabuisiert werden, schadet letztlich jenen Frauen, die der Kanton Basel-Stadt mit seiner Haltung eigentlich schützen will. Denn etwas nur im Halbdunkel einer Strassenlaterne zu akzeptieren, fördert sexuelle Ausbeutung eher, als dass es sie verhindert.

Dass nun die Messe Schweiz AG keinen Unterschied macht, ob sie ihre Hallen an die Art, die Baselworld oder eben an eine Erotikmesse vermietet, zeugt nicht nur von unternehmerischer Freiheit, sondern auch von einer lobenswerten Offenheit gegenüber einem Bedürfnis unserer Gesellschaft. Sie hilft damit mit, dass der Extasia der Schritt aus der Schmuddelecke gelingt – und das ist auch im Interesse der Frauen.