Der Basler Sport habe halt keine Lobby. Das kriegt schnell zu hören, wer über den Zustand der Basler Sportanlagen berichtet. So klingt es von Politikern, von Sportlern, sogar aus dem Erziehungsdepartement (ED), in welchem das Sportamt angesiedelt ist. Dabei stimmt das so nicht. In Wahrheit sind die Bande im Basler Sport sehr eng und auch die Strukturen für die Förderung von Sport existieren seit Jahren.

So verfügt etwa die Regierung über einen Beirat, der sie in sportpolitischen Fragen auf dem Laufenden hält. Auf die Frage, wie wichtig dieser sei, antwortet Departementssprecher Simon Thiriet: «Der Sportbeirat ist eine Art Resonanzkörper, mit dem Ideen und Entwicklungen im weiteren Feld des Sports besprochen und diskutiert werden können.» Der Sportbeirat könne Stellung zur Verwendung der Swisslos-Gelder nehmen – für den Sport werden jährlich um die drei Millionen Franken geäufnet. Der Beirat sei formell vom damaligen Regierungsrat Christoph Eymann im Jahr 2008 eingesetzt worden und habe seine rechtliche Grundlage mit dem Sportgesetz 2011 erhalten. «Seit dem Jahr 2008 sind vier Mitglieder zurückgetreten. Diese natürliche Fluktuation gibt ausreichend Möglichkeit zur Erneuerung.»

Tatsächlich sieht es etwas anders aus. Zwar existiert erst seit vergangenem November ein offizielles Geschäftsreglement. Gegründet hat den Sportbeirat aber Stefan Cornaz (FDP), Eymanns Vor-vor-Gänger in Amt und Würden. Das war 1998. Und von den 13 damals einberufenen Beiräten sind vier noch immer im Amt. Neben dem aktuellen Beiratspräsidenten Marco Obrist sind dies: Bernhard Segesser, Christoph Socin und Gabriel Nigon. Es sind keine Unbekannte. Notar Nigon war Präsident der Fechtgesellschaft, Segesser gründete die Rennbahnklinik, Socin ist Vizepräsident des CSI Basel und einstiger Turniervater des «Women’s Top Volley», Obrist leitete während 27 Jahren den Unisport.

Vorteil Vereinssport

Aus dem ED selbst stammt die Kritik, der Sportbeirat habe seinen Zenit überschritten und aktuelle Entwicklungen im Sportgeschehen verpasst. So zeigen vom Bundesamt für Sport in Auftrag gegebene Studien, dass die Bedeutung des Vereinssports rückläufig ist. Inzwischen hat der «freie» Sport, zu dem etwa Joggen, Schwimmen oder das Fitnesscenter gehört, den Vereinen den Rang abgelaufen. «Der Sportbeirat hat diese Entwicklung im Auge und zu diesem Thema eine Arbeitsgruppe gegründet», wendet Obrist ein. Er ist sich aber auch sicher: «In Zukunft gewinnen die Vereine wieder an Gewicht.» Obrist will die Bedeutung des Sportbeirats nicht schmälern, weist aber darauf hin, dass dieser «keinerlei Entscheidungsbefugnis» habe.

Der Sportbeirat, dessen Mitglieder ehrenamtlich tagen, ist nicht das einzige Gremium mit Sonderstellung. Während die allgemeinen Swisslos-Gelder für Projekte aus so unterschiedlichen Bereichen wie Umwelt oder Kultur von einer Kommission vergeben werden, verfügt der Sport über ein eigenes Gremium und eine Mindestquote für gesprochene Gelder. Politisch gewollt ist zudem auch eine Überschneidung mit Vertretern des Verbandssports: Vier der acht Mitglieder müssen aus Kreisen der Sportverbände stammen und werden üblicherweise von Sport Basel gestellt, dem Dachverband der Basler Sportvereine. Dessen Präsident heisst Marco Liechti, sowohl Sportbeirat als auch Mitglied der Swisslos-Kommission. Diesen Status hat noch jemand: Es ist Christoph Socin.

Dass diese Überschneidungen zumindest auf dem Papier problematisch sein können, zeigt ein Blick in die Liste der unterstützten Swisslos-Projekte. Grosse Profiteure sind nämlich nicht nur die Vereine, sondern auch der Verband «Sport Basel» selbst. Das sorgte auch schon für politische Irritation. Vergangenes Jahr verlangte FDP-Grossrat David Jenny «Licht ins Dunkel der Vergabepraxis des Swisslos-Sportfonds». In einer Anfrage verglich er die beiden Vergabegremien und konstatierte, «dass über die Verwendung von Geldern aus dem Swisslos-Fonds der Regierungsrat entscheidet, beim Swisslos-Sportfonds hingegen im Rahmen des durch den Regierungsrat genehmigten Budgets die Swisslos-Sportfonds-Kommission, die zur Hälfte aus Kreisen der Sportverbände, somit der Begünstigten, zusammengesetzt ist».

Die Regierung hingegen empfindet die Vertretung der Sportverbände als «unerlässlich». Nur wenige Male im Jahr müssten Mitglieder in den Ausstand treten. Vertreter von Vereinen stünden zudem auf den Anlagen auch mit vielen Sporttreibenden ausserhalb von Vereinen in Kontakt, schreibt Thiriet auf Anfrage der bz. «Deren Erfahrungen und Wünsche fliessen selbstverständlich auch in die Arbeit ein.» Und auch Obrist sagt: «Von aussen mag dies nach Verstrickung aussehen, doch Erfahrung und Vernetzung ist wichtig in diesen Gremien.»

Die grosse Klammer um Sport Basel, Sportbeirat und Sportfonds liefert indes eine private Versammlung: Der Panathlon Club beider Basel ist so etwas wie eine moderne Zunft. Mitglieder werden berufen, eine Bewerbung gibt es nicht. 83 Mitglieder zählt die Loge, zehn davon sind Frauen. Von den zwölf aktuellen Sportbeiräten sind acht Panathleten, in der Swisslos-Vergabekommission sind es vier von acht.