Geld verdienen auf dem Arbeitsweg? Wieso nicht, denken sich bereits über 500 Baslerinnen und Basler, die sich als Fahrer auf der Website des Marketing-Start-ups Working Bicycle eingetragen haben. Morgen Samstag starten die Jung-Unternehmer und ihre Fahrer die erste grosse Kampagne. Drei Wochen lang werden 100 Velofahrer mit auffälligen Gepäckträgerkisten mit Muba-Werbung durch die Stadt kurven. Und vom Geld, das die Publikumsmesse dem Start-up zahlt, erhalten die Fahrer einen beträchtlichen Teil – nämlich 22 Franken 50 pro Fahrer und Woche.

«Wir waren sicherlich nicht die Ersten, die diese Idee hatten. Aber wir sind die Ersten, die sie auch konsequent umsetzen», sagt der 23-jährige Basler Luca Tschudi. «Wir haben eine Lösung gesucht, damit Velofahrerinnen und Velofahrer für ihren sportlichen und umweltbewussten Einsatz belohnt werden.» Gleichzeitig werde den Werbekunden eine neue Möglichkeit geboten, nachhaltig und kreativ auf sich aufmerksam zu machen.

In den vergangenen anderthalb Jahren hat Tschudi die Idee gemeinsam mit seinem Bruder und zwei befreundeten Jung-Unternehmern zur Marktreife vorangetrieben. «Ohne Fremdkapital», betont der Wirtschaftsstudent. Es sei am besten, wenn Start-ups ihre Ideen so lange wie möglich selber stemmen können. «Uns gelingt das, weil wir unsere Werbekunden überzeugen konnten, bereits mehrere Woche vor dem Kampagnen-Start zu bezahlen. Das hat bis jetzt sehr gut geklappt und hilft uns, eigenständig und unabhängig von Investoren zu bleiben und trotzdem in Material und Expansionen investieren zu können.» 7000 Franken kostet eine Woche Werbepräsenz mit 100 Fahrern, wobei im Preis alles inklusive sei. Bis jetzt hätten sie mit rund zehn Firmen Verträge abgeschlossen.

Fahrer werden überwacht

Damit die Werbekunden nach Abschluss der Kampagne auch sicher sein können, dass ihre Kisten genügend Ausfahrt genossen und von entsprechend vielen Menschen gesehen wurden, ist in der Box ein Offline-Tracker eingebaut. Dieses Gerät zeichnet auf, wann, wie oft und über welche Distanzen die Box transportiert wurde. «Wichtig dabei ist: Wir zeichnen nicht auf, welcher Fahrer wo ist, sondern nur, welche Box. So gewähren wir den Datenschutz gegenüber unseren Mitarbeitern.»

Der gute Draht zu den strampelnden Werbebotschaftern sei in diesem Geschäft sowieso entscheidend. «Wir sind darauf angewiesen, dass sich die Fahrer korrekt verhalten.» Deshalb müssten diese einen Verhaltenskodex unterschreiben, in dem stehe, dass sie beispielsweise nicht über ein Rotlicht fahren oder das Velo an einer verbotenen Stelle abstellen dürfen. «Ansonsten käme es rasch zu Reklamationen, weil das Fehlverhalten der Velofahrer auf das Image der jeweiligen Firma abfärbt», sagt Tschudi.