Pfyfferli

Gelungene Premiere des Pfyfferli: Die Angst um zu wenig Sujets verfliegt im Nu

Roland Herrmann, Salomé Jantz, Peter Richner, Caroline Rasser, Colette Greder und Gilles Tschudi (v.l.).

Roland Herrmann, Salomé Jantz, Peter Richner, Caroline Rasser, Colette Greder und Gilles Tschudi (v.l.).

Das Premierenpublikum war am Freitagabend begeistert von der Ausgabe 2013 des Pfyfferli. Schwachstellen gibt es keine: Die Pointen sitzen und die musikalischen Einlagen überzeugen.

Im Fauteuil kommt nicht so richtig Fasnachtsstimmung auf. Caroline Rasser will das schnell ändern. Das ist nicht einfach, wie sie beunruhigt feststellt. Die Pointen müssen sitzen, geeignete Lieder gefunden und ein stimmiges Programm auf die Beine gestellt werden. Ihre Schauspielerkollegen lassen sie zuerst im Regen stehen. Peter Richner verzieht sein Gesicht. Er lerne doch im August keine Texte. Dann haben die fünf Freunde Mitleid und zählen die Themenvielfalt, die für das Pfyfferli geeignet sind, auf: Die neue Vogel-Gryff-Fähre, aus Zürich, die Not-Pissoirs zum «Brünnele», die gewählten Clowns im Rathaus, die vegetarische Uni-Mensa. Caroline ist beruhigt.

Als Häftling lohnt es sich in Basel

Der Prolog, den das sechsköpfige Ensemble auf die Bühne bringt, verspricht nicht zu viel. Im ersten Stiggli «Y wurd so gärn emool...» zählen Colette Greder, Salomé Jantz, Gilles Tschudi, Roland Herrmann und Peter Richner auf, warum es sich lohnt, Basler zu sein. Wenn man als Häftling im Waaghof «pfuusä ka», könne man jeden Tag raus. Hakan Yakin müsste in Zürich mehr Alimente bezahlen und auch SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli gefällt es dort nicht mehr. Peter Richner erzählt danach, warum er lieber doch kein Basler sein will. Regierungspräsident Guy Morin regiere ja auch nicht, sei aber trotzdem ein Netter. Und der neu in den Grossen Rat gewählte Eric Weber verzapfe nur Schwachsinn.

Obwohl Peter Richner im Pfyfferli ein alter Hase ist, vergisst er am Premierenabend zwischendurch seinen Text. Das Publikum verzeiht ihm jeden Hänger, er erntet gar Applaus dafür - genauso wie die Souffleuse am Ende der Vorstellung - denn mit seiner charmanten Art spielt Richner seine Rolle perfekt weiter. «Es ist ja erst Premiere», schmunzelt er. In seiner Rolle als Mond brilliert der Schauspieler. Immer wieder zu- und abnehmen stinkt ihm. Er hat sonst ja nichts zu tun, lässt er seinen Frust Richtung Erde ab. Das Einzige, was sich aus Mond-Perspektive lohnt, ist der «Morgestraich».

Doch die Sonne (Colette Greder) will ihm diesen Moment versauen. Sie kommt von Australien rüber. Der Mond verjagt sie - aber um Punkt vier Uhr früh fängt es an zu regnen.
Von Gilles Tschudi hervorragend gespielt ist seine Solo-Nummer «Ohni mi...». Tschudi verbringt die «Drey scheenschte Dääg» lieber am Strand, weil er sich am «Morgestraich» über Aussagen wie «Tschöss, was bisch denn du für e Waggis» ärgert.

Im zweiten Pfyfferli-Teil zieht es das Ensemble auf die Weltmeere. Sie gründen eine Partei und für Lacher sorgt ein Papagei, der immer und überall seinen Senf dazugibt. Danach verzaubert Colette Greder mit ihrer warmen Stimme das Publikum mit dem Lied «S Rampelicht». Sie liebt die Scheinwerfer, auch wenn das Publikum jeden Pickel erkennen kann.

Baselbieter Politiker kommen dran

Überhaupt sind die musikalischen Leistungen der Pfeifer und Tambouren auf hohem Niveau. Die Pfeiffergruppe spielt den «Rhysprung» aus der Feder von Thomas Heid. Später begeistern die «Naarebaschi» mit einer anspruchsvollen Version des «Arabi». Vor dem Epilog, in dem Caroline Rasser und ihre Freunde freudig feststellen, dass es dieses Jahr an Sujets für das Pfyfferli doch nicht fehlt, tragen Pfeifer und Tambouren einen schwungvollen «Monty» vor.

Auf die Schippe genommen werden während des ganzen Abends die Basler und - vor allem - die Baselbieter Regierungsräte. Keiner wird vergessen, jeder muss seinen Kopf hinhalten - mit einfallsreichen Pointen.

Zu den Höhepunkten der meisterhaften Ausgabe 2013 gehören die Premiere-Schnitzelbängg «die Verschiffte» und «Peperoni». Letzterer trägt pointierte Verse vor zum Waaghof, wo die Wärter beim Verstecken spielen mit den Häftlingen zu lange die Augen schliessen. Zu Zeus, der zur Hera sagt, der Baselbieter Finanzdirektor Adrian Ballmer trage gerade seinen Schuldenberg auf den Olymp. Oder zum Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels, der sich über eine Platte am Spalenberg freut. Nur: Wessels verwechselt die Platten der «Ehrespalebärglemer» mit den Dohlen.

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