Der Name der elsässischen Gemeinde Fessenheim ist vielen vor allem wegen des benachbarten Atomkraftwerks ein Begriff. 750 Beschäftigte hat das AKW und indirekt sollen sogar rund 2000 Jobs davon abhängen. In Fessenheim selbst arbeiten 450 der knapp 2300 Einwohner im AKW - da verwundert es wenig, dass Gemeindepräsidentin Fabienne Stich sich vor der für 2016 beschlossenen Schliessung fürchtet.

Betriebserlaubnis verlängert

Das Atomkraftwerk selbst macht ihr weniger Sorgen. «Ich vertraue der Aufsichtsbehörde Autorité de Sûreté Nucléaire ASN. Wenn das AKW nicht sicher wäre, müsste man es schliessen», betont Stich. 2011 und 2013 hat die ASN den beiden Blöcken nach ihrer Zehnjahresinspektion unter Auflagen die Betriebserlaubnis für weitere zehn Jahre erteilt. Dazu gehörten die Verstärkung der Bodenplatten und zusätzliche Kühlwasserzufuhr.

«Ich verstehe nicht, dass die Regierung etwas schliessen will, das funktioniert. Es ist eine rein politische Entscheidung, weil die Grünen mit in der Regierung sitzen», sagt Stich.

Jean-Luc Cardoso, Sprecher der linken Gewerkschaft CGT-Fessenheim, hat wenig Verständnis für die Politik «seines» Präsidenten. «Fessenheim ist rentabel und macht im Durchschnitt pro Jahr einen Gewinn von 400 Millionen Euro. Es liefert zudem rund 50 Millionen Euro an Steuern in der Region ab.» Alle Expertisen und Stresstests hätten nachgewiesen, dass das Atomkraftwerk sicher sei. «Es zu schliessen, wäre eine Dummheit.»

Regelmässige Demonstrationen

Die Gegner der Schliessung demonstrieren regelmässig während der Sitzung der Überwachungskommission zum AKW vor der Colmarer Präfektur. Kürzlich fand in Fessenheim die Generalversammlung der Gemeindepräsidenten statt, deren Kommunen Standort von AKWs sind. In Kürze trifft Fabienne Stich zudem den Präsidenten des Senats, vergleichbar dem Schweizer Ständerat, und am 19. November ist eine Demonstration vor dem Regierungssitz in Paris geplant.

Die Schliessung hätte vielfältige Konsequenzen für ihre Gemeinde, sagt Stich. «Wohnungen werden leer stehen, Immobilienpreise sinken, wir werden Schulklassen wieder schliessen müssen und ich frage mich, was das für unsere Sportvereine bedeutet.» Gewerkschafter Cordoso ist überzeugt, dass von den 2000 Arbeitsplätzen, die das AKW in der Region schafft, nur um die 200 für den Rückbau übrig bleiben würden.

Die Sorgen, die sich insbesondere die deutschen und Schweizer Nachbarn wegen Fessenheim machen, mag Fabienne Stich nicht nachvollziehen. «Das AKW Beznau ist fast identisch und älter als Fessenheim. Es ist nicht in Ordnung, dass die Schweizer bei uns demonstrieren kommen.» Für Stich ist klar: «Wir kämpfen weiter, um das Kraftwerk zu verteidigen.»