Hansjörg Wilde, vor vier Jahren traten Sie mit dem Argument an, ohne Parteizugehörigkeit im Gemeinderat als Moderator auftreten zu können und so für mehr Sach- statt Parteipolitik zu sorgen. Ist Ihnen das gelungen?

Hansjörg Wilde: Oftmals, aber nicht immer. Ich würde die Moderationsrolle gerne noch stärker wahrnehmen. Es ist aber halt auch so, wenn jemand nicht in den konstruktiven Dialog einsteigen will, dann kommt der Dialog auch nicht in Fluss.

Woran ist dies gescheitert?

Es ist herausfordernd, einen Rat zu moderieren und zusammenzuführen, wenn sie merken, da will jemand nicht, hat kein Interesse daran, dass es funktioniert. Es wird nicht konstruktiv mitgedacht und das führt dazu, dass man im einen oder anderen Geschäft unglücklich ist.

Wenn alle im Rat ihre Parteihefte ablegen und für die Gemeinde Riehen denken würden, was unsere Aufgabe ist, dann könnten wir noch weiter sein, als wir jetzt sind.

Ohne Partei im Rücken seien Sie in der Riehener Politik isoliert, sagen Kritiker.

Ich isoliert? Das nehme ich als Kompliment! Das ist Wunschdenken der politischen Gegner. Denkmuster, welche davon ausgehen, dass der Gemeinderat alles bestimmen und Macht über Verwaltung und Parlament haben soll, entsprechen meiner Meinung nach veralteten Parteimustern. Die Zeiten sind vorbei, dass hinter verschlossenen Türen alles entschieden wird. Ich nehme diese Vorwürfe somit gerne in Kauf, um den Weg der Transparenz, den wir eingeschlagenen haben, weiterzugehen.

Hinter verschlossenen Türen? Sie sprechen von Filz?

Ich denke schon, dass die Wahrnehmung während vieler Jahren in Richtung Filz ging. Wir sind unter meinem Präsidium eine offene und transparente Gemeinde geworden. Die aktuelle Bevölkerungsbefragung hat deutlich gezeigt, dass die Menschen dies auch so wahrnehmen und schätzen.

Was haben Sie in den vergangenen vier Jahren erreicht?

Ich konnte grosse Geschäfte wie das Leitbild, den Umbau der Pensionskasse und die Verhandlungen mit dem Kanton zu FILA 2 sowie die Umstellung der Verwaltungsspitze erfolgreich abschliessen. Die Menschen fühlen sich wohl in Riehen. Die Identifikation mit ihrem Wohnort ist in den vergangenen vier Jahren nochmals um zehn Prozent gestiegen. Gerade auch junge Familien fühlen sich in Riehen immer wohler.

Zu reden gaben zuletzt die Finanzen. Das Budget sagt nach der Steuersenkung ein Minus von fünf Millionen Franken voraus. Folgt jetzt ein rigoroses Sparprogramm?

Die von linker Seite forcierte Finanzdebatte erfolgt unzweckmässigerweise aufgrund des Budgetierungsprozesses. Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, erfolgt dieser jeweils nach vorgegebenen Parametern. In der Vergangenheit zeigte sich jedoch, dass die Rechnung, und die ist entscheidend, wesentlich besser ausfiel als das Budget. Aufgrund der sehr soliden Eigenkapitalbasis von Riehen können wir die Rechnung somit abwarten und daraus, falls überhaupt nötig, entsprechende Massnahmen einleiten.

Der Gemeinderat hat mit dem neuen Dorfplatz, tieferen Kosten und Kampagnen viel getan für das Gewerbe im Dorf. Doch fruchten tut dies nur geringfügig.

Dieses Thema ist sicher herausfordernd. Wir brauchen ganz klar attraktive Ankerangebote, von welchem auch der Detailhandel und das Gewerbe mit profitieren können. Dazu müssen wir in der kommenden Legislatur die nötigen Rahmenbedingungen beschliessen.

Und wo sollen mögliche Neubauten hin? Auf die grüne Wiese in den Sarasinpark?

Sicher nicht! Aber viele Optionen haben wir tatsächlich nicht. Ich bin offen für alle Konsequenzen. Wir müssen Lösungen bieten, die das Dorf weiterbringen. Wir dürfen uns keiner Lösung verschliessen.

Coop und Migros anstelle des Gemeindehauses?

Wieso nicht? Mir wäre es egal, wenn mein Arbeitsplatz 300 Meter weiter entfernt wäre. Teile der Dienstleistungen für die Öffentlichkeit könnte man auch in Gebäuden der Grossverteiler oder anders zentrumsnah integrieren.

Die Baustellen- und Verkehrssituation belasten die Bevölkerung. Gibt es Hoffnung auf Besserung?

Die Bauarbeiten auf der Achse Basel-Riehen-Lörrach dauern weiter an. Die Umfahrungen sind unausweichlich. Wir werden diese aber weiter verbessern. Ich kann die Bevölkerung nur dazu bitten, sich mit der gewiss nicht tollen Situation zu arrangieren. Ich bin aber überzeugt, dass es auf der Aeusseren Baselstrasse nach den Bauarbeiten weniger Verkehr haben wird und die aktuellen Umleitungsstrassen wieder entlastet werden. Die Ausweichroute über die Zollfreistrasse wird nachhaltig sein und Riehen entlasten.