Riehen

Gemeindepräsidium: Im zweiten Anlauf will es Hansjörg Wilde packen

«Ich habe mehr politische Erfahrung, als manche vielleicht denken», sagt der parteilose Wilde.

«Ich habe mehr politische Erfahrung, als manche vielleicht denken», sagt der parteilose Wilde.

Hansjörg Wilde kämpft gegen vier weitere Kandidaten um das Riehener Gemeindepräsidium. Vor vier Jahren reichte es ihm in den zweiten Wahlgang, den er aber gegen Willi Fischer verlor. Nun will er im zweiten Anlauf doch noch Gemeindepräsident werden.

Hansjörg Wilde ist ein wenig erkältet. Beim Gesprächstermin mit der bz entschuldigt er sich dafür, bestellt einen Tee – und legt los. Wenn er von seiner Kandidatur für das Riehener Gemeindepräsidium erzählt, ist sein kränkelnder Zustand wie weggeblasen. Dieser Mann, das wird sofort klar, ist angetreten, um zu gewinnen. «Meine drei Konkurrenten kandidieren auch für den Gemeinderat. Ich habe darauf verzichtet. Mir geht es um das Präsidium», sagt er.

Vor vier Jahren trat er schon einmal an und zwang den langjährigen EVP-Gemeindepräsidenten Willi Fischer in den zweiten Wahlgang. Wilde erhielt fast 46 Prozent der Stimmen – ein für viele Beobachter erstaunlich gutes Resultat.

Gewerbler ohne politisches Amt

Bei den Wahlen 2014 tritt Fischer nicht mehr an. Um seine Nachfolge bewerben sich fünf Kandidaten. Klappt es diesmal für Wilde? «Wenn alle, die mich vor vier Jahren gewählt haben, mich wieder wählen, würde es reichen», rechnet Wilde vor. Aber eben: Heute ist die Ausgangslage eine völlig andere. Drei ernsthafte Kandidaten stellen sich zur Wahl.

Wilde tritt als Bürgerlicher für die CVP, FDP und SVP, aber ohne eigene Partei im Rücken an. Ein Umstand, auf den seine Konkurrenten immer wieder gerne hinweisen. Wilde hat kein politisches Amt inne. «Ihm fehlt die politische Erfahrung», lautet der Vorwurf, für den dieser aber nur einen uninteressierten Gesichtsausdruck übrig hat. «Als Gewerbevertreter in verschiedenen Gremien habe ich mehr politische Erfahrung, als manche denken», sagt er und schiebt einen Seitenhieb gegen LDP-Kandidat Thomas Strahm nach. «Er ist zwar im Grossen Rat, hat in fünf Jahren aber nur drei Interpellationen eingereicht, was nicht gerade von sonderlich viel Fleiss zeugt.» Dass die LDP mit Strahm einen eigenen Zug fährt, statt sich dem bürgerlichen Bündnis anzuschliessen, könnte Wilde zum Verhängnis werden. «Es ist nun mal so», kommentiert er trocken.

Ein weiterer beliebter Vorwurf: Wilde ist ein verkappter SVPler. Dem widerspricht SVP-Einwohnerrat Eduard Rutschmann: «Ich habe ein paar Mal angeklopft, ob er zu uns kommen will. Er wollte nie.» Dann habe er Wilde einen Beitritt zur FDP vorgeschlagen. Auch das habe er abgelehnt, sagt Rutschmann. «Er fühlt sich wohler, wenn er unabhängig agiert.» Wilde drückt es so aus: «Als Gemeindepräsident will ich alle Riehemer vertreten. Und ich will alle Parteien ins Boot holen.» Zu vieles sei in Riehen im politischen Geplänkel untergegangen.

Er nennt als Beispiel das K-Netz «Niemand weiss, wie es dort weitergehen soll. Nicht einmal die SP, die das Referendum gegen den Verkauf lanciert hat.» Er als Gemeindepräsident hätte viel früher eine Lösung gesucht, mit der alle Parteien hätten leben können. Bei Unternehmer Wilde spürt man die Macher-Mentalität: Er ist jemand, der es gewohnt ist, in einem privatwirtschaftlichen Betrieb zu agieren.

Vor dem Halbfinal

An der Podiumsdiskussion am vergangenen Montag forderte er ein «effizienteres Vorgehen» im Einwohnerrat. Ihm selbst ist wichtig, dass er für seine Leute da ist. «Das Präsidium ist ein 50-Prozent-Pensum. Am Anfang rechne ich eher mit 70 Prozent.» Das könne man nicht am Wochenende und am Abend erledigen. «Ich bin nicht sicher, ob alle meine Konkurrenten sich dessen bewusst sind.»

Und was will Wilde in Riehen erreichen? Wachsen müsse es nicht mehr. «Das wollen die Riehemer auch nicht.» Aber gestalten könne man Riehen sehr wohl noch. «Ich will die Qualität steigern», sagt der 48-Jährige. Zum Beispiel bei den Schulen. Aber auch beim Dorfkern. Gegenüber Basel will der Unternehmer Selbstbewusstsein markieren. Alles andere wäre verschenkt. «Mit den Verhandlungen zum Ressourcenausgleich müssen wir auch den Steuerschlüssel zugunsten von Riehen anpassen lassen.»

Und wie schätzt er seine Chancen ein? Sie seien gut. Die Wahl am Sonntag betrachtet er als «Halbfinal». Ernst wird es im zweiten Wahlgang. «Da ist es gut, wenn man noch etwas in der Hinterhand hat.»

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