Riehen
Gemeindepräsidents-Kandidat Vogel: Klosterschüler und Unternehmer

Guido Vogel (SP) kandidiert als Gemeindepräsident. Er sieht sich als Unternehmer mit christlicher Grundhaltung nicht als typischen Sozialdemokraten. Vogel wuchs mehrheitlich im Ausland auf.

Tobias Gfeller
Merken
Drucken
Teilen
Guido Vogel sieht sich als Unternehmer mit christlicherGrundhaltung nicht als typischen Sozialdemokraten.

Guido Vogel sieht sich als Unternehmer mit christlicherGrundhaltung nicht als typischen Sozialdemokraten.

Juri Junkov

Eigentlich schien sich der ehemalige SP-Einwohner- und Grossrat Guido Vogel aus der Politik zurückgezogen zu haben. Doch die Konstellation mit insgesamt vier frei werdenden Gemeinderatssitzen hat in ihm die Lust nach einem neuen politischen Amt wiedererweckt: «Nach insgesamt neun Jahren in den Parlamenten reizte mich das Exekutivamt, wo man langfristig etwas bewirken kann.»

Zur politisch günstigen Situation kam die Tatsache, dass es in seiner Firma Mabritec AG wieder ruhiger läuft. 2011 trat Vogel aus dem Grossen Rat zurück und widmete sich ganz seiner noch jungen Firma, die damals eine turbulente Anfangszeit durchlief. Die Riehener Mabritec bietet Labordienstleistungen im Bereich Spezialanalytik in der Mikrobiologie an. «Wir machen eine Nischenanalytik und identifizieren beispielsweise Pilze und Bakterien», erklärt Vogel. Er gründete die Firma 2008 mit einem Kollegen und ist zurzeit Verwaltungsratspräsident, wissenschaftlicher Leiter und Mitglied der Geschäftsleitung.

Kein knallharter Unternehmer

Der Sozialdemokrat als Unternehmer – eine ungewöhnliche Konstellation. Vogel selbst findet dies nicht so speziell: «Ich kenne viele Inhaber von KMU, die SP-Mitglied sind.» Zudem sei er persönlich kein typischer Sozialdemokrat. «Ich tendiere schon gegen die Mitte und suche ausgewogene Lösungen.» Trotzdem unterscheide er sich vom knallharten Unternehmer, der nur auf Kennzahlen statt auf Menschen Rücksicht nimmt.

Von seiner Erfahrung als Unternehmer könnte er als Gemeinderat oder gar Präsident stark profitieren, ist er überzeugt: «Es geht in beiden Rollen darum, weitsichtig in die Zukunft zu schauen. Diese Fähigkeit hat man nicht einfach nur durch ein Studium, sondern durch gelernte Arbeit im Alltag», so Vogel.

Als Gemeindepräsident würde sich der 51-Jährige als «konsensorientierter Leiter» der Gemeinderatssitzungen sehen. Eine wichtige Aufgabe als Gemeindepräsident sieht er in der Vertretung Riehens nach innen und aussen. Profitieren würde er auch durch sein grosses Beziehungsnetz, das vor allem in Basel für Riehen Früchte tragen könnte. Die hohe Wohnqualität in den verschiedensten Formen sieht Vogel als Erfolgsmodell für Riehen. In den Schulen sieht er aktuell viel Verbesserungspotenzial.

Im Ausland aufgewachsen

Guido Vogel ist kein Sohn Riehens. Als Kind eines Diplomaten reiste er in seinen ersten zwölf Lebensjahren durch die Welt. Geboren ist Vogel im indonesischen Jakarta. Bald zog die Familie weiter ins französische Annecy nahe der Schweizer Grenze. Mit neun Jahren nahm der Vater eine Diplomatenstelle in Indien an. Erst mit zwölf Jahren wurde die Familie in Bern sesshaft.

Diese Zeit der Reisen prägt ihn bis heute. «Ich glaube, ich bin offener als der typische Schweizer», beschreibt sich Vogel selber. Auch vom Vater habe er viel mitbekommen, von dem er heute profitiere. «Ich bin keiner, der poltert und angreift. Mit dem diplomatischen Umgang kann man vieles besser formulieren.»

Früher Abschied von zu Hause

Mit 14 Jahren trat der jugendliche Guido Vogel in die Klosterschule Einsiedeln ein und blieb sechs Jahre lang im Internat. Aufgrund der unklaren beruflichen Zukunft des Vaters wünschten sich seine Eltern für ihn eine stabile Lebenssituation. Nur alle drei Wochen durfte er damals nach Hause. «Es war knapp nicht mehr so, dass man in der Schule eine Kutte tragen musste.» Die Zeit im Benediktinerkloster habe ihn geprägt. «Ich bin schnell selbstständig geworden. Ich war früh mein eigener Herr und Meister.»

Das Gemeinschaftsleben im Internat habe ihn sozial gemacht. Trotz der nicht immer ganz einfachen Zeit bereut er die Jahre nicht. «Ich würde es heute wieder so machen.» Die christliche Grundhaltung ist im Leben des Guido Vogel geblieben. Nach dem Chemiestudium in Bern und drei Jahren in den USA zog die Familie 1995 nach Basel und drei Jahre später nach Riehen. Dort will er künftig mitbestimmen, wo es langgeht.