Basel

Gemeinsames Fastenbrechen: mit Datteln für mehr Toleranz

Die fastenden Gäste, zwischen die sich auch Guy Morin gemischt hat, werden auf die Probe gestellt: Der Salat wird serviert, aber essen dürfen sie noch nicht.

Die fastenden Gäste, zwischen die sich auch Guy Morin gemischt hat, werden auf die Probe gestellt: Der Salat wird serviert, aber essen dürfen sie noch nicht.

Das öffentliche Fastenbrechen im Basler Kulturzentrum Union soll das Verständnis zwischen den Kulturen fördern.

Um 21.33 Uhr der erlösende Biss in die Dattel. Für die meisten Anwesenden im rappelvollen Saal des Basler Kulturzentrums Union am Mittwochabend ist es das erste Lebensmittel, das an diesem Tag ihre Lippen berührt. Denn seit Montag ist Ramadan, der Fastenmonat der Muslime. Während dieser Zeit dürfen sie – neben diversen anderen einzuhaltenden Regeln – zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, beziehungsweise zwischen dem sogenannten Fajr-Gebet in den ganz frühen Morgenstunden und dem Maghrib-Gebet am späten Abend, keine Lebensmittel konsumieren. Nach Letzterem folgt das Fastenbrechen, das traditionell mit dem Essen einer Dattel oder dem Trinken von Wasser oder Milch beginnt.

Verstehen als Basis für Toleranz

Seit acht Jahren laden die Basler Muslim Kommission (BMK) und das Interreligiöse Forum Basel (IRF) an einem Abend im Ramadan die Basler Bevölkerung zum gemeinsamen Fastenbrechen ins Kulturzentrum Union. So auch am vergangenen Mittwoch. «Es ist eine bunt gemischte Gesellschaft», stellte dort Serhad Karatekin, Vorstandsmitglied der BMK, zu Beginn erfreut fest und zitierte eine Sure über das Kennenlernen von Völkern und Stämmen. Denn genau darum gehe es beim öffentlichen Fastenbrechen: Die Basler Bevölkerung soll ihre muslimischen Mitbürger und deren religiöse Traditionen kennenlernen können. «Das ist wichtig für das Verstehen und das Verstehen wiederum ist die Basis für eine Atmosphäre der Toleranz und das friedliche Zusammenleben.»

Diese Ansicht teilt auch Guy Morin, der schon beim ersten öffentlichen Fastenbrechen in Basel 2009 dabei war. «In den letzten Jahren ist das gesellschaftliche und mediale Klima kälter geworden», sagte er in seiner Ansprache. «Das Misstrauen gegenüber dem Islam ist gestiegen. Das birgt die Gefahr eines Teufelskreises: Die Angst vor dem Islam führt zu Ausgrenzung und die Ausgrenzung birgt wiederum Radikalisierungsgefahr.»

Beim Thema Radikalisierung seien alle gefordert. «Es reicht nicht zu sagen, das alles habe nichts mit dem Islam zu tun. Es braucht fundiertes religiöses Wissen und starke Vorbilder, damit junge Menschen den Verlockungen im Internet widerstehen können.» Für Morin war es das letzte Fastenbrechen-Grusswort als Regierungspräsident. Er versprach aber, sich auch nach seinem Rücktritt für das Zusammenleben einzusetzen.

Basel hat sich angestrengt

Die Schweiz und besonders Basel hätten grosse Anstrengungen für die Muslime unternommen, hiess es in der von BMK-Präsident Sohail Mirza verfassten, aber wegen dessen Abwesenheit durch Vorstandskollegin Nurgül Içer-Elmas vorgetragenen Rede. «Wir sollten diese schönen Dinge nicht vergessen und uns nicht von einzelnen Personen verwirren lassen.»

«Es ist uns wichtig, dass die Muslime in der Gesellschaft auch positiv wahrgenommen werden können», sagte Vignarajah Kulasingam in seinen Grussworten als Co-Präsident des IRF. «Ich bewundere die Ausdauer beim Gebet und beim Fasten», so der Präsident der Stiftung Hindu Gemeinde Basel weiter. Diesen Eindruck teilte wohl so mancher Gast. Denn auch wer tagsüber gegessen hatte, konnte ganz schön in Versuchung kommen: Der Salat wurde nämlich bereits serviert, als die Reden noch in vollem Gang waren. Aber Zulangen ist eben erst nach dem Fajr-Gebet erlaubt und dieses stand am Mittwoch erst um 21.31 Uhr an.

Autor

Julia Gohl

Julia Gohl

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