Basel

Gemütlicher Geschenkestress: Hier lassen sich die Leute bewusst auf Weihnachten ein

An zwei Last-Minute-Weihnachtsmärkten konnte man sich am Sonntag eindecken, oder auch nur herumschlendern.

Es gibt Sachen, von denen man weiss, dass man sie nicht unbedingt braucht. Dazu gehören in Basel gebrautes Randenbier, neongrüne Gürtel und postkartengrosse Schaukästen mit Kitschbildern drin. Doch kurz vor Weihnachten brauchen viele genau solche Sachen unbedingt, wenn es nämlich gilt, noch dringend Weihnachtsgeschenke für die Lieben zu finden.

Der Druck ist umso grösser, wenn die Trouvaillen auch noch originell sein sollen. Dann kommen einem Taschen mit dem Schriftzug «I still believe in Santa» oder eine tragbare Whisky-Bar in einem Benzinkanister wie Retter in der Not vor. Für Weihnachtsverzweifelte sind der Gässlimärt im Kleinbasel und der Last-Minute-Weihnachtsmarkt in der Markthalle eigentlich gedacht.

Umso entspannter war gestern dann die Atmosphäre an den beiden Orten. Vor allem am Gässlimärt ging es besinnlich zu und her – was nicht an den mangelnden Besuchern lag. «Es ist der gemütlichste Markt, an dem wir dieses Jahr sind», sagte eine Frau, die Kinderkleider verkaufte. Am Sonntag war im Klein- und Grossbasel verkaufsoffener Sonntag, doch ein Paar hatte sich bewusst entschieden, nur an den Gässlimärt zu kommen.

«Eigentlich machen wir gar keine Geschenke», sagte sie. «Wir sind beide nicht aus Basel», erklärte er. «Der Familie zu Weihnachten etwas aus der Region zu bringen, ist schon etwas Spezielles.» Der Gässlimärt habe eine angenehme Grösse. Den Rummel in der Freien Strasse wollten sich die beiden jedenfalls nicht antun.

Für Lokales wird gerne etwas mehr bezahlt

Bereits alle Geschenke besorgt hatte eine Frau in der Markthalle – «eigentlich», wie sie mit breitem Grinsen präzisierte. «Es hat hier so viele Sachen, die mit Liebe hergestellt sind.» Besonders das viele Selbstgestrickte, das es an beiden Märkten gab, hatte es ihr angetan. «Es kann gut sein, dass ich doch noch zwei oder drei Geschenke kaufe, vielleicht auch für mich selber», sagte sie und stürzte sich in die Stände.

Viele waren am Sonntag eher zufällig in der Markthalle, etwa «weil es hier am Sonntag immer irgendeinen Markt gibt», wie ein Mann mittleren Alters meinte. Er mache keine Weihnachtsgeschenke, aber vielleicht finde er ja etwas, was er brauche – «obwohl es hier eigentlich lauter Sachen gibt, die man nicht unbedingt braucht», wie er lachend einräumte.

Er geniesse das Herumschlendern trotzdem. An einem Stand mit bunten Portemonnaies meinte jemand, er sei gezielt hierher gekommen, «weil die Markthalle bekannt ist für alternative Sachen».

Dass hinter den Ständen oft die Hersteller der Waren standen, zog offenbar. «Lokales ist im Trend», meinte ein Getränkehersteller aus dem Schwarzbubenland. «Dafür ist manch einer bereit, den einen oder anderen Franken mehr auszugeben.»

Vor allem am Samstag sei der Gässlimärt voll gewesen, am Sonntag wegen Regen etwas weniger. Das dürfte vielen Besuchern gerade recht gewesen sein. Die Kinderkleiderverkäuferin meinte: «Die Leute lassen sich hier bewusst auf Weihnachten ein, weit weg vom Weihnachtsstress in den grossen Läden der Stadt.»

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