Zwischenruf

Gendergerechte Redezeit im Grossen Rat: Qualität vor Quantität

Im Grossen Rat soll die Redezeit ausgewogener zwischen Mann und Frau aufgeteilt werden. Doch macht das wirklich Sinn?

Im Grossen Rat soll die Redezeit ausgewogener zwischen Mann und Frau aufgeteilt werden. Doch macht das wirklich Sinn?

Die beiden Linkspolitikerinnen Tonja Zürcher (Basta) und Michela Seggiani (SP) reichten am Mittwoch einen Anzug ein. Der gendergerechte Redeanteil im Parlament solle stärker beobachtet und Statistik darüber geführt werden. Ein Zwischenruf.

Redezeiten im Basler Parlament sind beschränkt. Spricht ein Fraktionssprecher beispielsweise länger als die erlaubten zehn Minuten, wird er abgemahnt. Was im Grossen Rat eigentlich festgelegt ist, scheint jetzt aber zum Problem zu werden. Tonja Zürcher (Basta) und Michela Seggiani (SP) fordern Transparenz über die Redezeit von Männern und Frauen. Der Grund: Männer seien nicht nur übervertreten in dem Gremium, sondern würden auch viel mehr Redezeit einnehmen als ihre Kolleginnen.

Ohne Namen nennen zu wollen: Es finden sich auch im Grossen Rat «Schnuris», wie man ihnen überall im täglichen Leben begegnet. Wie wir aber als Frauen mit ihnen umgehen, wenn wir das Gefühl haben, benachteiligt zu werden, ist unsere Sache. Wenn wir etwas sagen wollen, dann tun wir das. Wir nehmen uns die Zeit, die uns dafür zusteht.

Auch wenn diese Zeit in unserem Falle an Redaktionssitzungen (noch) nicht gemessen wird. Wir versuchen dann zu sprechen, wenn das, was wir zu sagen haben, gehaltvoll ist und der konstruktiven Auseinandersetzung dient. Ist dies nicht der Fall, halten wir uns zurück. Das erwarten wir auch von unseren männlichen Kollegen.

Reden für die Statistik

Man stelle sich vor, eine gendergerechte Redezeit würde im Berufsalltag aller Branchen flächendeckend eingeführt. Vielleicht würden einige Frauen, die ein kleineres Selbstbewusstsein haben, dadurch in ihrer Absicht bestärkt, sich öfter zu äussern und einzubringen. Für alle anderen wären die Folgen eher negativ: Man würde inhaltlich weniger ernst genommen, weil man für die Statistik redet und nicht, weil man etwas zu sagen hat. Wir brauchen keine Quotenwortmeldungen.

Liebe Frau Zürcher, liebe Frau Seggiani, sehen Sie es positiv: Ihr Vorstoss zeigt doch, dass wir Frauen schneller zum Punkt kommen als die männlichen Kollegen. Nur zu reden, wenn man etwas zu sagen hat, ist gerade in der Politik eine unterschätzte Qualität. Und die Qualität der Wortmeldungen, die wird leider (noch) nicht gemessen.

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