Innovation
Genf trocknet Basel ab: Die BVB verpassen den «Bus der Zukunft»

Die BVB wollen den «Bus der Zukunft» entwickeln – ein Trolleybus, der ohne Fahrleitungen auskommt und sich all paar hundert Meter mit Strom auflädt. Doch in Genf fährt bereits seit Sonntag genau so ein Bus - emissionsfrei und mit erneuerbarer Energie.

Moritz Kaufmann
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Die «Weltpremiere» ist seit Sonntag in Betrieb und wurde von Verkehrsministerin Doris Leuthard eingeweiht: Der Genfer Tosa-Bus.

Die «Weltpremiere» ist seit Sonntag in Betrieb und wurde von Verkehrsministerin Doris Leuthard eingeweiht: Der Genfer Tosa-Bus.

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BLT: «Behalten Elektro-Markt im Auge»

Auch die Baselland Transport AG (BLT) behält die Entwicklungen von Elektrobussen im Auge: «Elektrobusse sind bei uns ein Thema. Wir beobachten den Markt und sind mit den Herstellern im Gespräch», sagt Fredi Schödler, Leiter Betrieb und Technik. Allerdings gebe es bisher nur Prototypen, noch keine Serienmodelle.

Interessant für das Streckennetz der BLT sind laut Schödler auch Hybridbusse mit Plug-in-System, bei dem eine relativ grosse Batterie extern aufgeladen werden muss. Sie hätten eine grössere Reichweite als die reinen Elektrobusse. Nachdem die BLT 2012 einen Diesel-Hybridbus getestet habe, stehe ab dem 10. Juni auf gewissen Linien erst einmal dessen zweite Generation im Einsatz.

Anders sieht es bei der Autobus AG Liestal (AAGL) aus: Dort war der Elektrobus bisher kein Thema. Laut Geschäftsführer Roman Stingelin testete die AAGL vor zwei Jahren Hybridbusse. Die Technik habe jedoch noch keine rentablen Ergebnisse geliefert.

«Die Topografie unserer Streckenführung im Oberbaselbiet ist zu wechselhaft», erklärt Stingelin. Er habe deshalb «eine gewisse Skepsis», Elektrobusse zu testen. Ausserdem befürchtet er: «Die Infrastruktur für einen Testbetrieb wäre vermutlich nicht ganz günstig.» (bob)

Genf fährt Basel davon

Das visionäre Gefährt soll in Basel ab 2020 durch die Strassen kurven. Genf allerdings hat am vergangenen Sonntag den «Tosa» in Betrieb genommen» - eine Weltneuheit. Es ist ein emissionsfreier Trolleybus, der nicht auf Oberleitungen angewiesen ist, weil er alle drei bis vier Stationen 15 Sekunden lang elektrisch aufgeladen werden kann. Das geschieht, indem sich ein beweglicher Arm auf dem Busdach mit einem Kontakt in der Haltestelle verbindet. Den Strom liefert ein Wasserkraftwerk, er ist also erneuerbar. Im Grunde also genau das, was die BVB sich vorstellen.

Vorerst handelt es sich um einen Prototyp, der bis im Frühling 2014 getestet wird. Danach werden die Ergebnisse ausgewertet. Am Projekt ist neben den Genfer Verkehrsbetrieben TPG der Schweizer Grosskonzern ABB beteiligt, auf dessen Technologie der Tosa basiert. Verkehren tut er auf der prestigeträchtigen Linie vom Flughafen bis zum internationalen Viertel.

Basel ist an dem Projekt in Genf nicht beteiligt. Dafür wollen die BVB zusammen mit den Verkehrsbetrieben in Bern, Winterthur und St. Gallen ein Jointventure gründen, um an einem eigenen Bus zu forschen. Es sollen viel eigenes Geld und Manpower investiert werden. Auf die Frage, ob die BVB das Genfer Projekt überhaupt auf dem Radar hatten, antwortet das Transportunternehmen ausweichend: «Die BVB tauschen sich mit Bremen aus. Eine Form von einer möglichen Zusammenarbeit mit den von Ihnen angesprochenen Schweizer Städten wird besprochen.» Es hätten Gespräche stattgefunden mit den Firmen ABB und Bombardier. Spezifischer werden die BVB nicht.

«Schnelllebiger Markt»

«Genf hat viele Gründe, stolz zu sein. Der Tosa ist einer davon», sagt Philippe Anhorn, Sprecher der TPG. Dereinst sollen in Genf nur noch Busse fahren, die auf Tosa-Technologie basieren. «Erste Priorität ist, den Tosa auf neuen Linien fahren zu lassen. Danach wollen wir die normalen Busse ersetzen und zuletzt die Trolleybusse mit Fahrleitungen», sagt Anhorn. Seine Firma führe keine «professionellen Gespräche» mit den BVB, meint er. Der Tosa sei noch nicht fertig entwickelt. Mitarbeit sei herzlich willkommen.

Vorerst wohl aber ohne Basler Beteiligung. «Der Markt ist momentan sehr innovativ und schnelllebig, deshalb steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest, welches die geeignetste Technologie für Basel ist», lassen die BVB ausrichten. Vorreiter will man aber trotzdem sein: «Bei Versuchen in der Praxis werden verschiedene Technologien getestet. Hier übernehmen wir Pionierarbeit.»

Man kann also festhalten: Der Zug - oder besser gesagt: der Bus - ist für die BVB in Sachen «Bus der Zukunft« noch nicht abgefahren. Ein Eigentor in Sachen Selbstvermarktung erzielten die BVB aber allemal.