Die SBB-Häuser am Basler Tellplatz bieten nicht nur einen prächtigen Anblick, sondern auch billigen, genossenschaftlich geführten Wohnraum an zentraler Lage. Ein Gut, das in der Stadt Basel immer knapper wird. Die Arbeiter-Wohnsiedlung aus dem 19. Jahrhundert gehört den SBB Immobilien, und diese will das «Investitionsobjekt» im Gundeli an den Meistbietenden verkaufen.

Das lässt bei der Sektion Nordwestschweiz des Schweizer Verbands für Wohnungswesen (SVW) die Alarmglocken läuten. «Wollen die SBB angesichts der heutigen Goldgräberstimmung auf dem Bodenmarkt diese Genossenschaftshäuser einem Investor verkaufen, der die kompakte Siedlung filetiert und dann im Stockwerkeigentum auf den Markt bringt?» Diese Frage stellt der SVW in den aktuellen Mitglieder-Nachrichten. Der Grund für die Befürchtung: Verschiedene Basler Wohn- und Baugenossenschaften wollten die Häuser kaufen. Sie alle haben eine Absage erhalten.

Absage an Genossenschaften

«Die SBB fordern Fantasiepreise», sagt SP-Grossrat Jörg Vitelli, Präsident der Nordwestschweizer Sektion des SVW. Er ist Präsident der Genossenschaft Gewona. Diese hat den SBB 5,4 Millionen Franken für das Ensemble geboten – und eine Absage erhalten. Gescheitert sei der Verkauf am Bodenpreis. «Die SBB wollen nur profitieren.» Mit dem Verkaufspreis aber steigen die Wohnungspreise, «und das ist das ein Problem für die Genossenschaften», sagt Vitelli. Der Wohnbaugenossenschaftsverband Nordwest (WGN) wollte die Häuser für
5,5 Millionen Franken erwerben.

Die Absage traf vor einem Monat ein. «Es ist eine Trauergeschichte», sagt WGN-Präsident Theo Meyer. Für diesen Preis wäre es der Genossenschaft möglich gewesen, die Häuser zu sanieren und weiter gemeinnützig zu vermieten. «Es ist nicht in Ordnung, dass die SBB den letzten Rappen aus den Häusern pressen wollen, in denen sie früher ihre Gleisarbeiter untergebracht haben», sagt Meyer.

Sanierung zu teuer

Verwaltet werden die ehemaligen SBB-Arbeiterhäuser von der Baugenossenschaft Nord-West. Diese hat seit 1985 das Baurecht, das eigentlich noch rund 50 Jahre weiterlaufen würde. Doch die geschützten Häuser sind sanierungsbedürftig. «Ein solches Grossprojekt würde die Kapazitäten unseres Miliz-Vorstands übersteigen», sagt Baugenossenschafts-Präsident Fernando Rimo auf Anfrage. Und auch das Geld würde fehlen. Darum will die Genossenschaft das Baurecht vorzeitig zurückgeben. «Seit 2006 laufen Bemühungen, eine Lösung zu finden.» Es sei das Ziel, die Genossenschaftswohnungen zu erhalten. Noch laufen auch Gespräche, allenfalls mit anderen gemeinnützigen Wohnbauträgern zu fusionieren.

Die 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen kosten zwischen 750 und 1350 Franken pro Monat. Von den SBB gebe es eine mündliche Zusage, dass der gemeinnützige Wohnraum erhalten bleibe. «Wir werden unsere Vorbehalte äussern, wenn beispielsweise ein börsenkotiertes Unternehmen als Käufer vorgeschlagen wird», sagt Rimo. Und diese kann die Baurechtnehmerin auch äussern: Sie bestimmt, ob sie das Baurecht zurückgibt oder nicht.

Eine Variante, der die Baugenossenschaft zugestimmt hätte, kam nicht zustande: Vor etwa drei Jahren interessierte sich die Stiftung Habitat für die Liegenschaften. «Der Kauf ist an überrissenen Preisvorstellungen der SBB gescheitert», sagt Habitat-Geschäftsführer Klaus Hubmann. Bei der Liegenschaft sei man sich einig geworden, nicht aber beim Bodenpreis. Die Stiftung hätte die Wohnungen genossenschaftlich weitergeführt.

Schutz wird noch geklärt

Überrissen sind die Preisvorstellungen für den Boden aus Sicht der Genossenschaften unter anderem, weil die Häuser unter Denkmalschutz stehen und auf keinen Fall abgerissen werden dürfen. Die Frage, welche Sanierungsarbeiten ein Investor überhaupt vornehmen dürfte und ob eine Luxussanierung möglich wäre, wird sich nächste Woche klären. Dann wird der Denkmalschutz mit der Eigentümerin die Liegenschaften begehen.

Und die Begehung wird auch entscheidende Folgen haben für den Verkaufspreis. «Die Zonierung ‹Schutzzone› lässt bei Liebhaberobjekten nur bedingt Schlüsse über ökonomische Werte von Land und Gebäude zu», sagt Reto Bieli, zuständig für das Gebiet Basel Ost bei der Basler Denkmalpflege. «Was der Markt hergibt, wird erst nach Abschluss der Verfahren klar.»

SBB geben keine Auskunft

Konfrontiert mit den Vorwürfen und Bedenken der Basler Genossenschaften, wollten die SBB keine Auskunft über den Stand des Verkaufs geben. «Wir werden Mitte Jahr aktiv informieren», sagt SBB-Mediensprecher Reto Schärli. Die Frage, ob sich aus den verbleibenden Bewerbern die Möglichkeit ergebe, den Wohnraum weiter genossenschaftlich zu führen, liess er unbeantwortet.