Dieses Wochenende war beispielhaft: Nackte Leiber bevölkern das gesamte Kleinbasler Rheinufer, im Wasser zwischen Solitude-Park und Dreirosenbrücke die mittlerweile gewohnte schiere Menge einer Badespassgesellschaft, die von der Gratis-Abkühlung mitten in urbaner Atmosphäre profitiert. Und danach das grosse Aufräumen von Müll und anderen Hinterlassenschaften.

Die Überbeanspruchung des beliebten Rheinbords ist in Basel anerkannt. Am Samstag machte die bz publik, dass der Kanton bereits seit zehn Jahren Pläne in der Schublade hat, die mittlerweile beliebteste Freizeitzone des gesamten Kantons umzugestalten. Nur: Die Pläne sind eben auch zehn Jahre alt.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre – also verschärfte Konflikte zwischen Anwohner- und Kulturinteressen, die rasant zunehmende Nutzung als parkähnliche Anlage sowie die damit verbundenen Lärm-, Abfall- und Naturschutzprobleme – widerspiegelt das damalige Gewinnerprojekt noch nicht. Zumal es damals unter einen der Basler Sparzüge geworfen, also sistiert wurde. Der Kanton wartet nun zu, bis endlich eine Gesamtsanierung der Leitungen fällig wird, um die lang gehegte Planung umzusetzen.

Ein Neuanfang

Jetzt aber fordern Politiker und Anwohner beiderseits die Neuauflage eines solchen Projektwettbewerbs. Sie wollen nicht noch länger warten, bis das Problem einer interessenverträglichen Neugestaltung bei der nächsten Generation von Politikern und Verwaltungsangestellten landet. «Ja, eine Neuauflage des Projektwettbewerbs wäre durchaus angezeigt», sagt FDP-Grossrat Christian Moesch, Mitglied von «Kulturstadt Jetzt». Moesch war es auch, der 2017 in einer Motion explizit forderte, die Bermen am Oberen Rheinweg sowie den Schaffhauserrheinweg zu sanieren und neu zu gestalten. Die Motion wurde allerdings in einen Anzug umgewandelt, der Abschnitt zum Schaffhauserrheinweg wurde gekippt. Aus Kostengründen, wie es hiess, doch Moesch vermutet, dass der Regierungsrat die Forderung schlicht anpasste, um Konfrontationen mit Anwohnern zu meiden.

Tatsächlich sind die Anwohner gerade am Schaffhauserrheinweg skeptisch gegenüber einer Planung, die für ihren Uferabschnitt ähnliche Unterhaltungsauswirkungen haben könnte wie am Rheinweg weiter unten. Sie plädieren, dass auch die Quartierinteressen bei der Planung berücksichtigt werden.

In einem Punkt einig

Doch obwohl sie damit den Interessen von «Kulturstadt Jetzt» kritisch gegenüber stehen, sind sich beide Seiten in einem Punkt einig: Ein neuer Projektwettbewerb für die Gestaltung der Wohn- und Freizeitzone Rheinufer unter Einbezug aller Interessen und Entwicklungen ist zu begrüssen, wie auch Peter Mötteli sagt. Er ist nicht nur Anwohner, sondern auch im Vorstand des Vereins Rheinpromenade Kleinbasel, der sich, wie Mötteli betont, «für die Interessen aller Nutzer einsetzt» – also auch für die Anwohner, aber eben nicht nur.

Tatsächlich wäre zumindest das Basler Planungsamt einer Aktualisierung des alten Konzepts nicht abgeneigt, wie Ressortleiter Dirk Leutenegger bereits sagte. Vorausgesetzt, die politischen Instanzen erteilen den entsprechenden Auftrag. Das kann das Parlament sein, aber auch das Volk.

Warum es nicht am Geld liegt

So wäre allenfalls sogar eine Volksinitiative in Betracht zu ziehen, sagt FDP-Grossrat Moesch. Am Geld könne es jedenfalls nicht liegen, dass ein neues Rheinbord stets scheitern müsse. Die Regierung habe in einer Antwort auf seinen Vorstoss bereits deutlich darauf hingewiesen, dass dafür auch der Mehrwertabgabefonds angezapft werden könne.

Der Fonds habe den Vorteil, dass er explizit zur Schaffung neuer oder für die Aufwertung bestehender Grünräume wie Parkanlagen, Stadtwälder, Alleen oder Promenaden bestehe. Klar ist laut Moesch und Mötteli jedenfalls, dass eine neue Planung für alle Seiten Sinn mache – auch, um Bewegung in eine Debatte zu bringen, deren Fronten sich in den vergangenen Jahren zunehmend verhärtet zeigten.