Vorfasnacht

Gepfeffert und gesalzen: «Menü SüürprYYs» setzt die Messlatte für «Drummeli» und Co. hoch

Die Worte, die das Publikum nach der Premiere des «Menü SüürprYYs» in den Mund genommen hat, waren durchwegs Superlative. «Sensationell», «Wahnsinn», «grossartig». Einzelne hatten noch Tränen in den Augen und Bauchweh, weil das Zwerchfell schon lange nicht mehr so strapaziert worden war.

Die Clique «onYva» hat es verstanden, mit bescheidenen Mitteln, einem einfachen Bühnenbild (eine gross angelegte Bar) und unverbrauchten Laienschauspielern Vorfasnacht von ihrer besten Seite zu präsentieren.

Da waren musikalische Nummern wie die Adaption des Hits «079». Ein Fasnachtsmuffel im Bademantel beschwert sich morgens um 4 Uhr über den Lärm: «Alli Pfyffer mache immer numme no tüüt tüüt tüt».

Weiter beweisen zwei Akteure, dass man beinahe jeden Fasnachtsmarsch mit nur drei Akkorden auf dem Klavier begleiten kann oder dass auch mit Gummihühnern Märsche gespielt werden können.

Ganz genial die Steppnummer: Mit Zoggeli an den Füssen werden unter anderem «Morgestraich», ein Trommel-Solo oder ein Gugge-Refrain auf die Bretter gezaubert.

Zelebrierte Einheit

Kalt den Rücken runter läuft es einem, als eine Solistin zur Melodie von «Little Drummerboy» jene besingt, die «anders» sind und daher nicht Fasnacht machen können: «Wenn andersch bisch, bliebsch lieber dehai, räda pläng pläng.»

Im Schluss-Rap «Das isch mini Clique» wird glaubwürdig die Einheit zelebriert. Durch den Kakao werden alle gezogen, die nicht pünktlich einstehen. Politische Kritik wird nicht offen vorgetragen, sondern süffisant versteckt.

Auch andere Fasnächtler werden aufs Korn genommen, selbst das Top Secret-Drum-Corps muss dran glauben: In Personalunion wechselt ein Schauspieler vom arroganten Baseliner über den hypernervösen Snaredrummer hin zum leicht unterforderten Colourgardisten. Der Paukenspieler nervt sich über die vielen Schlegel, die am Boden liegen, während der Drummer Angst vor der Fechtszene hat und der Fahnenträger nur noch am «drülle, drülle» der Fahne ist. Diese Nummer wird mit tosendem Applaus quittiert.

Im Programm werden Werbespots der Firma FAG («Fasnacht aifach gmacht») präsentiert: Ein Roboter aus Holz mit aufmontierten Handy- und Tablet-Bildschirmen kann die gewünschte Fasnachtsfigur abspielen. Der (faule) Fasnächtler kann so vom Bett aus einen Roboterkollegen «arbeiten» lassen.

So lustig die Szene ist, so nachdenklich macht sie auch. Die Fasnacht der Zukunft, an der Roboter den Cortège abmarschieren? Im zweiten Werbespot wird ein Funkhelm feilgeboten, mit dem «Studenten» als Fasnächtler ferngesteuert werden können.

Lustig bis nachdenklich ist auch die Waggis-Nummer, die den typischen «Wäägeler» veralbert. Gleichzeitig wird aber klar, dass hier mehrere Tabus überschritten worden sind. Das ganze «Menü SüürprYYs» mundet exzellent. Es muss den Vergleich mit anderen Vorfasnachtsveranstaltungen nicht scheuen. Professionell wie das «Drummeli» oder das «Pfyfferly», aber unverbraucht wie die Akteure des «Zofingerli» – und das mit rund 60 Personen auf der Bühne.

Abendfüllendes Programm

Die Idee ist während eines Bummelausflugs ins Tabourettli entstanden. Dort durften Cliquenmitglieder in Gruppen etwas vorführen. Aus diesem Spass entwickelte sich mit der Zeit ein abendfüllendes Programm. «Die kreative Arbeit kommt aus der ganzen Clique», erklärt Daniel Bühler nicht ohne Stolz.

Der Medienverantwortliche ergänzt aber: «Es ist Stand jetzt als einmalige Aufführung angedacht.» Über eine Wiederholung müsste ein Antrag an die Generalversammlung entscheiden. Die Begeisterung des Premierenpublikums sollte zu diesem Entscheid motivieren: On y va!

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