Der Eingangsbereich ist edel gestaltet, die Tanzfläche grosszügig, und im ersten Stock gibt es eine Lounge mit Blick nach draussen. Alles so, wie man sich in ganz Europa einen richtigen Club vorstellt. Nur in Basel fehlte bislang ein solcher Ort, ist Tobias Rieder, Leiter des Excellent-Clubs, überzeugt. Nach einem Jahr Umbau will er sich in der Lücke positionieren, die in Basel zwischen Underground und Kommerz klaffe.

Gepflegte Leute und gepflegte elektronische Musik: Nationale und internationale Top-Acts sollen in Zukunft in Basel spielen und nicht nur in Zürich, wohin bislang zahlreiche Partygänger mangels Alternative gezogen sind.

Speziell ansprechen will er auch schwule Clubber, denn in den letzten zwanzig Jahren sei diese ganze Szene nach Zürich abgewandert, erklärt Piero Vecchioli. Er lanciert am Samstag eine neue Gay-Reihe in eben diesem Excellent-Club unter dem Namen «Flavor» (Geschmack), was sich wohl zum einen auf das Motto «Chocolate», als auch auf die Ausrichtung bezieht.

Schwule Basler fliehen nach Zürich

Er sehe nicht ein, warum man mittlerweile Basel verlassen müsse, um an eine erstklassige Clubnacht zu gehen. Anfangs der Neunziger sei hier nämlich das Zentrum der Schweizer Gay-Szene gewesen. Mittlerweile ist es Zürich; und nicht nur für Schweizer, sondern für Schwule und Lesben aus ganz Europa.

Das habe natürlich schon sehr viel mit der grossen Toleranz gegenüber Homosexualität hierzulande zu tun, ist Vecchioli überzeugt. In den meisten europäischen Ländern sei das noch anders. Hier outeten sich inzwischen schon Vierzehnjährige und hätten damit kein Problem.

Und jetzt soll Basel nachziehen. Zwar gibt es schon lange Gay-Events im Singerhaus, in der Isola, die Zischbar am Dienstag oder die Gameboys in der Kuppel; es scheint aber tatsächlich so, als entdecke die Stadt gerade dieses Potenzial. Im Februar startet in der Garage (ehemals Annex) die neue Reihe «Supergay» und am Samstag eben «Flavor» im Excellent-Club. Konkurrenten seien die Veranstalter untereinander aber nicht, betont Piero. Die Community sei überschaubar, man kenne sich und spreche die Daten auch untereinander ab.

Homosexuelle Traumgäste

Aus Sicht des Clubbetreibers sind Homosexuelle fast schon ein Traumpublikum. «Die Atmosphäre ist sehr entspannt, es gibt eigentlich nie Streit, und da viele Paare Doppelverdiener sind, spielt Geld kaum eine Rolle», bringt Piero es auf den Punkt.

Damit deckt sich diese Szene mit dem Zielpublikum von Tobias Rieder. Zwar sei es ein sehr spontaner Entscheid gewesen, die «Flavor»-Reihe ins Excellent zu holen, aber natürlich empfinde auch er die Gäste als sehr angenehm und locker.

«Der Vorteil an einer Gay-Party ist, dass du das einem potenziellen ‹Stresskopf› nur sagen musst und er zieht Leine», lacht Rieder. Auch viele Frauen kämen gerne an diese Events, weil sie weniger angebaggert werden, hakt Vecchioli nach. Es sei aber nicht nur für Schwule, sondern auch für Lesben gedacht, er mache da keinen Unterschied. Und diese Offenheit ist es auch, die Rieder interessiert. Es gehe ihm darum, ein breites Publikum in seinen Club zu holen, und dafür sei diese Reihe quasi exemplarisch.

Ein Argument für Hetero-Männer, an diese Partys zu kommen, fällt beiden aber nicht auf Anhieb ein. «Es geht wirklich ums Feiern und nicht ums Posen», sagt Vecchioli, «und wem das gefällt, der fühlt sich bei uns wohl.» Dass am Samstag eine Menge Schokolade verteilt wird, dürfte auch ein Argument sein.

Hinweis: Sa 28.1.12, Flavor Heterofriendly Gay Party, Excellent Clubbing Lounge, Binningerstrasse 7, 4051 Basel.