Fasnacht

Gerangel um TV-Plätze: Weil das SRF nicht selber filmt, fehlen Auftrittsmöglichkeiten für die Bängg

D Wanderratte und 25 weitere Comité-Schnitzelbänke müssen sich insgesamt 17 TV-Plätze bei Telebasel teilen.

D Wanderratte und 25 weitere Comité-Schnitzelbänke müssen sich insgesamt 17 TV-Plätze bei Telebasel teilen.

Das Schweizer Fernsehen verzichtet neuerdings darauf, selber Schnitzelbänke aufzuzeichnen. Für die kommende Fasnacht ist SRF eine Kooperation mit Telebasel eingegangen, welches das Filmmaterial für den Querschnitt liefert. Dies sorgt unter den Bängg für Unmut.

«Die volle Dröhnung Fasnacht» verspricht Telebasel-Chefin Karin Müller ihren Zuschauern für die nächsten Wochen. Dazu gehört auch, dass der Sender für eine gemeinsamen Fasnachtsausgabe mit der «Basler Zeitung» zusammenspannt und zusätzlich eine Kooperation mit dem SRF eingegangen ist. Der Deal: SRF stellt Telebasel seine Aufzeichnung des Militärmusikfestivals Basel Tattoo zur Verfügung. Dafür kriegt Leutschenbach im Gegenzug für den Fasnachts-Querschnitt die Schnitzelbänke von Telebasel geliefert. Auf eigene Aufzeichnungen verzichtet das Schweizer Fernsehen neu. In den vergangenen Jahren hatte SRF jeweils am Montag- und Mittwochabend im Atlantis gefilmt. Nur fürs Radio werden weiterhin auch noch Comité-Bänke im Theater aufgenommen.

Für die Schnitzelbänke werden damit die Chancen auf einen Auftritt im nationalen Fernsehen noch kleiner. Schon als SRF vor acht Jahren die Sendezeit des Querschnitts halbierte, kostete dies vielen Bängg ihren Platz. Künftig führt der einzige Weg auf den Bildschirm über einen Auftritt im
Restaurant Kohlmanns, wo Telebasel seit mehreren Jahren seine zwei Schnitzelbank-Abende durchführt.
Die Neuerung wird unter Schnitzelbänken allgemein bedauert. «Ich finde es schade, dass SRF auf eigene Aufzeichnungen verzichtet», sagt Edi Etter, Obmann der Comité-Schnitzelbänke. «Der Schnitzelbangg ist ein schweizweit bekanntes Exportgut.» Auch höre er von Schnitzelbänken immer wieder, dass die Stimmung und das Ambiente im Atlantis besser seien als im Kohlmanns.

TV-Präsenz ist für viele Bänke ein absolutes Muss

«Dass nun nur noch Telebasel Schnitzelbänke aufnimmt, erhöht den Druck. Das führt unweigerlich zu Diskussionen unter den Bänken», sagt Etter. Insgesamt 54 Auftrittsmöglichkeiten bietet Telebasel im Rahmen ihrer Berichterstattung an. Das reicht bei Weitem nicht für das Gros an Schnitzelbänken. Alleine das Comité zählt 26 Formationen in den eigenen Reihen. Dazu kommen fünf weitere Vereinigungen plus die wilden Bänke.

Gleichzeitig sind die Plätze im Fernsehen für viele Schnitzelbänke ein Must. Einerseits weil dies oft die einzige Chance auf gutes Video- und Tonmaterial ist. Andererseits ist ein Auftritt auf dem Bildschirm noch immer die beste Eigenwerbung. Was wenig bekannt ist: Viele Schnitzelbänke treten auch ausserhalb der drey scheenschte Dääg an Firmenfeiern, Apéros, Geburtstagen oder Hochzeiten auf. Für einige haben sich diese Engagements zu einem lukrativen Nebenverdienst entwickelt.

Entsprechend begehrt sind die Slots im Kohlmanns. «Es ist logisch, dass das Gerangel grösser wird», sagt Comité-Obmann Etter. Die verschiedenen Schnitzelbank-Gesellschaften gehen unterschiedlich damit um: Viele machen intern eine Triage und vergeben die TV-Plätze. So etwa die Verainigty Schnitzelbangg Gsellschaft (VSG), die vier Plätze für ihre acht Bängg hat. «Wir wollen nur unsere Besten bringen», sagt Obmann Heinz Studer.

«Wir wollen keine Qualifizierung unserer Bänke vornehmen»

Genügend Möglichkeiten für alle TV-Willigen hat einzig das Comité 1914. Dem Schnitzelbank-Comité stehen zwar von allen Gruppierungen am meisten Plätze zur Verfügung. Allerdings verfügt das Comité auch über das grösste Aufgebot. Klar ist: Rund ein Drittel der 26 Comité-Bängg wird nicht im Kohlmanns auftreten können Das hat auch damit zu tun, dass sich Comité und Telebasel vor ein paar Jahren wegen den Schnitzelbank-Übertragungen verkracht haben und die Comité-Bängg nun hinten anstehen müssen. Dazu kommt: Comité-Obmann Etter will nicht darüber entscheiden, wer am Bildschirm zu sehen sein wird und wer nicht. Im Comité würden alle gleich viel gelten. «Wir wollen keine Qualifizierung unserer Bängg vornehmen.», sagt Etter. «Am liebsten wäre es mir, wenn es die Bänke selber untereinander ausjassen, wer ins Kohlmanns geht.»

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