Stadtentwicklung

Gerangel ums Klybeck-Areal: Basler Regierung soll endlich kaufen

Ein riesiges Gelände, das geprägt werden will: Klybeck Plus. Jetzt soll der Kanton kaufen.

Ein riesiges Gelände, das geprägt werden will: Klybeck Plus. Jetzt soll der Kanton kaufen.

Der Kanton soll das Klybeck-Areal selber kaufen und im Baurecht abgeben. Dies fordert die SP jetzt mit Nachdruck – und mit einem parlamentarischen Vorstoss. Denn die Basel könne sich das sehr wohl leisten.

Rund 300'000 Quadratmeter Land stehen auf dem Klybeck-Areal zum Verkauf. Die beiden Life-Science-Konzerne Novartis und BASF wollen ihre jetzigen Büro- und Forschungsräume loswerden. Unter dem Namen Klybeckplus soll das Areal zu einem lebendigen, durchmischten, neuen Stadtquartier mutieren. Seit Jahren werden Konzepte und Ideen diskutiert. Die konkrete Umsetzung rollt allerdings nur langsam an. In den vergangenen Wochen haben die ersten Zwischennutzer ihre provisorischen Künstlerateliers bezogen.

Doch nun könnte es plötzlich sehr schnell gehen. Wie die bz vergangenen Monat berichtete, haben sich Novartis und BASF bereits auf die Suche nach einem Käufer gemacht. Offenbar sind sie dabei auch auf den Kanton Basel-Stadt zugegangen. Dieser hat sich vertraglich rund einen Sechstel des Areals gesichert.

Boden im Baurecht abgeben

In den vergangenen Wochen wurde von linker Seite die Forderung laut, dass der Kanton die Gelegenheit ergreifen und möglichst viel Fläche auf dem Areal erwerben soll. Bisher hat sich die Regierung allerdings nur sehr zurückhaltend zu der Idee geäussert. In einer Interpellation stellt SP-Grossrat Jörg Vitelli nun eine Reihe konkreter Fragen. «In Basel fehlt es an bezahlbarem Wohn-, aber auch Gewerberaum», sagt Vitelli. Er sieht in dem Areal eine einmalige Chance und fragt, ob die Regierung diese Einschätzung teile.

Weiter will er wissen, ob es der Kanton nicht auch zielführender fände, das ganze Areal zu erwerben und das Land danach im Baurecht abzugeben. Denn bei einem Verkauf an einen privaten Investor müsse der Kanton später viel Fläche zurückkaufen, um Plätze, Schulen, Kindergarten oder andere Infrastruktureinrichtungen für die Öffentlichkeit realisieren zu können. «Private haben kein Interesse daran», so Vitelli.

Ein gutes Beispiel für Quartierentwicklung sei das Dreispitz-Areal, das mit der Christoph Merian Stiftung (CMS) in den Händen einer durch die Öffentlichkeit kontrollierten Institution ist. «So ist eine demokratische Einflussmöglichkeit möglich», sagt Vitelli. Private hingegen würden den Boden der öffentlichen Mitwirkung entziehen. Diese würden primär ihren Nutzen im Fokus haben und vor allem die höchste Rendite erzielen wollen.

Fehler Rosental- und Erlenmatt

Entwicklungsprozesse könnten besser gesteuert werden, wenn sich das Land ganz im Besitz des Kantons befindet. Vitelli macht dabei auch die Verbindung zur Neuen Bodeninitiative, die vor zwei Jahren klar angenommen wurde. Diese verlangte eine aktive Bodenpolitik vom Kanton und schrieb gleichzeitig fest, dass kein Grundbesitz mehr verkauft werden darf ohne entsprechende Kompensation.

Zwei Beispiele, wie es nicht laufen sollte, sieht Vitelli im früheren DB-Areal, der heutigen Erlenmatt, und im Rosentalareal. In beiden Fällen habe es die Regierung verpasst, rechtzeitig das Gelände zu kaufen. Im Fall des Rosentalareals hat die Regierung dann einige Jahre später zu einem höheren Preis doch noch zugegriffen. Rund 375 Millionen Franken hat sich der Kanton die 47 000 Quadratmeter Boden vor zwei Jahren kosten lassen. «Aus solchen Fehlern sollte man lernen», sagt Vitelli.

«Kanton kann sich das leisten»

Das Rosentalareal ist aus einem anderen Grund noch interessant: Hochgerechnet auf das Klybeck-Areal würde dies bedeuten, dass die Kaufsumme zwischen zwei und drei Milliarden Franken liegen dürfte. Andere Zahlen, die kursieren, sprechen von einem Preis von rund einer Milliarde Franken. «Das sollte der Kanton alleine stemmen können», sagt Vitelli. Zumal der Kauf eine Investition in die Zukunft sei.

«Das Geld kommt via Baurechtszinsen wieder rein.» Eine weitere Variante wären Kooperationen mit den in Basel im Bereich Stadtentwicklung sehr aktiven Stiftungen CMS oder Habitat. Mit letzterer hat der Kanton etwa auf dem Lysbüchel-Areal erfolgreich zusammengearbeitet.

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