Derzeit haben wir ungleich lange Spiesse zwischen Onlinehandel und dem stationären Detailhandel», bemerkte Stefano Patrignani, Geschäftsleiter Migros Basel am Rand der Bilanz-Pressekonferenz. Dabei bezog er sich wider Erwarten nicht auf die unterschiedliche Kostenstruktur, dass nämlich die Onliner nur Versandzentren in Gewerbegebieten, die Stationären dagegen Ladenlokale in guten Lagen finanzieren müssen. Vielmehr betonte Patrignani: «Beim Onlinehandel fragt man nicht nach den Arbeitsbedingungen in der Produktion, nach der Rückverfolgbarkeit bei den Produkten oder deren ökologischer Nachhaltigkeit. Beim stationären Detailhandel hingegen sind dies mittlerweile wichtige Kriterien.»

Marktanteil gewonnen

Die rasante Zunahme des Onlinehandels steht neben dem Einkaufstourismus weit oben auf dem Sorgenbarometer der Migros Basel. Entsprechend widmete Patrignani einen grossen Teil der Medienkonferenz dem Versuch zu erklären, warum Migros Basel im Geschäftsjahr 2016 zwar schlechtere Zahlen schrieb als im Vorjahr, Verwaltungspräsident Werner Krättli diese aber als «absolut positiv, sportlich und robust» bezeichnete.

Konkret: In den Supermärkten sank der Umsatz um 0,3, in den Fachmärkten um 0,2, in der Gastronomie um 0,5 Prozent. Insgesamt resultierte im Handel als Kerngeschäft ein Rückgang in Franken um 0,3 Prozent, und zwar wegen der sinkenden Preise. Diese gingen im Schnitt um 0,6 Prozent zurück. Zum alten Wert wäre also der Umsatz um 0,3 Prozent gewachsen.
Nimmt man die Geschäftsfelder Klubschule (minus 2,4 Prozent) und Freizeit – minus 9,8 Prozent wegen der Schliessung des Fitnesscenters Heuwaage während des Umbaus – hinzu, resultiert nach der gleichen Rechenmethode ein realer Zuwachs von 0,1 Prozent. Da der Detailhandel in der Schweiz und insbesondere in der Region Basel deutlich stärkere Umsatzeinbussen verzeichnete, habe Migros Basel erneut Marktanteile hinzugewonnen – trotz der gedämpften Konsumentenstimmung und der aggressiveren Konkurrenz mit Aktionen wie Black Friday oder 50-Prozent-Tagen, führte Patrignani aus.

Bei einem Umsatz von 929,4 Millionen Franken resultierte ein Gewinn von 18,7 Millionen Franken – ein Rückgang um 0,3 Millionen. Das operative Ergebnis (Ebit) sank um 5,9 Prozent von 25,4 auf 23,9 Millionen, was mit den Kosten für eine Umstellung im Rechnungswesen begründet wurde.

Vom Preisrebell zum «Mehrwert»

Auf den Einkaufstourismus reagiert Patrignani mit Frischwaren: Diese seien der «Motor der Frequenz der Supermärkte. Wegen der Frische geht niemand ins Ausland einkaufen.» Hinzu kommt, was er als Mehrwertsortiment bezeichnet: Bio und die Alnatura-Linie legten um 12, Regionalprodukte um 2,1 und das Hochpreissegment «Sélection» um 26,9 Prozent zu, letztgenanntes vor allem während der Festtage.

Mit anderen Worten: Funktionierte Migros in den Gründerjahren als Preisbrecher, so haben diese Rolle mittlerweile die Konkurrenz ennet der Grenze und der Onlinehandel übernommen. Migros positioniert sich über das «Mehrwertsegment». Dazu gehört, was Patrignani als Nachhaltigkeit definiert, beispielsweise 21 Prozent weniger Energieverbrauch seit 2010.
Letztlich kämpft Migros Basel aber nicht gegen den Strukturwandel hin zu Online-Kanälen, sondern versucht, diese zu integrieren, beispielsweise indem man bei Migros-eigenen Versandhäuser bestellte Ware in bestimmten Filialen abholen kann. Für 2017 rechnet man weiter mit schwierigen Bedingungen. Das Ziel sei, die Umsätze zu halten und die Kundenbindung zu stärken.

In verschiedenen Läden, im Fitnesspark Heuwaage und dem Restaurant Seegarten investierte die Migros Basel im vergangenen Jahr 36 Millionen Franken. Das sind 6,5 Millionen weniger als veranschlagt, denn Einsprachen blockieren den OBI-Neubau in Pratteln. Für das laufende Jahr sind erneut 36 Millionen Franken an Investitionen budgetiert.