Basler Strafgericht

Geschäftsmann nimmt 150'000 Franken von Konto, das schon im Minus ist

Der Hauptangeklagte nahm 150'000 Franken aus einem Firmenkonto, das bereits im Minus war. (Symbolbild)

Der Hauptangeklagte nahm 150'000 Franken aus einem Firmenkonto, das bereits im Minus war. (Symbolbild)

«Regio Aktuell»-Prozess Hauptangeklagter Gloor gibt zu, Privates und Geschäftliches vermischt zu haben. Seine Glaubwürdigkeit ist durch einige widersprüchliche Aussagen inzwischen ziemlich angekratzt.

Wie alle Wirtschafts- und Betrugsprozesse folgt auch dieser einer simplen Dramaturgie: Schwarz auf weiss belegt sind einzig Kontobewegungen und Verträge, die Angeklagten sprechen von völlig normalen Vorgängen, die Staatsanwaltschaft hingegen geht von deliktischem Handeln aus.

Zumindest der Hauptangeklagte Robert Gloor gab am Dienstagmorgen zu, einen Arbeitsvertrag zurückdatiert zu haben. Er habe sich nichts dabei gedacht. Viele Fragen warf allerdings eine Kapitalerhöhung im Juli 2003 der GTS Verlag AG auf: Robert Gloor sagte, man habe in der Firma mehr Geld benötigt. Er nahm die 150'000 Franken dazu allerdings aus einem Firmenkonto, das bereits im Minus war. Staatsanwalt Karl Aschmann wies darauf hin, dass damit der Firma faktisch kein Rappen zusätzlich zur Verfügung stand. «Ich bin kein Buchhalter. Ich habe der Firma 150'000 Franken mehr zur Verfügung gestellt», antwortete Gloor genervt.

Doch auch die Richter hakten nach, was der Sinn dieses Manövers gewesen sei, denn die Liquidität habe er mit dieser Bilanzarithmetik nicht verändert. «Es war steuerlich eine andere Angelegenheit. Ausserdem ist eine Kapitalerhöhung ein ganz legaler Vorgang», meinte Gloor schliesslich verärgert. «Ein seltsamer Weg, wenn man sagt, man brauche mehr Kapital», kommentierte Gerichtspräsident Dominik Kiener. «Ich habe das Kapital benötigt. Die technischen Vorgänge sind für mich ein Buch mit sieben Siegeln», meinte Robert Gloor daraufhin.

Der Treuhänder und Mitangeklagte Bernhard Madörin wies den Vorwurf zurück, er habe als Treuhänder beim Eintrag dieser Kapitalerhöhung ins Handelsregister die Behörden getäuscht. «Ich hatte eine Bestätigung der Bank, die besagt, das Kapital sei einbezahlt worden», versicherte Madörin.

Der Verdacht steht im Raum, dass mit der Kapitalerhöhung der Minderheitsaktionär Kurt Schudel ausgebootet werden sollte. Robert Gloor bestritt dies energisch, räumte aber auch ein, man habe Schudel mit viel Geld zum Ausstieg bewegen wollen.

Unbedingte Freiheitsstrafe droht

Robert Gloor hatte in beiden Verhandlungstagen mehrmals klargemacht, dass er die Aktiengesellschaft ähnlich wie eine Einzelfirma geführt hatte. Nicht immer unterschied er als Hauptaktionär klar zwischen privaten und geschäftlichen Ausgaben. Er bestritt allerdings mehrmals klar, die GTS Verlag AG finanziell ausgehungert zu haben. Seine Glaubwürdigkeit ist allerdings durch einige widersprüchliche Aussagen inzwischen ziemlich angekratzt.

Die Staatsanwaltschaft wird ihr Plädoyer erst am kommenden Montag halten, doch durch die Anklage der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Urkundenfälschungen und des mehrfachen Steuerbetruges dürfte sie für Gloor je nach Deliktsumme eine Freiheitsstrafe in einem Bereich fordern, der nicht mehr bedingt ausgesprochen werden kann.

Für ein konkretes strafrechtliches Verschulden von Treuhänder Bernhard Madörin und Notar Daniel Staehelin gab es bislang wenig Hinweise – insbesondere Madörin betonte, er habe als Verwaltungsrat jeweils lediglich die Jahresrechnungen gesehen und sich nie mit den Details der Buchhaltung befasst. Die drei Richter fällen ihr Urteil am 1. September.

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