Die Abenteuer des Reporters Tim sind weltbekannt und ein Meilenstein der Comic-Geschichte. Der belgische Zeichner Hergé (1907-1983) entwickelte darin aber auch einen Zeichenstil zur Perfektion, dessen Einfluss bis heute anhält, wie das Cartoonmuseum unter dem Titel «Die Abenteuer der Ligne claire. Der Fall Herr G. & Co.» aufzeigt.

Die Ausstellung präsentiert die wichtigsten Vertreter der «Ligne claire», von den Anfängen über die Hochblüte bis zur Gegenwart. Im Fokus dieses Stils steht der Strich, die Linie, wie Annette Gehrig, Kuratorin und Museumsleiterin am Donnerstag vor den Medien sagte. Die Konturen sind präzis, die Kolorierungen flächig und einfarbig.
Lesbar und verständlich

Hergé habe alle «Schraffuren und Exzesse der Karikatur streng verbannt», wird in der Ausstellung dessen Mitarbeiter Albert Weinberg zitiert. Es gehe darum, «nur das zu zeigen, was nötig ist, und dass es doch ausreicht für das Verständnis der Geschichte», sagt Hergé selbst: «Der Leser soll der Schilderung folgen können.»

Über die Strichführung hinaus prägte dieses Bemühen um Einfachheit auch die Erzählweise, wie Ariel Herbez, der mit Jean-Marie Derscheid die Schau wissenschaftlich verantwortet, in einem Ausstellungsheft festhält: Rückblenden etwa gibt es bei «Tintin» nicht, und wenn Tim läuft, tut er's fast immer in Leserichtung von links nach rechts.

Hergé entwickelte ab den 1930er-Jahren die «klare Linie» zur Bildsprache des klassischen Abenteuer-Comics. Ganz erfunden hatte er den Stil indes nicht. Japonismus, Art Déco oder die Drucktechnik hatten zuvor schon den Weg zu vereinfachten Formen gewiesen, und Hergé zählte zu seinen Vorbildern US-Zeichner wie George McManus.
Hochblüte und Revival

Eine erste Hochblüte erlebte die «Ligne claire» in den 1950er-Jahren mit dem belgischen Wochenmagazin «Tintin». Als dessen künstlerischer Leiter formte Hergé eine ganze Generation von Zeichnern wie Edgar P. Jacobs ("Blake und Mortimer"), Jacques Martin ("Alix") oder Bob de Moor ("Barelli").

Ein Revival gabs dann unter dem Einfluss des US-Underground-Comics in den 1980er-Jahren in Frankreich, Belgien und den Niederlanden: Bildaufbau und Inhalte wurden freier, Zeichner waren etwa Ted Benoit («Ray Banana»), Yves Challand («Freddy Lombard») oder Joost Swarte; der Niederländer Swarte war 1977 auch der erste, der den Begriff «Ligne claire» verwendete.

Das Cartoonmuseum verweist aber auch auf Verbindungen zu Schweizer Zeichnern bis hin zum Kinderbuchklassiker «Globi» von Robert Lips und zeigt Entwicklungslinien in die Gegenwart. Die aus einer Schau am Lausanner Comic-Festival BF-FIL von 2012 entwickelte Ausstellung dauert bis zum 9. März 2014 und wird von einem Rahmenprogramm begleitet.