Geschlossene Grenzen
Deutsche Mutationsliste: Die Angst vor dem «Super-Gau» für Grenzgänger

Zurzeit sind kurze, nicht kommerzielle Grenzübertritte im Dreiland möglich. Steigen hierzuland die Infektionszahlen mit den Virusvarianten aber an, könnte sich dies schlagartig ändern.

Tobias Gfeller
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Vor einem Jahr wurde die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland bereits einmal wegen Corona geschlossen.

Vor einem Jahr wurde die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland bereits einmal wegen Corona geschlossen.

Roland Schmid / BZ

Seit Januar haben sich die Regelungen für Grenzübertritte in der Region Basel nach Deutschland und Frankreich nicht geändert. Nicht kommerzielle und nicht touristische Grenzübertritte nach Deutschland sind im Raum bis 30 Kilometer zur Grenze in die Schweiz hinein für maximal 24 Stunden erlaubt. Bleibt dieses Regime so bestehen, dürften Schweizerinnen und Schweizer nicht nach Deutschland zum Einkaufen, wenn dort die Läden in den nächsten Wochen öffnen sollten. Auch Pakete können noch nicht abgeholt werden, bestätigt Marc Borer, Schweizer Referent von Infobest Palmrain, einer staatlichen Stelle, die Bürgerinnen und Bürger, Verwaltungen, Unternehmen, Vereine und Politikerinnen und Politiker in allen grenzüberschreitenden Fragen zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz informiert und berät. Die Schweiz wird von Deutschland – genauer gesagt vom dafür zuständigen Robert-Koch-Institut – als Risikogebiet gelistet, was bei der Einreise strenge Quarantänebestimmungen mit sich bringt.

Chaosartige Zustände wie an der Grenze zu Tschechien?

Für die Grenzregionen – allen voran für die Grenzgängerinnen und Grenzgänger – konnten aber längst praktikable Lösungen gefunden werden. Diese stünden aber auf der Kippe, falls das Robert-Koch-Institut die Schweiz oder schon nur die Region Basel auf die strengere Liste der Virusvarianten-Gebiete setzt. Was das bedeutet, zeigte sich zuletzt in chaotischen Zuständen an der Grenze zu Tschechien, als dieses auf eben diese Liste gesetzt wurde. «Das wäre für die Region Basel der Super-Gau», warnt Marc Borer unmissverständlich. «Dann hätten wir ernsthafte Probleme. Ausnahmen wären dann nicht mehr möglich.»

Personen, die sich innerhalb der letzten zehn Tage vor Einreise nach Deutschland in einem solchen Gebiet aufgehalten haben, sind verpflichtet, sich bereits vor Antritt der Reise nach Deutschland testen zu lassen. Wer also in Deutschland wohnt und in der Schweiz arbeitet, müsste sich womöglich tagtäglich testen lassen. Wie diese Regelungen im Detail ausgestaltet werden, darauf haben die einzelnen Bundesländer zwar Einfluss, dieser ist aber marginal. Marc Borer ist aber überzeugt, dass die Möglichkeit, dass die Schweiz auf die deutsche Liste der Virusvarianten-Gebiete kommt, in Bundesbern und auch in Baden-Württemberg längst diskutiert wird.

Auch nach Frankreich sind zurzeit kurze Abstecher möglich – genauer gesagt bis 30 Kilometer vom eigenen Wohnort in der Schweiz entfernt. Wie komplex und manchmal auch unscharf die Regelungen für Grenzübertritte sind, zeigt die Formulierung, dass Grenzübertritte nach Deutschland mit der Begründung Freizeit möglich sind, mit der Begründung Tourismus aber nicht. Ist jetzt eine mehrstündige Wanderung schon touristisch oder bloss Freizeit? Weil in Deutschland zurzeit die meisten Läden noch geschlossen sind, würden wohl viele gerne von ennet der Grenze in der Region Basel zum Einkaufen kommen. Das wäre aber kommerziell und damit nicht gestattet. Ein deutscher Grenzgänger darf auf dem Heimweg aber noch schnell in den Coop oder die Migros.